In Sachen Wolf bewegt sich endlich etwas. Nachdem der Europäische Rat im September den (noch längeren) Weg zur Herabsenkung des Schutzstatuts des Wolfes frei gegeben hat, kam gestern eine Meldung aus Rom, die aufhorchen lässt. Im Rahmen der Genehmigung des sog. Berggesetzes von Minister Roberto Calderoli hat der Senat am Abend einen Antrag von SVP-Senator Meinhard Durnwalder angenommen, der am Nachmittag auch von Lega und Fratelli d’Italia unterzeichnet worden ist.<BR /><BR />Demnach legt der Umweltminister in Absprache mit dem Landwirtschaftsminister und nach Anhörung der Konferenz Staat/Regionen jedes Jahr bis zum 31. März per Dekret eine Höchstzahl von Wölfen fest, die auf Ebene der Regionen und autonomen Provinzen entnommen werden können. „Im ersten Anlauf ist das Dekret 60 Tage nach Inkrafttreten des Gesetzes zu erlassen“, sagt Durnwalder. 3 Monate sei er auf allen Ebenen unterwegs gewesen, um – auch mit Hilfe von Bauernbund und Jagdverband – eine Formulierung zu finden, die in Rom auf Zustimmung stößt.<h3> Konstante Regulierung der Wolfspopulation möglich</h3>Jetzt sei ein erster Durchbruch erreicht worden. Bisher sei der Standpunkt in Rom immer jener gewesen, über die Entnahme einzelner Problemtiere zu diskutieren. „Jetzt hat der Staat erstmals einer systematischen Entnahme des Wolfes zugestimmt“, so Durnwalder. Der Bestand des Wolfes werde nicht gefährdet, aber eine konstante Regulierung der Population möglich.<BR /><BR />„Beim Vorgehen orientiert man sich am französischen Modell“, sagt Durnwalder. Für 2024 ist dort die Zahl der Wölfe, die entnommen werden können, auf 204 festgelegt. Das entspricht 19 Prozent der durch die französischen Jagdbehörden auf 1104 Tiere geschätzten Wolfspopulation. Durnwalder weiß von 198 Tieren, die erlegt wurden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67190165_quote" /><BR /><BR /> Obwohl die Wolfspopulation in Italien mit 3300 Tieren mehr als doppelt so hoch ist, wie in Frankreich, dürfte im Stiefelstaat nicht so hohen Entnahmequoten zu rechnen sein. „Vielleicht am Start weniger, aber 5 bis 10 Prozent kann sich auch die Umweltbehörde ISPRA vorstellen“, meint Durnwalder. 5 bis 10 Prozent wären immerhin 160 bis gut 300 Wölfe, die aufgeteilt auf die Regionen und autonomen Provinzen Bozen und Trient erlegt werden könnten. „Auch die ISPRA sieht das Problem Wolf in vielen Regionen und zwar nicht nur im alpinen Raum, sondern stark auch in Mittelitalien und im Apennin“, so Durnwalder.<h3> Schlussabstimmung erfolgt heute</h3>Noch ist das Gesetz nicht beschlossene Sache. Heute erfolgt die Schlussabstimmung über das Berggesetz im Senat. Dann geht es in die Kammer, wo es aufgrund der Haushaltsdebatte wahrscheinlich Ende Dezember oder Anfang Jänner behandelt wird. Zumal Durnwalders Antrag die Unterschrift der beiden Regierungsparteien Lega und Fratelli trägt, dürfte es abgesichert sein, meint der Senator. Verläuft alles nach Plan, könnte im März/April die erste Entnahmequote festgelegt werden.<BR /><BR />Abzuwarten bleibt, ob der Paradigmenwechsel in Rom einen Einfluss auf die Gerichtsbarkeit hat. Derzeit sind Entnahmedekrete des Landeshauptmanns von Wölfen im Vinschgau ausgesetzt. Das Urteil des Bozner Verwaltungsgerichts sollte im Jänner ergehen.