Sonntag, 22. März 2020

Rom schließt alle nicht lebensnotwendigen Produktionen

Die italienische Regierung lässt im Zuge der Coronavirus-Pandemie alle nicht lebensnotwendigen Produktionsaktivitäten zunächst bis 3. April schließen. Nur Lebensmittelgeschäfte, Banken, Post und Apotheken seien von dem rigorosen Lockdown ausgeschlossen. Auch Tageszeitungen erscheinen weiterhin, Tabaktrafiken bleiben geöffnet. Die bis 3. April geltende Verordnung tritt am Montag in Kraft.

Italien sperrt weiter zu, nachdem  in den letzten 24 Stunden über 800 Menschen wegen des Coronavirus gestorben sind. Im Bild: Ministerpräsident Giuseppe Conte während seiner Rede an die Nation.
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Italien sperrt weiter zu, nachdem in den letzten 24 Stunden über 800 Menschen wegen des Coronavirus gestorben sind. Im Bild: Ministerpräsident Giuseppe Conte während seiner Rede an die Nation. - Foto: © APA (AFP) / LUDOVIC MARIN
Conte sprach von der „größten Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg“. „Wir haben beschlossen, jede produktive Tätigkeit zu schließen, die nicht entscheidend und unerlässlich dafür ist, uns essenzielle Güter und Dienstleistungen zu garantieren.“ Diese drastische Maßnahme in der drittgrößten Volkswirtschaft in der Eurozone soll zunächst bis 3. April gelten.

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Tageszeitungen erscheinen weiterhin

Vom Produktionsstopp ausgenommen sind die Lebensmittel- und Pharmaproduktion, die Logistik- und Transportbranche und der Mediensektor. Die Tageszeitungen zur Information der Bürger erscheinen weiter, die Zeitungsverkäufer und die Tabaktrafiken bleiben geöffnet.

Auch die Landwirtschaft sowie die Ölproduktion bleiben aktiv. Hydrauliker, Heizungstechniker und Elektriker dürfen ebenfalls arbeiten. Auch Taxi- und Mietautounternehmen dürfen fahren.

Von der Maßnahme betroffen sind vor allem breite Sektoren der öffentlichen Verwaltung. Für viele Mitarbeiter wird es nur mehr möglich sein, über Smart-Work von zu Hause aus zu arbeiten.


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Notwendiges Opfer


Dies sei „ein notwendiges Opfer“ im Kampf gegen die Epidemie und zur Rettung von Menschenleben, schrieb auch der italienische Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri auf Facebook. „Wir werden Arbeitnehmer und Unternehmer unterstützen, damit die Wirtschaft neu starten kann. Zusammen werden wir es schaffen“, versicherte Gualtieri.

Das Land hatte am Samstag an nur einem Tag fast 800 Tote vermeldet und damit so viele wie nie seit dem Ausbruch des Virus im Land. Bisher starben 4.825 Menschen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Das sind 793 mehr als am Vortag. Besonders stark betroffen ist die nördliche Region Lombardei, wo das Virus Ende Februar ausgebrochen war und die Krankenhäuser mittlerweile vor dem Kollaps stehen.


Italien ist das Land mit den meisten offiziell gemeldeten Toten wegen des Coronavirus auf der Welt. Die Regierung hatte daher erst am Freitag die Ausgangssperren verschärft, die seit dem 10. März landesweit gelten. Allerdings forderten Regionalpolitiker im Norden weitere Maßnahmen, auch weil sich einige Menschen immer noch nicht an die Auflagen halten. In der Lombardei war der Ausbruch vor einem Monat bemerkt worden. Auch in Südtirol verordnete Landeshauptmann Arno Kompatscher am Samstag noch strengere Regeln in Bezug auf Freizeitaktivitäten im Freien. Außerdem ist es nun für jeden, der Symptome wie Husten oder Fieber hat, verboten, aus dem Haus zu gehen.

Bisher waren zum Beispiel viele Fabriken und Büros noch geöffnet, in die die Menschen zur Arbeit gingen. Die wirtschaftlichen Schäden für das hoch verschuldete Italien sind jetzt schon unermesslich.




apa/vs