Montag, 14. März 2022

Ranghoher russischer Beamter: Angriff kommt nicht wie geplant voran

Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland kommen nicht voran. Die russischen Streitkräfte zielen nach Kremlangaben auf die Einnahme großer Städte. Ein Putin-Vertrauter verrät Probleme des Angriffs.

Nachdem ihr Wohnhaus in Kiew bombardiert worden ist, wird diese Frau in Sicherheit gebracht. - Foto: © ANSA / PROTEZIONE CIVILE UCRAINA

Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Waffenruhe haben erneut keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Am 19. Kriegstag vertagten sich die Unterhändler auf diesen Dienstag. Erstmals räumte ein ranghoher Beamter aus dem Sicherheitsapparat von Präsident Wladimir Putin ein, dass der russische Angriff nicht so vorankomme wie geplant. Das Verteidigungsministerium schließt die Einnahme großer Städte in der Ukraine nicht aus, wie Putins Sprecher Dmitri Peskow am Montag sagte. UN-Generalsekretär António Guterres warnte: „Die Aussicht auf einen nuklearen Konflikt, einst undenkbar, ist jetzt wieder im Bereich des Möglichen.“

Russland hatte den Angriff, der das Völkerrecht verletzt, am 24. Februar begonnen. Die militärischen Pläne erläuterte Putins Sprecher Peskow laut Agentur Interfax so: „Zu Beginn der Operation hat der russische Präsident das Verteidigungsministerium angewiesen, von einem sofortigen Angriff auf die großen Bevölkerungszentren, einschließlich Kiews, abzusehen.“ Das Verteidigungsministerium schließe nun nicht aus, die vollständige Kontrolle über große besiedelte Gebiete zu übernehmen. Grund sei, dass „nationalistische Formationen“ angeblich „militärisches Gerät“ in Wohngebieten platziert hätten.

Unterhändler Russlands und der Ukraine begannen am Montag die neuen Verhandlungen per Video-Schalte. Es war das vierte Treffen. Bei der Unterbrechung bis Dienstag handle sich um eine technische Pause für Gespräche in Arbeitsgruppen und eine „Klärung individueller Definitionen“, erläuterte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak.

Ein brennendes Auto in Luhansk. - Foto: © ANSA / Telegram State Emergency Service



Die Ukraine fordert ein Ende des Krieges und einen Abzug der russischen Truppen. Moskau verlangt, dass Kiew die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisches Territorium sowie die ostukrainischen Separatistengebiete als unabhängige Staaten anerkennt und die Ukraine ihre Neutralität erklärt.

Die militärische Lage


Ein Gefolgsmann Putins, der Chef der russischen Nationalgarde Viktor Solotow, erläuterte: „Ich möchte sagen, dass, ja, nicht alles so schnell läuft, wie man sich das wünschen würde.“ Er sprach davon, dass sich „Nazisten“ in der Region hinter friedlichen Bürgern, in Schulen, Kindergärten und Wohnhäusern verstecken würden.

Foto: © APA



Die Zahl der seit Kriegsbeginn zerstörten ukrainischen Militärobjekte liegt nach russischen Angaben inzwischen bei rund 4000 – darunter mehr als 1200 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge.

Die prorussischen Separatisten in der Region Luhansk stoßen nach Moskauer Angaben weiter auf starken Widerstand ukrainischer Truppen. Im Nordosten der Großstadt Sjewjerodonezk liefen Kämpfe gegen „Nationalisten“, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. In der Stadt leben etwa 100.000 Menschen.

Ein Bild aus der Region um die Stadt Luhansk. - Foto: © ANSA / Telegram State Emergency Service



In der ostukrainischen Großstadt Donezk wurden nach Angaben der prorussischen Separatisten mindestens 20 Menschen durch Trümmer einer ukrainischen Rakete getötet. Unter den Opfern seien Kinder.

Nach ukrainischen Angaben wurde das Gelände der für ihre Frachtmaschinen bekannten Antonov-Flugzeugwerke in Kiew beschossen. Heftige Gefechte gab es nördlich und östlich von Kiew. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Alle Berichte zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.

dpa

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