Das komplette Programm der Regierung aus dem Jahr 2008, das den Bau neuer Atomkraftwerke in Italien vorsah, ist gestrichen worden. Omnibusgesetz muss noch genehmigt werden Damit wird die Suche nach geeigneten Standorten für Atomkraftwerke in Italien ebenso eingestellt wie der Bau neuer Atomkraftwerke. 2013 hätte mit dem Bau des ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) begonnen werden sollen.Es müsse jetzt die Sicherheit atomarer Energie weiter wissenschaftlich erforscht werden, heißt es zur Begründung. Auch die technologische Entwicklung gelte es zu berücksichtigen. Die Änderung im Omnibus-Gesetz muss jetzt vom Parlament genehmigt werden.In den vergangenen Wochen hatte die Regierung bereits ein einjähriges Moratorium für die Suche nach Standorten für neue Atomkraftwerke beschlossen. Der Rückzieher der Regierung hatte sich bereits in den vergangenen Tagen und Wochen angedeutet, nachdem sich Finanzminister Giulio Tremonti öffentlich kritisch zur Nuklearenergie geäußert und mehr öffentliche Investitionen in alternative Energiequellen im Zusammenhang mit einer neuen Geopolitik im Mittelmeerraum gefordert hatte.Das Problem Atomkraft, so Tremonti, dürfe nicht nur aus technischer, sondern müsse auch aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet werden. In die Kalkulation für Atomkraft müssten auch die Kosten für den radioaktiven Müll, der auf tausende Jahre hinweg verstrahlt bleibt, für den sicheren Abbau alter Atomkraftwerke, aber auch die Kosten eines möglichen nuklearen Unfalls mit eingerechnet werden. 1987 Ausstieg aus Atomkraft beschlossen, 2008 kam der Wiedereinstieg Italien hatte 1987, ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, in einem Referendum den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Daraufhin wurden alle vier Atomkraftwerke des Landes stillgelegt. Da Italien seitdem jedoch teuren Strom importieren muss, beschloss Berlusconis Regierung im Jahr 2008 den Bau neuer Atomkraftwerke. Im Juni soll der Wiedereinstieg in die Nutzung der Atomenergie in einem von der Opposition unterstützten Referendum zur Abstimmung gebracht werden. Ein Referendum, das jetzt aber hinfällig sein könnte. Die Katastrophe in Fukushima trug dazu bei, das Lager der Atomkraftgegner in Italien zu vergrößern.Opposition begrüßt Beschluss Die Opposition begrüßte den Beschluss der Regierung Berlusconi. „Die Anti-Nuklearfront hat gesiegt. Der Unfall in Fukushima hat die Lügen der Atomlobby entlarvt. Atommeiler sind nicht sicher und die Italiener haben das begriffen. Der Rückzug der Regierung ist ein Sieg der Opposition in Italien“, kommentierte PD-Chef Pierluigi Bersani die Entscheidung.rb/apa