Freitag, 23. Oktober 2020

Regierung arbeitet an neuem Dekret: Kommt der Lockdown?

Die italienische Regierung arbeitet laut dem „Corriere della Sera“ bereits an einem neuen Dekret. Ein staatsweiter Lockdown – wenn auch nicht ganz so streng wie im Frühjahr – wird nicht mehr ausgeschlossen. Ministerpräsident Giuseppe Conte sieht weiteren Handlungsbedarf, auch wenn er einen neuerlichen Lockdown als die letzte Lösung sieht.

Ministerpräsident Giuseppe Conte  sieht weiteren Handlungsbedarf, auch wenn ein  neuerlicher Lockdown  die letzte Lösung sei.
Ministerpräsident Giuseppe Conte sieht weiteren Handlungsbedarf, auch wenn ein neuerlicher Lockdown die letzte Lösung sei. - Foto: © ANSA / POOL LAPRESSE/MAURO SCROBOGNA
Vor allem jene Regionen, die mittlerweile zusammen insgesamt 8000 Infizierte verzeichnen, allen voran Kampanien und die Lombardei, drängen auf neue, drastische Maßnahmen. Aber auch die klügsten aller Köpfe machen Druck. Am Freitag appellierten über 100 renommierte Wissenschaftler an die Regierung, weitere Schritte zu setzen. Und zwar innerhalb der nächsten 2 bis 3 Tage.

„Als Wissenschaftler, Forscher, Universitätsprofessoren halten wir es für richtig und dringend notwendig, unsere tiefste Besorgnis über die derzeitige Phase der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie zum Ausdruck zu bringen“, schreiben die Forscher an Staatsoberhaupt Sergio Mattarella und Conte und beziehen sich dabei auf die Schätzungen des Physikers Giorgio Parisi, wonach die wöchentlich beobachtete Verdoppelung der Todesfälle innerhalb kürzester Zeit zu 400 bis 500 Toten pro Tag führen könnte.

Pläne liegen bereits in der Schublade

Die Regierung erwägt nun, alle nicht unbedingt notwendigen Aktivitäten auf dem gesamten Staatsgebiet stärker einzuschränken, um die Zahl der Corona-Infektionen einzudämmen. (In den vergangenen 24 Stunden gab es in Italien über 19.000 Neuinfektionen)

Die Lage in Italien spitzt sich täglich zu, mehrere Regionen sind bereits am Limit und haben Ausgangssperren verhängt.

Neben Ministerpräsident Conte sei auch Gesundheitsminister Roberto Speranza mehr denn je davon überzeugt, dass die Regeln jetzt verschärft werden müssen, bevor die Situation aus dem Ruder läuft.

Die Pläne liegen bereits in der Schublade, das neue Dekret könnte bereits in den kommenden in Kraft treten, heißt es im „Corriere della Sera“.

Über folgende Maßnahmen wird laut dem „Corriere“ derzeit in Rom diskutiert:

Ein „sanfter“ Lockdown

Der Lockdown soll – wenn er denn kommt – nicht so streng wie im Frühjahr sein, dennoch: Menschen sollen das Haus nur verlassen dürfen, um Einkaufen, zur Arbeit und zur Schule zu gehen. Die Schulen und Kindergärten sollen weiter geöffnet bleiben.

Das Reisen zwischen den Regionen könnten wieder eingeschränkt werden.

Ausgangssperre – erste Proteste in Neapel


Die vorherrschende Hypothese sieht eine Ausgangssperre ab 21 Uhr auf dem gesamten Staatsgebiet vor, die Schließung von Turnhallen, Schwimmbädern, Bars, Restaurants und die Schließung von Geschäften an Wochenenden.

Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit, die in Erwägung gezogen wird, und zwar eine weniger strenge Beschränkung für Geschäfte und eine Ausgangssperre erst ab 22 Uhr.

Immer mehr süditalienische Regionen haben bereits ein nächtliches Ausgangsverbots verhängt, in der Hoffnung, die Zahl der Neuinfektionen zu drücken. Dies führte am Freitagabend zu heftigen Protesten. ( STOL hat berichtet)

Hunderte Personen haben im Zentrum Neapels gegen die wegen des Coronavirus eingeführte nächtliche Ausgangssperre in der süditalienischen Region Kampanien protestiert. Die Demonstranten bewarfen den Sitz der Region mit Knallkörpern und griffen die Polizei mit Rauchbomben an. Diese reagierte mit Tränengas.



Eine endgültige Entscheidung wird nach der Analyse der neuesten Daten aus dem täglichen Bulletin und des wöchentlichen Monitorings getroffen werden.

Fakt ist: Im Regierungspalast Chigi wird bereits an einem neuen Dekret gefeilt.



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