Gemeinsam will man gegen das römische Spardiktat vorgehen und vor allem an eines erinnern: Dass die autonomen Provinzen Südtirol und Trentino eine Region mit Sonderstatut sind. Eine Tatsache, auf die man in Rom scheinbar mehr und mehr vergisst.„Wenn Monti den Frieden mit uns will, dann sollte er uns sofort empfangen“ Von Regierungschef Monti wollen Durnwalder und Dellai sofort angehört werden. Nicht erst in drei Monaten. Das stellten sie heute klar. „In drei Monaten wäre es zu spät. Dann würde uns Rom noch mehr Sparmaßnahmen diktieren“, zeigte sich Durnwalder kämpferisch.Gesprächsbereit seien sie immer noch, betonten die beiden Landeshauptleute. Aber auch in Angriffsstimmung. „Wenn Monti den Frieden mit uns will, dann raten wir ihm, dass er uns sofort empfängt“, so Durnwalder wenig diplomatisch.Das Maß sei voll. Rom mache gravierende Fehler im Umgang mit seiner nördlichsten Region. Drei zählte Durnwalder auf, da sie besonders schwer wiegten.Erster Fehler: Die Kommunikation zwischen Rom und Bozen stimmt nicht. „Wir haben Verständnis dafür, dass Italien sparen muss. Italien ist krank und braucht Medizin, ansonsten endet es gleich wie Griechenland. Wir sind jedoch nicht schuld an diesem Zustand und wollen, dass dies zur Kenntnis genommen wird. Unseren Beitrag leisten wir, keine Frage. Aber das Verhältnis muss stimmen“, wetterte Durnwalder.Nicht ‚Italia sprecona‘, sondern ‚Italia che funziona‘“ Dellai stimmte ihm bejahend zu, und betonte, dass die Region Trentino-Südtirol nicht zur „Italia sprecona“ sondern zur „Italia che funziona“ gehöre.Man habe Rom Verhandlungen, Gespräche, Aussprachen angeboten: Ohne Gehör zu finden. Die nördlichste Region Italiens werde immer mehr wie eine Region mit Normal- und nicht mit Sonderstatut behandelt.Demnach: Das finanzielle Verhältnis stimme überhaupt nicht mehr. Es werde nur (Geld) gefordert und das ohne Ende. „Italien investiert 400 Millionen Euro in Südtirol, darin ist auch das Geld für das Heer enthalten. Von uns will die Regierung 1300 Millionen. Das sind 1,3 Milliarden Euro, dreimal so viel, wie der Staat in Südtirol ausgibt. Die Rechnung stimmt nicht“, so Durnwalder und nannte damit bereits Fehler zwei: Das (verlangte) Geld.Geht es nach der Regierung in Rom, so soll das Land Südtirol 2012 via Stabilitätspakt und Spardekrete mit knapp 800 Millionen Euro an der Sanierung des Staatshaushaltes beitragen. Dazu gesellen sich noch die 500 Millionen Euro des Mailänder Abkommens. Stolze Summen, vor allem wenn man bedenkt, dass der Landeshaushalt 2012 etwa 5,1 Milliarden Euro umfasst."So geht das nicht"Sparen müsse auch Südtirol. Das sei Tatsache und so zur Kenntnis zu nehmen. „Aber immer im Rahmen von existierenden Abmachungen. Genau diese werden zurzeit überhaupt nicht beachtet“, so Südtirols Landeshauptmann.Einmal wolle Rom 60 Millionen Euro, am nächsten Tag bereits 80 Millionen Euro. Die Endlos-Forderung könne so nicht hingenommen werden.„So geht das nicht. Wir haben Verträge und die sind einzuhalten. Wenn wir uns das, was derzeit passiert, gefallen lassen, dann ist das eine grobe Verletzung der Autonomie.“Autonomie: „Rom hat sich nicht einzumischen“ Stichwort Autonomie ist Fehler Nummer drei: Auf die und ihre internationale Verankerung scheint Rom vergessen zu haben.„Man greift in die Zuständigkeiten des Landes, in unsere Zuständigkeiten, ein. Rom hat das zu unterlassen. Jeden Tag erhalten wir ein neues Diktat: Dieses Krankenhaus muss geschlossen, so und so viele Betten eingespart und diese und jene Kompetenzen den Gemeinden entzogen werden“, kritisierte Durnwalder.„Wir werden unsere Autonomie verteidigen“ Bevor die Situation völlig entgleist und Südtirol nur mehr zum Zahlmeister wird, wollen Durnwalder und Dellai eingreifen, Einhalt gebieten: und zwar bei Regierungschef Monti direkt.Der Ministerpräsident müsse sie anhören, sofort, ein Ergebnis müsse her, stellte Durnwalder klar.„Man soll in Rom merken, dass wir das römische Verhalten nicht akzeptieren, dass wir unsere Autonomie verteidigen und dass wir nicht nur vor den Verfassungsgerichtshof laufen“, so Durnwalder. Klage einlegen werde man sowieso. Aber man wolle auch das Gespräch suchen.Durnwalder und Dellai wollen mit Monti Obergrenze aushandeln Bei einer Aussprache wollen Durnwalder und Dellai eine Obergrenze der Summe, die die beiden autonomen Provinzen nach Rom zu leiten haben, festlegen.Eine Höhe nannte Durnwalder nicht. Er wolle sich nicht in die Karten blicken lassen, Monti keine Vorab-Informationen liefern.„Wir wissen wie viel der Staat einnimmt und ausgibt. Daher werden wir für uns eine Geldgrenze festlegen“.Die Region wolle aber auch eine Gegenleistung für frisches Geld aus dem Norden: „Wir wollen neue Kompetenzen“, erklärte der Landeshauptmann das Tauschgeschäft. Ein Expertentisch, an dem Südtiroler und Trentiner sitzen werden, sollen die Basis für die Verhandlungen mit Rom ausarbeiten.Letzte Option: Anruf bei Napolitano und in Wien Sollte Rom nicht einlenken, dann werde man auch bei Staatspräsident Giorgio Napolitano anklopfen und in Wien reklamieren.„Nach Wien gehen wir aber nur, wenn weiterhin Artikel 6, der Schutz der Minderheiten, gravierend verletzt wird und unsere Kompetenzen beschnitten werden. Nur wegen des Sparens werden wir nicht das Vaterland anrufen. Dann würden wir wenig Verständnis von unserer Schutzmacht erhalten“, merkte Durnwalder an."Bin Optimist"Trotz anhaltendem Tief in der Beziehung zu Rom sei er dennoch zuversichtlich: "Ich bin durch und durch ein Optimist. Wenn ich das nicht wäre, dann hätte ich längst gehen müssen. Wir glauben noch an das Gute und daran, dass Monti einlenken wird. Wir müssen ihm aufzeigen, dass es uns wirklich ernst ist, dass genau das eingetreten ist, was wir befürchtet haben. Wir müssen ihm in aller Deutlichkeit klarmachen, dass es so nicht weitergeht", wetzte der Landeshauptmann abschließend bereits die verbalen Säbel, mit denen er nach Rom reisen will.Johanna Gasser