Freitag, 1. April 2022

Was passiert heute mit der SVP?

In der SVP sucht man verzweifelt nach einer Rückkehr zur Ruhe in der Partei. Einem gemeinsamen Aufruf von Parteiobmann Philipp Achammer und Landeshauptmann Arno Kompatscher an die Basis folgte am gestrigen Donnerstagabend die gemeinsame Forderung von rund 97 SVP-Bürgermeistern nach einer Rückkehr zur Zusammenarbeit.

Der Ruf nach Klarheit und Ruhe unterm Edelweiß wird in der SVP immer lauter. Ob das Gewitter nach der heutigen Sitzung von Parteileitung und Landtagsfraktion vorüber ist, daran darf gezweifelt werden. - Foto: © eg - Erika Gamper

Rund 97 SVP-Bürgermeister hatten sich gestern Abend in der eilig einberufenen Videokonferenz an den Bildschirmen eingefunden. Und das Fazit ist eindeutig: Sie haben die Nase gestrichen voll von den parteiinternen Streitigkeiten und Machtkämpfen, die in aller Öffentlichkeit ausgetragen werden.

„Wir sind der Meinung, dass das jetzt ein Ende haben, Obmann und Landeshauptmann am selben Strang ziehen sollen und die Angelegenheit intern aufgearbeitet werden muss“, macht Albin Kofler, Sprecher der Bürgermeister in der SVP, seinem Ärger Luft. „Wir haben ganz andere Probleme als die SAD-Geschichte – die im Übrigen ja schon seit über einem Jahr bekannt ist.“ Es sei höchst an der Zeit, die Streitigkeiten zu beenden und wieder zur Zusammenarbeit zurückzufinden. „Schließlich sind wir gewählt worden, um zu arbeiten, und nicht um zu streiten“, sagt Kofler.

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Bereits am Nachmittag waren Parteiobmann Philipp Achammer und Landeshauptmann im Vorfeld der für heute angesetzten Dringlichkeitssitzung von Parteileitung und Landtagsfraktion darum bemüht, dass parteiintern der Fuß vom Gaspedal genommen wird.

„Zum wiederholten Male wird derzeit über einen ,Entweder-oder‘-Lagerkampf berichtet oder gar über Neuwahlen spekuliert. Dem stellen wir uns klar entgegen“, ließen die beiden in einem gemeinsamen Appell an Ortsobleute und Bürgermeister wissen.

„Wir sind uns bewusst, dass es nun einen gemeinsamen Vorschlag braucht, um die Situation in- und außerhalb der Partei zu beruhigen.“ Diese Verantwortung würden sie in Hinblick auf die heutige Sitzung am Parteisitz in der Brennerstraße gemeinsam übernehmen, so Achammer und Kompatscher in ihrem gemeinsamen Appell.

Darüber, ob es heute in der Brennerstraße zum Showdown kommen wird, hielten sich gestern die Partei-Exponenten noch bedeckt. Fest steht, dass es heute in der Sitzung der Parteileitung um die weitere Zukunft von Landesrat Thomas Widmann ebenso gehen wird wie um jene von SVP-Vize-Obmann Karl Zeller und Bezirksobmann Christoph Perathoner. Ersterem hat Landeshauptmann Kompatscher bekanntlich am Dienstag die Agenden entzogen. Zurückgetreten ist Widmann als Landesrat aber dennoch nicht. Letztere hingegen hat Obmann Achammer den Rückzug aus der Partei nahegelegt, auch sein Rücktritt steht aus.

Zu klären ist heute aber auch die Position von Fraktionssprecher Gert Lanz. Wie berichtet, haben 10 SVP-Mandatare die Vertrauensfrage an ihren Fraktionssprecher gestellt. Nach seiner öffentlichen Aussage, dass ihm davor graue, bei der nächsten Fraktionssitzung in die Augen einiger Abgeordneter blicken zu müssen, ist das Verhältnis zwischen Lanz und der Mehrheit in der SVP-Landtagsfraktion noch zerrütteter. Ob bereits heute über Lanz' Zukunft als Fraktionssprecher entschieden wird, war gestern aber noch nicht klar.

Alle Berichte zur Abhör-Affäre lesen Sie hier.

em

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Hermann Zanier
1. April 2022 08:15
Mit einem Umtrunk und einem Gruppenbild mit großen Lächeln sollte es aber nicht getan sein. Das wäre keine Erneuerung. Es fällt leider schwer zu glauben, dass die meisten betroffenen Personen zu mehr fähig sind (fällt alles in die Rubrik Interessenvertreter mit denen Schlitten gefahren wird).
Albert Tschurtschenthaler
1. April 2022 11:07
Freunde im Edelweiß, ich lese noch, wenn ich fertig habe werde ich wissen welche Herren für mich noch in frage kommen und welche Blume ich in der Wahlkabine nicht mehr durchstreichen werde.