Dienstag, 23. Juni 2020

Renzler: „Steuersenkung darf nicht auf Kosten der Arbeitnehmer erfolgen“

Die italienische Regierung in Rom denkt zurzeit über eine Senkung der Mehrwertsteuer IVA und der Lohnsteuer IRPEF nach, um so die Wirtschaft durch die Erhöhung der Kaufkraft wieder anzukurbeln. Der SVP- Landtagsabgeordnete und Arbeitnehmervertreter Helmuth Renzler begrüßt Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft und des internen Konsums. Er gibt aber gleichzeitig auch zu bedenken, dass dies nicht auf Kosten der Arbeitnehmer erfolgen darf.

SVP-Abgeordneter Helmuth Renzler bezweifelt die Sinnhaftigkeit einer sektoriellen Reduzierung der Mehrwertsteuer ohne gleichzeitiger Reduzierung der Einkommenssteuer.
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SVP-Abgeordneter Helmuth Renzler bezweifelt die Sinnhaftigkeit einer sektoriellen Reduzierung der Mehrwertsteuer ohne gleichzeitiger Reduzierung der Einkommenssteuer. - Foto: © oliver oppitz photography
Renzler bezweifelt deshalb die Sinnhaftigkeit einer sektoriellen Reduzierung der Mehrwertsteuer ohne gleichzeitiger Reduzierung der Einkommenssteuer. Bereits vor einiger Zeit hat die italienische Regierung eine nach Einkommen gestaffelte Reduzierung der Einkommenssteuer IRPEF für lohnabhängige Arbeitnehmer entschieden. Diese Maßnahme tritt nun mit 1. Juli 2020 in Kraft.

„Die erhofften Steuerreduzierungen sind in Wirklichkeit allerdings für Geringverdiener nicht so hoch wie angekündigt, denn der bisher gewährte Renzi-Steuerbonus von 80 Euro monatlich wird durch die neue vorgesehene Maßnahme wieder absorbiert und somit beträgt die vorgesehene Steuervergünstigung von 100 Euro monatlich eigentlich nur mehr zusätzliche 20 Euro für jene, welche schon heute den Renzi-Bonus von 80 Euro beziehen“, gibt Helmuth Renzler zu bedenken.

Vergünstigung nun auch für Teil der Mittelschicht


Positiv hingegen ist, dass die Steuerreduzierung nun auch jenen zusteht, deren jährliches Bruttoeinkommen die bisher geltende Obergrenze von 26.600 Euro übersteigt, und zwar bis zu einem Einkommen von jährlich 40.000 Euro. Damit erhält nun auch ein Teil der Mittelschicht der lohnabhängigen Arbeitnehmer eine kleine Vergünstigung. Dies bedeutet folglich, dass jene Arbeitnehmer, deren jährliches Bruttoeinkommen höher als 26.600 Euro ist und bis zu 28.000 Euro reicht, nun monatlich 100 Euro mehr Netto auf Ihrem Lohnzettel haben, während sie bisher überhaupt keine Steuervergünstigung erhalten hatten.

Ab einem Jahresbruttoeinkommen von 28.000 Euro und der Obergrenze von 40.000 Euro reduziert sich die Steuervergünstigung progressiv. So erhält ein Arbeitnehmer, der 30.000 Euro brutto jährlich verdient, in Zukunft noch monatlich etwa 90 Euro netto mehr an Gehalt. Bei einem Einkommen von 35.000 Euro sind es immerhin noch 80 Euro mehr.

Bei 36.000 Euro Einkommen erhält man in Zukunft 64 Euro mehr und bei 38.000 Euro 48 Euro. 16 Euro mehr ist es für jene, welche 39.000 Euro jährlich verdienen. Ab einem Einkommen von 40.000 Euro brutto gibt es dann keine Steuervergünstigung mehr und somit auch nicht mehr Nettogehalt.

Spürbare Auswirkung auf Arbeitnehmer

„Hier gilt es aber weitere Verbesserungen einzuführen und die derzeit angewandten Steuerprozentsätze zu reduzieren, um dadurch auch der Mittelschicht mehr Kaufkraft zu gewährleisten. Dies ist in der derzeitigen Krisensituation unbedingt notwendig und richtig und es scheint so, als ob die italienische Regierung daran denkt, hier eine Reduzierung von 2 bis 3 Punkten des mittleren Steuersatzes von 38 Prozent vorzunehmen“, erläutert Renzler.

Die Reduzierung der Steuerlast ist wichtig, da das Nettoeinkommen der arbeitenden Bevölkerung zu erhöhen ist. Wenn man die nunmehrige Maßnahme der staatlichen Regierung mit jenen, welche die Landesregierung auf lokaler Ebene beschlossen hat, koppelt, dann wirkt sich diese Maßnahme spürbar für jeden Arbeitnehmer mit einem jährlichen Bruttoeinkommen bis zu 40.000 Euro aus. Aber das reicht noch nicht und weitere Steuersenkungen müssen folgen.

„Diese zusätzliche IRPEF- Steuerreduzierung ist der richtige Weg, denn so bleibt den Lohnempfängern mehr Netto vom Brutto und die Kaufkraft der Bevölkerung erhöht sich somit“, führt Renzler aus.

Mehrwertsteuer-Reduzierung muss gut durchdacht sein

Auch der angedachten und von verschiedenen Seiten geforderten Senkung der Mehrwertsteuer IVA kann der Landtagsabgeordnete einiges abgewinnen. Allerdings muss eine solche Maßnahme sehr gut durchdacht sein. Auf alle Fälle gilt es, dass dadurch kein Nachteil für die Mittelschicht entsteht.

„Eine Mehrwertsteuer-Reduzierung klingt im ersten Moment für alle verlockend. Falls diese aber nicht gut vorbereitet und durchdacht ist, läuft man Gefahr, dass davon nur einige Arbeitgeber und Unternehmen profitieren, wenn sie diese Reduzierung nicht dem Endkunden weitergeben. Aus diesem Grund werden wir uns mit unseren Parlamentariern in Rom in Verbindung setzen und sie um Unterstützung bitten, sich vor allem für eine Reduzierung der Lohnsteuer einzusetzen und die diesbezüglichen Bemühungen der italienischen Regierung zu unterstützen. Steuerreduzierende Maßnahmen sind sinnvoll, aber nur, wenn wirklich alle Bevölkerungsschichten davon profitieren“, unterstreicht der Landtagsabgeordnete Helmuth Renzler abschließend.

stol

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