Dienstag, 11. August 2020

Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi will erneut kandidieren

Im Juni 2016 wurde sie als 1. Frau an die Spitze der Stadt Rom gewählt und versprach, die italienische Hauptstadt wieder auf die Beine zu bringen und von Korruption und Misswirtschaft zu befreien. Jetzt will Virginia Raggi weitere 5 Jahre die politischen Geschicke Roms leiten.

Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi.
Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi. - Foto: © ANSA / MAURIZIO BRAMBATTI BT
Überraschend kündigte Raggi, Spitzenpolitikerin der Fünf-Sterne-Bewegung, am Montagabend an, dass sie in den Wahlkampf für die im Frühjahr 2021 geplanten Bürgermeisterwahlen in Rom ziehen wolle.

„Ich reiche wieder meine Kandidatur ein. Ich bin überzeugt, dass wir weitermachen können“, erklärte die 42-jährige Rechtsanwältin den Gemeinderatsmitgliedern ihrer Gruppierung. Ihr Ziel sei es, den Kampf gegen Korruption und Mafia fortzusetzen, den ihre Gruppierung in den letzten Jahren in der Hauptstadt entschlossen vorangetrieben hat.

Gegen die Mafia

Raggi hat sich seit ihrem Amtsantritt stark gegen in der italienischen Hauptstadt verbreitete Ungesetzlichkeiten, gegen mafiöse Clans und korrupte Lobbys eingesetzt und dabei auch wichtige Resultate erreicht. So wurde der Prozess „Mafia Capitale“ gegen die Mitglieder eines kriminellen Netzwerks geführt, das Rom jahrelang unterwandert und sich mit Korruption und Günstlingswirtschaft bereichert hatte.
In vier Jahren Amtszeit hat Raggi jedoch viele Probleme nicht in den Griff bekommen.

Die römischen Verkehrsbetriebe, die seit Jahren für Ineffizienz und Korruption berüchtigt sind, wurden immer noch nicht saniert, kritisieren die Gegner der Bürgermeisterin. Die Nahverkehrsgesellschaft ATAC wird seit Jahren von Skandalen wie Günstlingswirtschaft und Korruption geplagt, Verspätungen und Schwarzfahrer belasten das Image der öffentlichen Verkehrsbetriebe zusätzlich.

Müllentsorgungsprobleme nicht gelöst

Auch die chronischen Müllentsorgungsprobleme der Stadt wurden nicht gelöst. Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ist die Ewige Stadt auch noch mit einer dramatischen Wirtschaftskrise und mit einem großen Touristenschwund konfrontiert. Unzählige Betriebe in den Bereichen Gastronomie, Kultur, Freizeit und Tourismus mussten schließen.

Erwartet wird jetzt, dass auch die anderen Parteien bald die Namen ihrer Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Rom bekannt geben. Die oppositionelle Lega will einen eigenen Bewerber an der Spitze eines Mitte-Rechts-Blocks ins Rennen schicken und hat einen prestigereichen Parteisitz im Zentrum der Hauptstadt, das einstige Hauptquartier der Kommunistischen Partei (PCI) in der zentralen Via delle Botteghe Oscure bezogen. Noch unklar ist, wen die Sozialdemokraten (Partito Democratico/PD) ins Rennen um die 3,5-Millionen-Metropole schicken werden.

apa/stol