„Das, was hier getan wird, heißt, nicht Verantwortung zu tragen“, sagt sie.<BR /><BR /><b>Frau Vizebürgermeister Zeller, Ihre italienischen Koalitionspartner sagen Nein zur Standseilbahn. Fühlen Sie sich im Regen stehen gelassen?</b><BR />Katharina Zeller: Was heißt hier im Regen stehen gelassen: Mich verwundert der Richtungswechsel, weil es eigentlich von der Spitze immer ein grundsätzliches Ja gegeben hat mit dem Zusatz, man müsse aber Anpassungen machen. Natürlich überrascht mich jetzt das Nein. Ich wusste, dass es überall in den Parteien Skepsis gibt, überall welche dafür und dagegen sind, aber dass sie jetzt geschlossen dagegen stimmen, verwundert mich. Ich nehme es zur Kenntnis.<BR /><BR /><b>Welche Auswirkungen hat dieses Nein auf die Mobilität in Meran?</b><BR />Zeller: Es wird vor Augen geführt, dass einige Maßnahmen, die wir für den nachhaltigen städtischen Verkehrsplan (PUMS) angedacht hatten, so nicht umsetzbar sind und die Stadt nicht vom Verkehr entlastet werden kann, wie dies geplant war. Ich denke da vor allem an Obermais und den Rennweg. Die Standseilbahn wurde seit 15 Jahren von allen Technikern als gute Lösung dargelegt. Nun müssen die Vertreter der beiden italienischen Bürgerlisten die Verantwortung dafür übernehmen, wenn wir jetzt keine Lösung mehr haben, wie wir Tausende von Autos und Hunderte von Bussen von der Straße wegbringen wollen.<BR /><BR /><b> „Alleanza per Merano“ und „La Civica“ verweisen aber auch darauf, dass auch durch die SVP in diesem Punkt ein tiefer Riss gehe. Wie viel Mea Culpa liegt da bei der SVP?</b><BR />Zeller: Dass sie versuchen, die Schuld oder besser die Aufmerksamkeit auf die SVP zu lenken, ist nicht wirklich schlüssig, denn die entscheidenden Stimmen sind nicht unsere, sondern ihre. Ok, wir sind gespalten, bei uns stimmt aber ein Teil dafür, ein Teil wird sich enthalten und die Bauernvertreter werden sich nicht dafür aussprechen, aber nachdem die Bürgerlistler alle dagegen stimmen, haben wir keine Chance, eine Mehrheit zusammenzubringen. Deswegen müssen sie nicht auf die SVP zeigen.<BR /><BR /><b>Für die Koalitionspartner hilft die Standseilbahn nur Schenna, das planlos Hotels gebaut habe, deren Verkehrsprobleme zu lösen...</b><BR />Zeller: Nein, man kann das Projekt nicht reduzieren auf eine Touristenbahn Meran–Schenna. Zudem muss man wissen, dass ohne Standseilbahn die Busse von und nach Schenna mehr werden, denn das bestehende Angebot reicht nicht aus. <BR /><BR /><b>Civica und Alleanza verweisen auf den Küchelbergtunnel, der Erleichterung für Meran bringen werde. Was sagen Sie?</b><BR />Zeller: Der Tunnel kann und wird nicht alle Probleme lösen, das wäre zu schön. Der Tunnel wird Obermais vom Lkw-Verkehr entlasten, aber ich gehe davon aus, dass künftig viele nicht mehr über die Umfahrung nach Sinich und auf die MeBo fahren, sondern über die Schenna- und Georgenstraße direkt zum Tunnel fahren.<BR /><BR /><b>War’s das mit dem Projekt?</b><BR />Zeller: Das kann ich mir nicht vorstellen, dass es das war. Denn das Projekt war in allen Verkehrsplänen enthalten. Und damit geht ein zusammenhängendes Mobilitätskonzept verloren, bestehend aus Küchelbergtunnel, 2-gleisiger Eisenbahn, Mobilitätszentrum und Standseilbahn. Wir hatten die Möglichkeit und ich hoffe, dass wir nicht wieder 10 Jahre brauchen, um eine Finanzierung zu finden.<BR /><BR /><b>Hat das Nein Auswirkungen auf die Stadtratskoalition?</b><BR />Zeller: Was soll ich sagen? Für mich ist es bezeichnend, dass alle Gemeinderäte sagen, dass ihnen Umwelt und Nachhaltigkeit besonders am Herzen lägen. Aber ich stelle fest, dass wir leider immer noch in der Minderheit sind. Die Leute wollen nicht sehen, was da in Zukunft auf uns zukommt. Wenn wir an die Generationen nach uns denken, ist das, was wir da tun, nicht Verantwortung zu tragen. Es ist eine Riesenchance, die wir hier verpassen. Zudem haben Landesrat Daniel Alfreider und seine Techniker ein Jahr lang engagiert für Meran gearbeitet, weil immer gesagt wurde, man sei grundsätzlich dafür. Das nenne ich Ressourcenverschwendung. Für mich ist auch nachvollziehbar, wenn das Land sagt, dass die Kooperation schwieriger wird, wenn Leute nicht Wort halten.<BR />