Auch in Sachen Flüchtlinge, Wohnbau, Gemeinderatswahlen 2025 und Projekt Bahnhof Bozen stand Bürgermeister Caramaschi Rede und Antwort.<BR /><BR /><b>Herr Bürgermeister, Sie werden 78 Jahre alt. Hätten Sie noch Lust auf eine dritte Amtszeit?</b><BR />Renzo Caramaschi: Erstens dürfte ich laut geltendem Gesetz bei den nächsten Gemeinderatswahlen gar nicht mehr als Bürgermeister antreten und zweitens würde ich es nur machen, wenn das Gemeinderatsreglement abgeändert würde. Wir verbringen immer noch zu viel Zeit mit dem Debattieren, das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun. Bei der Debatte um die Einrichtung für Menschen mit Behinderung im Mariaheimweg saß ich mit Covid bis halb 4 Uhr morgens im Stadtratssaal, um online an der Gemeinderatssitzung teilzunehmen.<BR /><BR /><b>Unter anderen Bedingungen würden Sie also gerne weitermachen?</b><BR />Caramaschi: Ich persönlich wäre dafür, dass die derzeit geltende Mandatsbeschränkung für Bürgermeister auf mindestens 3 Amtszeiten ausgedehnt wird. Ganz einfach weil die öffentlichen Arbeiten meist langsam voran gehen und ein Bürgermeister, der Projekte bis zum Schluss begleiten will, die Zeit dazu haben sollte.<BR /><BR /><embed id="dtext86-62794953_quote" /><BR /><BR /><b>Sollte es keine Verlängerung der Amtszeit geben, sehen Sie bereits einen geeigneten Nachfolger für sich?</b><BR />Caramaschi: Mein Name ist 3 Monate vor den Wahlen erstmals genannt worden, deshalb kann man jetzt noch nichts dazu sagen. Ich möchte auch gar keine Indikation geben. Ich hoffe lediglich, dass die Mitte bei den nächsten Gemeinderatswahlen gestärkt hervorgeht. Es wäre wünschenswert, wenn die Zusammenarbeit zwischen PD und SVP sowie einer starken Mitte fortgesetzt werden könnte. <BR /><BR /><b>Fürchten Sie, dass die Landeshauptstadt 2025 doch eine Mitte-rechts-Regierung erhält, sollten Sie nicht mehr antreten?</b><BR />Caramaschi: Ich hoffe auf das vorher geschilderte Szenario. Ich bin kein Anhänger der Rechten, sie gehören der Ära Pietro Mitolo an. Mit dem Unterschied, dass dieser damals 34 Prozent erreichte. Heute ist das Mitte-rechts-Lager zersplittert und bei weitem nicht mehr so stark. Die Linke ist hingegen oft sehr dogmatisch. Eine starke Mitte wäre wünschenswert.<BR /><BR /><b>Sie sagen, Bürgermeister geraten schnell in Vergessenheit. Für was sollen Sie die Bürer in Erinnerung behalten?</b><BR />Caramaschi: Für die Romane, die ich geschrieben habe (lacht, Anm. der Red.) Mittlerweile schreibe ich mein zwölftes Buch. Dieses fertigzustellen ist mein Ziel. Und die Berge, sie bleiben meine Passion. Politisch, so glaube ich, haben wir gut gearbeitet. Ich bin zufrieden und man soll sich daran erinnern, dass ich die Finanzen saniert, die Schulden abgebaut habe. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="980278_image" /></div> <BR /><BR /><b>Bis zu den Wahlen steht noch einiges auf Ihrer To-do-Liste. Projekte für rund 124 Millionen Euro sind zu verwirklichen...</b><BR />Caramaschi: Darunter sind etwa 98 Millionen Euro für Schulbauten. Derzeit wird an der Erneuerung der Ada-Negri-Schule gearbeitet, die Sanierung der Archimede-Schule hat begonnen, das Ausführungsprojekt für die neue Schule in der Baristraße wird erstellt und schließlich steht die Sanierung der Aufschnaiter-Schule an. Daneben gibt es noch viele weitere Eingriffe und große Projekte, wie das neue Schwimmbad im Pfarrhof, die zweite Eisfläche in der Eiswelle oder die neue Tiefgarage unter dem Siegesplatz. <BR /><BR /><b>In Sachen Obdachlose und Flüchtlinge werden Sie nicht müde zu betonen, dass Bozen nicht die ganze Last tragen darf. Nun wurden weitere 50 Betten bereitgestellt, ist jetzt wirklich Schluss?</b><BR />Caramaschi: Mittlerweile ist der Anteil der Obdachlosen Menschen in Bozen auf 1 Prozent der Gesamtbevölkerung gestiegen. Wir betreuen 1009 Personen, was jährlich etwa 2,4 Millionen Euro kostet. Über die Pro-Kopf-Quote ist dieser Betrag gedeckt und wird auch von all jenen Gemeinden mitgetragen, die ihren Beitrag vor Ort nicht leisten wollen. Doch das Problem finanziell abzugelten ist zu einfach. Deshalb hat mir Landeshauptmann Arno Kompatscher angekündigt, dass auch Investitionsbeiträge gestrichen werden, sollten sich andere Gemeinden weiterhin weigern, Verantwortung zu übernehmen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="980281_image" /></div> <BR /><BR /><b>In Bozen ist der Ruf nach Wohnbauzonen zuletzt wieder sehr laut geworden. Sind neue Ausweisungen geplant?</b><BR />Caramaschi: Bozen hat nun einmal wenig Fläche und ist von Hängen umgeben. Wenn wir zu dicht und zu viel bauen, sinkt die Lebensqualität. Wir müssen beim Thema Wohnbau den Großraum Bozen sehen und Gemeinden wie Terlan, Leifers oder Eppan mit einbeziehen. Sie sind so etwas wie die Peripherie einer Großstadt. Wenn wir uns mit Trient vergleichen, haben wir ein ungleich geringere Fläche zur Verfügung. In Kürze werden wir die Ausschreibung zur Erarbeitung des Gemeindeentwicklungsplans veröffentlichen. Mitte 2025 sollten wir dann Antworten darauf erhalten, wo, wann und wie viel gebaut werden soll. Inzwischen wird es vor allem Bauleitplanänderungen im bebauten Gebiet geben. <BR /><BR /><b>Sind Sie ein Befürworter oder Gegner der Nutzung des nördlichen Teils der Industriezone für Wohnzwecke?</b><BR />Caramaschi: Die Nutzung dieses Stadtbereichs könnte eine Chance sein. Das Gelände ist teilweise seit 30 Jahren ungenutzt. Diesbezüglich wird es bald eine Neuheit geben, es wird nämlich geprüft, ob eine der dort befindlichen Lagerhallen für ein Jugend-Kulturzentrum genutzt werden könnte. Ich finde, dass wäre ein idealer Standort und er könnte uns zur Nutzung von den Eigentümern überlassen werden. <BR /><BR /><b>In Bozen stehen hunderte Wohnungen des Wobi jahrelang leer, weil sie saniert werden müssen. Können wir uns das wirklich noch leisten?</b><BR />Caramaschi: Landesweit sind es etwa 700 Wohnungen, das stimmt. Ein guter Teil davon befindet sich in Bozen. Auch die Gemeinde, die 800 Wohnungen besitzt, hat einen Leerstand von etwa 70 Wohnungen. Innerhalb eines Jahres schaffen wir es aber lediglich, 20 bis 25 Wohnungen zu sanieren und wieder zu vergeben. Das ist das Problem. Es fehlt an Ressourcen und Handwerkern, die kleinere Projekte übernehmen wollen. <BR /><BR /><b>Eines ihrer wichtigsten Steckenpferde war stets die Entwicklung des Bahnhofgeländes. Hier ist aber immer noch kein „Land in Sicht“ oder?</b><BR />Caramaschi: Das stimmt so nicht. Die Staatsbahnen sind derzeit damit beschäftigt das Projekt für den neuen Bahnhof auszuarbeiten. Bis zum Sommer sollte dieses vorliegen. Dann werden wir wissen, über welche Summe wir sprechen und wie der Tauschvertrag aussehen wird. Bekanntlich wird die Landesverwaltung den neuen Bahnhof finanzieren und die Staatsbahn dafür Flächen abgeben.<BR />