Donnerstag, 19. September 2019

Renzi plant Italien-Tour zur Vorstellung seiner neuen Partei

„Italia Viva” (Lebendiges Italien), die neue Mitte-Links-Partei von Ex-Premier Matteo Renzi, nimmt Formen an. Nachdem am Mittwoch in den beiden Parlamentskammern - Abgeordnetenkammer und Senat - die Fraktionen der neuen Gruppierung gegründet wurden, kündigte Renzi am Donnerstag eine Italien-Tour zur Vorstellung der neuen Partei an.

Matteo Renzi: "Ich beginne aufs Neue" Foto: APA (AFP)
Matteo Renzi: "Ich beginne aufs Neue" Foto: APA (AFP)

Nach der offiziellen Präsentation der Partei bei einem vom 18. bis 20. Oktober in Florenz geplanten Kongress startet Renzi eine Tour durch Italien. „Ich beginne alles aufs Neue. Ich nehme meinen Rucksack wie in meiner Jugend als Pfadfinder, und setze mich in Bewegung. Ich werde mit dem Auto durch Italien touren, Unternehmen, Fabriken und ehrenamtliche Organisationen besuchen”, kündigte der 44-jährige Renzi am Donnerstag in einem Interview mit dem Radiosender RTL 102.5 an.

Renzi bekräftigte, dass er trotz seines Austritts aus der Demokratischen Partei (PD), die er zwischen 2013 und 2018 als Parteichef geführt hatte, die neue Regierung von Premier Giuseppe Conte weiter unterstützen werde. „Ich habe der Regierung Conte vor zwei Wochen mein Vertrauen ausgesprochen. Ich stürze sie nicht”, versicherte Renzi.

Der neuen Fraktion Renzis haben sich bisher 41 Parlamentarier - 15 Senatoren und 26 Abgeordnete - angeschlossen - darunter auch die Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova. Im Senat wechselte unter anderem die Senatorin Donatella Conzatti aus den Reihen der rechtskonservativen Forza Italia von Ex-Premier Silvio Berlusconi zur neuen Fraktion. Erwartet wird, dass sich noch weitere Forza Italia-Mandatare der neuen Gruppierung anschließen werden.

”Nach der Gründung der Fraktionen im Parlament werden wir sofort beginnen, uns auf lokaler Ebene zu organisieren”, berichtete der Renzi-Vertraute Davide Faraone. Berlusconi wünschte Renzi viel Erfolg. „Diese Regierung besteht jetzt aus vier Linksparteien. Ich bete jeden Abend, dass sie bald stürzt”, kommentierte der Forza Italia-Chef.

Auch PD-Chef Nicola Zingaretti befürchtet, dass sich Renzis Austritt aus der PD negativ auf die Regierung Conte auswirken werde. „Es besteht die Gefahr, dass die Renzi- Partei die Regierung destabilisiert. Die Entstehung einer neuen politischen Kraft verändert die Situation. Ich hoffe, dass jeder Verantwortungsbewusstsein zeigt”, sagte Zingaretti.

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts EMG Acqua würde die Renzi-Partei bei Neuwahlen auf lediglich 3,4 Prozent der Stimmen kommen. Die rechte Lega von Ex-Innenminister Matteo Salvini wäre demnach mit 33 Prozent der Stimmen weiterhin mit Abstand stärkste Partei. Die PD würde laut der Erhebung auf 20 Prozent und die Fünf Sterne-Bewegung auf 18,5 Prozent kommen.

apa

stol