<b>Herr Bürgermeister, wie sehr hat Sie die Entscheidung im Regionalrat überrascht?</b><BR />Roland Griessmair: Eigentlich gar nicht. Es hat sich nämlich in jüngster Zeit bereits abgezeichnet, dass die Entscheidung in diese Richtung geht.<BR /><BR /><b>Anders gefragt: Wie enttäuscht sind Sie? Schließlich hat sich ja Ihre Partei, die SVP, für die Übernahme der staatlichen Regelung und damit für die Mandatsbeschränkung in den großen Gemeinden stark gemacht.</b><BR />Griessmair: Ich bin auch nicht enttäuscht. Schließlich konnte ich in meiner bald 30-jährigen Zeit in der Brunecker Gemeindepolitik vieles anstoßen, bewegen und weiterbringen. Und dafür bin ich sehr dankbar. Ich gebe aber zu, dass ich das vorzeitige Ausscheiden als Bürgermeister schon schade finde. Ich hätte mich gerne noch für eine dritte Amtszeit beworben. So kann ich leider viele Dinge nicht mehr abschließen. Das tut mir leid, weil mir die Projekte doch sehr ans Herz gewachsen sind. Vieles ist derzeit in Bruneck im Entstehen – und ich hätte es noch gerne einige Jahre weiter begleitet.<BR /><BR /><b>Wie wird es jetzt bei Ihnen persönlich weitergehen?</b><BR />Griessmair: Mir wird ganz gewiss nicht langweilig werden. Ich habe ja einen Beruf und ein Unternehmen, wo es immer viel zu tun gibt. Und dann etwas mehr Zeit für mich zu haben, ist auch etwas, das mir sicher guttun wird. In den vergangenen Jahren war es doch ein enormes Pensum, das ich tagtäglich zu bewältigen hatte.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67390618_quote" /><BR /><b><BR />Werden Sie der Politik fortan den Rücken kehren?</b><BR />Griessmair: Ich bin ein politisch denkender Mensch – und ich werde das auch in Zukunft bleiben. Was das dann konkret für meine Zukunft bedeutet, kann ich im Moment aber noch nicht sagen. Nur soviel: Wenn ich gebraucht werde, dann werde ich sicher weiterhin in irgendeiner Form zur Verfügung stehen.<BR /><BR /><b>Auch für eine Kandidatur für den Brunecker Gemeinderat?</b><BR />Griessmair: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Einstweilen bin ich ja noch Bürgermeister von Bruneck – und ich werde mich natürlich auch die letzten Monate meiner Amtszeit mit ganzer Kraft für meine Stadt einsetzen. Es gibt schließlich noch viel zu tun. Manches wollen wir abschließen und manches andere noch auf den Weg bringen.<BR /><BR /><b>Was möchten Sie und Ihre Verwaltung vor den Wahlen im Mai 2025 noch schaffen?</b><BR />Griessmair: Eine ganze Menge. Für die Tiefgarage am Schloss und für den Nordring möchten wir die Bauleitplanänderung erledigen und für das Seniorenheim in Pfalzen die Finanzierung der Planung regeln. Weiters möchten wir für das Vereinshaus in Reischach und für den neuen Skaterpark in Bruneck die Arbeiten ausschreiben. Ich hoffe, dass wir auch die Eigentumsverhandlungen für die Sozial- und Seniorenzentren in Dietenheim und in Bruneck abschließen können, ebenso die Eigentumsübertragung des Kasernenareals Enrico Federico an die Gemeinde abwickeln und hier auch den Wettbewerb für die neue Wohnbauzone auf den Weg bringen können. Und vielleicht gelingt es uns auch noch, die Eigentums- und Projektverhandlungen beim Michael-Pacher-Haus als künftiges Haus des Sozialen abzuschließen und hoffentlich auch zusammen mit dem Wohnbauinstitut den Planungswettbewerb der Villa Igea als Mehrgenerationenhaus anzugehen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67390619_quote" /><BR /><BR /><b>Wenn Sie auf Ihre 10 Bürgermeisterjahre in Bruneck zurückblicken, was freut Sie da am meisten?</b><BR />Griessmair: Dass es uns gemeinsam gelungen ist, Bruneck zu verändern. Vieles wurde angepackt, vieles ist weitergegangen, vieles wurde erreicht – und vieles bleibt noch für die nachfolgende Verwaltung zu tun. <BR /><BR /><b>Apropos Nachfolge: Wie schaut es damit aus?</b><BR />Griessmair: Ich bin überzeugt, dass es eine gute Lösung geben wird. In unserer Partei gibt es nämlich sehr viele Leute, die für das Bürgermeisteramt alle Fähigkeiten mitbringen. Ich werde da natürlich meinen Beitrag leisten, wenn das gewünscht wird.<BR /><BR /><b>Wie haben die Menschen in Bruneck auf Ihr Ausscheiden als Bürgermeister reagiert?</b><BR />Griessmair: Ich schätze, dass mich mehr Leute angerufen haben als bei meiner Wahl zum Bürgermeister. Sie haben ihre Wertschätzung zum Ausdruck gebracht, zum Teil aber auch ihre Sorge, wie es in Bruneck weitergehen wird.