Am vergangenen Wochenende fand in Rom die Gründungsversammlung der von Ex-General Roberto Vannacci angeführten Partei „Futuro Nazionale“ statt, an der mit Giuseppe Martucci auch ein Bozner Gemeinderatsmitglied teilnahm. Er und Gemeinderat Andrea Lucci gehörten bis April der Partei Fratelli d'Italia an, wechselten dann aber in die Gemischte Fraktion. Letzte Woche gaben Martucci und Lucci ihren Beitritt zu „Futuro Nazionale“ bekannt – einer Partei, die die Remigration fordert und sich kritisch gegenüber LGBTQ-Rechten positioniert.<h3> „Die Gespräche laufen“</h3>„Bei ,Futuro Nazionale' handelt es sich um ein ernsthaftes Projekt, bei dem die Rechte auch wirklich rechte Politik macht. In Bozen rücken die Rechtsparteien immer weiter in die Mitte. Diese Entwicklung gefällt mir nicht“, betonte Martucci gestern auf Anfrage. Bislang haben nur er und Lucci ihre Zugehörigkeit zur Vannacci-Partei erklärt. <BR /><BR />Allerdings gibt es Gerüchte, dass es bereits einen weiteren möglichen Kandidaten für „Futuro Nazionale“ gebe – einen Namen nannte Martucci gestern aber nicht. „Die Gespräche laufen, mal sehen, ob sich aus ihnen etwas Konkretes ergeben wird“, meinte Martucci nur. Sollte dieses Szenario eintreten, könnte die Mitte-rechts-Koalition ihre Mehrheit im Gemeinderat verlieren. Denn: Ab drei Sitzen kann eine eigene Fraktion gegründet werden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1324521_image" /></div> <BR /><BR />„Ich beschäftige mich mit Problemen erst dann, wenn sie tatsächlich auftreten. Stand jetzt verfügen wir im Gemeinderat über eine Mehrheit von 23 Personen“, stellte Bürgermeister <b>Claudio Corrarati</b> (im Bild) gestern klar. Sollte der dritte Kandidat für „Futuro Nazionale“ aus den Reihen der Mehrheit kommen, müsse die gesamte Situation neu bewertet werden. „Sollte die Mehrheit wegfallen oder nur noch mit Unterstützung der Vannacci-Partei bestehen, werde ich sofort ein Koalitionstreffen einberufen“, kündigte Corrarati an. „Was mich betrifft: Einige der Themen, die von dieser Liste vertreten werden, entsprechen in keiner Weise meinen ethischen und moralischen Werten“, fügte er hinzu.<h3>„Kann mir ein solches Szenario nicht vorstellen“</h3>Neben der Liste des Bürgermeisters („La Civica per Bolzano“), den Fratelli d'Italia, der Lega und Forza Italia gehört auch die Südtiroler Volkspartei (SVP) der Mitte-rechts-Koalition in Bozen an.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1324524_image" /></div> <BR /><BR />SVP-Fraktionssprecherin <b>Elizabeth Ribeiro da Silva</b> (im Bild) sieht die aktuelle Situation ähnlich wie Corrarati. „Nach wie vor besteht die Mehrheit aus 23 Mitgliedern, außerdem können wir derzeit auch auf eine Unterstützung aus der Gemischten Fraktion zählen“, unterstrich sie gestern gegenüber den „Dolomiten“. Würden Martucci und Lucci jedoch ein drittes Gemeinderatsmitglied überzeugen können, sich der Partei „Futuro Nazionale“ anzuschließen, „wird sich die Mehrheit an einen Tisch setzen müssen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dieses Szenario tatsächlich eintritt“, so Ribeiro da Silva.<BR /><BR />Sollte „Futuro Nazionale“ künftig trotzdem im Gemeinderat vertreten sein, wäre die in der politischen Mitte angesiedelte Liste „Io sto con Bolzano“ von Landtagspräsident Angelo Gennaccaro ein möglicher, neuer Koalitionspartner für die aktuelle Regierung. „Bei den Koalitionsgesprächen vor einem Jahr wurden bereits Gespräche mit der Gennaccaro-Liste geführt. Diese Partei würde die gesamte Mehrheit weiter in die Mitte rücken lassen, was wir als SVP sicher gutheißen würden“, meinte Ribeiro da Silva dazu.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1324527_image" /></div> <b><BR /><BR />Abdallah Chniouli</b> (im Bild), Fraktionssprecher von „Io sto con Bolzano“, will derzeit nichts wissen von einem solchen Szenario. „Wir sprechen von einem Problem, das die Mehrheit betrifft und das diese selbst regeln muss. Die zentrale Frage lautet: Wollen sie mit einer Kraft regieren, die von Remigration und Deportation spricht, vor dem Hintergrund der Geschichte Südtirols mit dem Faschismus?“, stellte Chniouli klar. „Wenn sie sich dafür entscheiden, dem moderaten Kurs zu folgen, sind wir offen für den Dialog. Vorher werden wir uns jedoch keinen Millimeter von unserem Standpunkt bewegen.“