Wir haben bei einer Politikwissenschaftlerin, einer Psychologin sowie bei Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer nachgefragt. <BR /><BR />Ein Aktionsmonat, um Toleranz und Solidarität einzufordern, eine Flagge als weithin sichtbares Symbol des Stolzes. Weltweit hat sich der Juni als „Regenbogenmonat“ etabliert, allerorten identifiziert sich die queere Community mit der Regenbogenflagge. Queere Community lässt sich zusammenfassen als die vielfältige Gemeinschaft von Menschen, deren sexuelle Orientierung bzw. geschlechtlichen Identitäten von der Norm abweichen. <BR /><BR />Zum wiederholten Male beteiligen sich Institutionen in Südtirol am Pride Month, unter anderem wird man der Regenbogenfahne im Pressesaal des Palais Widmann sowie in den Eingangsbereichen der Landhäuser begegnen. Damit zeige man Flagge für eine „offene, tolerante und gerechte Gesellschaft“, ließ Landeshauptmann Arno Kompatscher bereits im Vorfeld wissen und weiter: „Die Regenbogenflagge darf dabei nicht parteipolitische instrumentalisiert werden, sondern steht für gemeinsame gesellschaftliche Werte.“ <h3> Bruchlinie zieht sich quer durch die Landesregierung</h3>Doch wie schon in den Jahren zuvor entzweit sie die politischen Gemüter, die Bruchlinie zieht sich quer durch das Lager der Landesregierung. So hatte Vizelandeshauptmann Marco Galateo erklärt, dass man ihn im Pressesaal nicht sehen werde, solange dort die Regenbogenflagge platziert ist. Und so spricht sich per Aussendung Roland Stauder, Obmann der Freiheitlichen, dezidiert gegen die „Verwendung von Regenbogenflaggen in und auf öffentlichen Gebäuden“ aus. Institutionen hätten Neutralität zu wahren, erklärt Stauder, die Regenbogenflagge stehe heute „für weit mehr als den Kampf gegen Diskriminierung“, sie werde mit politischen und ideologischen Forderungen verbunden. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1319637_image" /></div> <BR /><BR />Katharina Crepaz, Politikwissenschaftlerin an der Eurac in Bozen, erinnert an die Ursprünge der Pride-Bewegung, die bis in die 1960er-Jahre zurückreicht. Längst sei die Bewegung kein Randphänomen mehr, die Anliegen würden heute auf breiten Konsens stoßen. „Gerade wir in Südtirol müssten sensibel sein, wenn es um die Wahrung von Minderheitenrechten geht“, erweitert Crepaz den Kontext. In ihren Augen ist die Beflaggung ein legitimes Mittel, um auf die Anliegen der queeren Gemeinschaft aufmerksam zu machen. Wie erklärt sie sich den Disput? „Fahnen lassen sich stets auch ideologisch deuten, sie haben eine klare Signalwirkung, diese nutzt man für Botschaften an die eigene Wählerschaft“, zeigt sie auf. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1319640_image" /></div> <BR /><BR />Eine weitere Facette bringt Psychologin Sabine Cagol ins Spiel: „Jede Fahne ist immer auch ein politisches Statement, wobei das Thema der sexuellen Identität besser aus klinischer Sicht diskutiert werden müsste.“ Das Spektrum der Geschlechteridentitäten habe sich letzthin stark erweitert, es gebe viel Unwissenheit und Erklärungsbedarf. „Das Thema wird oftmals ziemlich offensiv vorgetragen und sorgt auch innerhalb der queeren Gemeinschaft für Kontroversen, manchen ist es zu heiß“, meint sie.<BR /><BR />Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer ist der Auffassung, dass es den Aktionsmonat sehr wohl brauche. „Leider werden Menschen im Arbeitsleben sowie in der Gesellschaft aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert. In der Regenbogenflagge erkenne ich keine Ideologie, sondern ein universelles Symbol für Gleichbehandlung“, betont Hofer. <BR /><BR />Und so passt die Flagge mit den vielen Farben irgendwie auch zu den vielen Meinungen und Positionen.