Samstag, 04. Januar 2020

Raketen auf US-Stützpunkt – Trauerzug für iranischen General

Am Abend wurden die hochgesicherte Zone in Bagdad und die irakische Militärbasis Al-Balad, auf der US-Soldaten stationiert sind, von mehreren Geschossen getroffen. Tausende Iraker haben davor an einem Trauerzug für den bei einem US-Raketenangriff getöteten iranischen General Qassem Soleimani teilgenommen.

Trauernde nahmen an einer Prozession in Bagdad teil. - Foto: © APA (AFP) / MOHAMMED SAWAF

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Balad im Irak, auf dem auch US-Soldaten untergebracht sind, sowie im Stadtzentrum Bagdads sind am Samstag mehrere Raketen eingeschlagen.

Die Geschosse schlugen nach Angaben aus Sicherheitskreisen fast zeitgleich in der Grünen Zone und auf dem Gelände des Luftwaffenstützpunktes ein. Auf dem Gelände der in der Grünen Zone in Bagdad befindlichen US-Botschaft schrillten sofort die Sirenen, wie dortige Kreise sagten. In der US-Botschaft befinden sich sowohl Diplomaten als auch US-Truppen.

Aus Sicherheitskreisen verlautete, dass auf dem Stützpunkt Al-Balad 80 km nördlich von Bagdad zwei Katjuscha-Raketen eingeschlagen seien. Wenig später wurde aus Polizeikreisen berichtet, dass im Bagdader Viertel Jadriya Mörsergranaten niedergegangen seien und fünf Menschen verletzt hätten.

US-Botschaft attackiert

Die US-Botschaft war am Dienstag von tausenden pro-iranischen Demonstranten attackiert worden. In der Nacht zum Freitag töteten die USA mit einem gezielten Drohnenangriff nahe des Flughafens von Bagdad den iranischen Top-General Qassem Soleimani. Seither fürchten die USA Vergeltungsschläge gegen ihre diplomatische Vertretung sowie Stützpunkte im Irak, auf denen auch US-Soldaten stationiert sind.

Die iranischen Revolutionsgarden drohen den USA wegen Soleimanis Tötung mit Vergeltung im Nahen Osten und schließen auch Angriffe in der Straße von Hormuz nicht aus. Der Iran werde die Amerikaner bestrafen, wo immer sie erreichbar seien, sagte der Kommandant der Revolutionsgarden in der Provinz Kerman, General Gholamali Abuhamzeh, der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge. „Die Straße von Hormuz ist ein wichtiger Punkt für den Westen, und viele amerikanische Zerstörer und Kriegsschiffe passieren sie.“

Drohungen in Richtung USA

Das geistliche und staatliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, drohte den USA am Freitag mit massiver Vergeltung. General Abuhamzeh sagte, im Nahen Osten seien seit langem wichtige US-Ziele ausgemacht. 35 US-Stellungen in der Region und in der israelischen Stadt Tel Aviv lägen in Reichweite.

Angriffe in der Straße von Hormuz könnten erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Die Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist einer der wichtigsten Schifffahrtswege. Durch die Meerenge geht etwa ein Fünftel der weltweiten Öltransporte.

Zehntausende bei Trauerzug

In Bagdad versammelten sich am Samstag Zehntausende zum Trauerzug für Soleimani und den führenden Kommandanten irakischer Schiiten-Milizen, Abu Mahdi al-Muhandis, der ebenfalls bei dem von US-Präsident Donald Trump angeordneten Angriff getötet wurde. Russland und China warfen den USA einen Bruch des Völkerrechtes vor. In Deutschland entbrannte eine Debatte über einen Abzug der Bundeswehr aus dem Irak.

Der irakische Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi und führende Milizionäre nahmen an dem Marsch teil. Zahlreiche Teilnehmer schwenkten irakische Flaggen und Fahnen der Milizen. Viele trugen Fotos von Soleimani und Muhandis, sie riefen „Nein zu Israel“ und „Nein zu Amerika“.



apa