Dienstag, 25. August 2020

Republikanischer Parteikonvent: Trump-Show Tag 1

US-Präsident Donald Trump hat sich seine Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner am ersten Tag des republikanischen Parteitags in Charlotte gesichert. Für die Delegierten heißt ein Konvent während der Pandemie tägliche Coronatests, Positionssender und ein überraschender Gastbesuch im Weißen Haus.

In gewohnter Manier stachelte Trump sein Publikum auf. - Foto: © APA/afp / BRENDAN SMIALOWSKI
336 Abgeordnete stimmten am 1. Tag der republikanischen Convention in Charlotte ab. Jeder der Delegationsführer der unterschiedlichen US-Staaten und Territorien hielt eine mit Lokalkolorit gewürzte kurze Rede, um anschließend die Delegiertenstimmen formell dem entsprechenden Kandidaten zuzuweisen. Gastredner am 1. Konventionstag waren unter anderem der afroamerikanische Senator Tim Scott aus dem US-Staat South Carolina, Ex-UNO-Botschafterin Nikki Haley, Ex-NFL-Footballer Herschel Walker und Donald Trump Junior.

Vizepräsident Mike Pence war persönlich nach North Carolina gereist, um seine Wiedernominierung als Trumps „Running Mate“ entgegenzunehmen.

Trump sorgt für Schlagzeilen

Donald Trump selber reiste ebenfalls für eine persönliche Rede nach Charlotte an und wurde von der Menge mit „4 weitere Jahre“-Rufen begrüßt. „Wenn ihr sie richtig verrückt machen wollt, dann sagt ihr 12 weitere Jahre“, entgegnete Trump und spielte damit auf mögliche Amtszeit über die üblichen 2 Amtsperioden hinaus an. Das schlug medial starke Wellen und sorgte für breite Kritik in den USA.

„Das Schlimmste ist, wenn man als Politiker leicht zu vergessen ist“, meint Mathew Thomas, der als einer der sechs republikanischen Delegierten des US-Staats Washington in Charlotte teilnimmt. Die Delegation aus Washington wählt stellvertretend für insgesamt 43 wahlberechtigte republikanische Delegierte aus dem Nordwestbundesstaat. „Trump weiß genau, was er sagen muss, damit er es in die Schlagzeilen schafft“, so Thomas.

In seiner Rede feuerte der Präsident eine Breitseite gegen die Briefwahl ab und merkte an, dass die Demokraten Covid-19 als Ausrede nutzen würden um „die Wahl zu stehlen“. Trump lobte zudem seine Anstrengungen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie und erwähnte die Bemühungen, die regulatorischen Hürden für einen Impfstoff gegen das Coronavirus abzusenken, um so schneller Resultate zu haben.

Joe Biden, der vergangene Woche virtuell zum Kandidaten der US-Demokraten gekürt wurde, wurde vielfach zur Zielscheibe der Republikaner und den Gastrednern. Biden wurde als Sozialist gezeichnet, und seine Nähe zur „Defund-the-Police“-Bewegung wurde ihm vielfach zur Last gelegt.

Die Sprecher des Parteitags zeichneten oft ein grimmige Version von Amerika. „Sie werden euch entwaffnen, die Gefängnisse leeren und zu Hause einsperren“, so Kongressabgeordneter Matt Gaetz aus Florida. „Und dann kommt die Polizei nicht, denn in den demokratisch regierten Städten wird sie bereits defunded oder ganz aufgelöst“, erklärte der per Videokonferenz eingeblendete Sprecher.

Für die Delegierten des Parteitags in Charlotte waren aufgrund der Pandemie diverse Vorkehrungen getroffen worden. Jeder wäre 2 Mal getestet worden – einmal vor dem Konvent im Heimatbundesstaat und dann direkt bei der Ankunft in Charlotte, erklärt Thomas. Zudem würde laufend ebenfalls getestet. Die Delegierten hätten außerdem elektronische Positionssender erhalten, um nachweisen zu können, wer wann mit wem in Kontakt käme.

Schlussrede Trumps im Weißen Haus

Für Thomas von der Delegation aus Washington geht es am Dienstag weiter nach Washington D.C. Alle 336 Delegierten des republikanischen Parteitags werden dann am Donnerstag ins Weiße Haus gebeten. Die Delegierten werden der Schlussrede des US-Präsidenten am Donnerstag persönlich beiwohnen, wie Thomas erklärt.

Dass der Präsident eine politische Veranstaltung auf offiziellem Grund und Boden abhält, ist nicht unumstritten und gilt als politisches Neuland im Rahmen eines Parteitags. Nebst Donald Trump wird sein Vize Pence ebenfalls am Donnerstag eine Rede halten. Indianas ehemaliger Gouverneur wird dabei in Fort McHenry, einem ehemaligen Küstenfort in der Stadt Baltimore, sprechen.

Am „South Lawn“ des Weißen Hauses, wo die Trump'sche Rede zum Abschluss des Parteikonvents stattfinden soll, wurde inzwischen bereits die Bühne aufgebaut, wie Fotos belegen. Die Delegierten des Konvents nach Washington zu verfrachten, wäre ein cleverer Schachzug, meint auch der Delegierte Thomas, der davon erst relativ spät erfahren hätte, wie er erklärt. Trump kriege jedoch so ein garantiert Corona-freies „perfektes Publikum“. „Das ist halt einfach ein Teil des Ganzen“, so Thomas.

apa/stol