Montag, 23. August 2021

Afghanistan: Ringen um Evakuierungen auch im September

Angesichts anhaltend dramatischer Zustände am Flughafen von Kabul ringen westliche Regierungen mit den USA und den Taliban um eine Verlängerung der Evakuierungen über den 31. August hinaus.

Die Evakuierungen sind weiter im Gang.
Die Evakuierungen sind weiter im Gang. - Foto: © APA/US MARINE CORPS / ISAIAH CAMPBELL
Laut dem britischen Premiers Boris Johnson will man dies auf einer Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der G7-Industriestaaten am Dienstag besprechen. Vertreter der Islamisten lehnen eine Verlängerung der Evakuierungen ab. Das US-Pentagon will die Frist weiter einhalten.

Ziel sei, alle amerikanischen Truppen vom Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul bis Ende August zu evakuieren, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby am Montag in Washington. Darauf seien derzeit alle Kräfte konzentriert.

Ein Sprecher der Taliban in der katarischen Hauptstadt Doha sagte dem Sender Sky News, eine Verlängerung der Frist zu Evakuierung käme einer Verlängerung der militärischen Besatzung seines Landes gleich. Das sei weder notwendig noch werde man sich darauf einlassen. Sollten sich die USA dazu entscheiden, werde das Konsequenzen haben, so der Sprecher weiter.

Taliban: Für 31. August gesetzte Frist ist „Rote Linie“

„Würden die USA oder Großbritannien zusätzliche Zeit erbitten, um die Evakuierungen fortzusetzen, wäre die Antwort ein Nein“, sagte Suhail Shaheen, ein Mitglied der Taliban-Delegation in Doha. Die für den 31. August festgesetzte Frist sei eine „Rote Linie“, so der Shaheen weiter.

Den großen Andrang am Flughafen in Kabul erklärte Shaheen mit dem Wunsch vieler Menschen, der Armut in Afghanistan zu entfliehen. Ängste vor Unterdrückung durch die Taliban würden als Vorwand genutzt und seien unbegründet. Berichte über Vergeltungsaktionen von Taliban-Kämpfern an Journalisten, ehemaligen Regierungsmitarbeitern und anderen vermeintlichen Kollaborateuren bezeichnete er als „Fake“. Jeder Vorfall weder untersucht. Wer sich schuldig mache, werde zur Verantwortung gezogen.

Seit Tagen versuchen die NATO-Staaten nach dem Fall Kabuls an die radikal-islamische Taliban Ausländer und afghanische Ortskräfte aus der Hauptstadt auszufliegen. Bisher hatten die US-Streitkräfte angekündigt, den Flughafen bis zum 31. August betreiben zu wollen. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace sagte, er rechne nicht damit, dass die Truppen seines Landes länger als das US-Militär bleiben würden. Deshalb gehe es jetzt „um Stunden, nicht Wochen“.

In diesem Video geht STOL-Reporter Ivo Zorzi kurz auf die Hintergründe dieser dramatischen Afghanistan-Krise ein.

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apa