s+ von Bernd Posselt <BR /><BR />Auch die Diskussion, ob man als Konsequenz nicht eine Altersgrenze für Politiker einführen sollte - vereinzelt war sogar von 65 Jahren die Rede -, ist fernab jeder Realität. Hätte eine solche Beschränkung in früheren Jahren bestanden, wäre der beste Präsident, den die USA seit dem Zweiten Weltkrieg hatten, nämlich Ronald Reagan, niemals ins Amt gelangt. <BR /><BR />Winston Churchill wäre ein begabter Parlamentarier und Publizist der Zwischenkriegszeit geblieben und hätte niemals die Appeasementpolitik seines Landes beenden und es als Premier siegreich durch den 2. Weltkrieg führen können. Danach wurde er zwar abgewählt, gab aber der europäischen Einigung die entscheidenden Impulse und zog später noch einmal in die Downing Street ein. General de Gaulle schuf mit 68 die 5. Republik, entließ Algerien in die Unabhängigkeit und söhnte Deutschland und Frankreich aus.<h3> Otto von Habsburg</h3>Große Persönlichkeiten der älteren Generation prägten auch das Europäische Parlament bei dessen erster Direktwahl 1979, mit Wirkung bis heute. Otto von Habsburg begann damals mit 66 sein 20-jähriges Mandat, in dem er unter anderem einen entscheidenden Beitrag zum Fall des Eisernen Vorhanges leistete. <BR /><BR />Louise Weiss, die französische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, eröffnete das Parlament als 86-jährige Alterspräsidentin mit einer Rede, die als geistiges Gründungsdokument der europäischen Volksvertretung in jedes Schulbuch gehört. <BR /><BR />Nun müssen in einer Demokratie die Bürger selbst entscheiden, ob sie ein betagtes oder ein junges Staatsoberhaupt, eine Frau oder einen Mann an der Spitze haben wollen. Unsere Parlamente brauchen aber weniger Durchschnitt, sondern eine gesunde Mischung zwischen Alt und Jung.