Sonntag, 24. April 2022

Russland greift Ukraine auch am orthodoxen Osterfest an

Russland hat seine Angriffe auf die Ukraine trotz aller Bitten um eine Waffenruhe zum orthodoxen Osterfest fortgesetzt.

Zerstörte Straßen nach russischen Angriffen in Kiew. - Foto: © ANSA / MIGUEL GUTIERREZ

Es wurden erneut Dutzende Militärobjekte und zahlreiche Stellungen des ukrainischen Militärs beschossen, wie der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag mitteilte.

Bei Angriffen auf die Hafenstadt Odessa starben am Wochenende nach ukrainischen Angaben 8 Menschen. Kremlchef Wladimir Putin betonte zum russisch-orthodoxen Osterfest die Rolle der Kirche für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Die Kirche ist eine wichtige Machtstütze des russischen Präsidenten.

Angriffe auf Odessa. - Foto: © ANSA / TELEGRAM



Papst Franziskus fordert Feuerpause in der Ukraine

Papst Franziskus hat erneut eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg gefordert. „Die politischen Entscheidungsträger mögen bitte die Stimme der Leute erhören, die den Frieden und keine Eskalation des Konfliktes verlangt“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag vor zahlreichen Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. „Ich erneuere den Aufruf zu einem österlichen Waffenstillstand.“ Am Sonntag feierten die orthodoxen Christen, die in der Ukraine stark vertreten sind, Ostern. Russland hatte eine Feuerpause abgelehnt.

Angriffe in den Gebieten Dnipropetrowsk und Charkiw

Russlands Militär zerstörte nach eigenen Angaben in Pawlohrad im Gebiet Dnipropetrowsk eine unterirdische Anlage zur Produktion von Munition für die ukrainischen Streitkräfte. Im Gebiet Charkiw seien zudem vier Munitionslager und Truppenansammlungen mit Raketen beschossen worden. Laut Verteidigungsministerium wurden bei den Angriffen 150 ukrainische Kämpfer getötet. Insgesamt wurde demnach in der Osternacht 423 Mal mit Raketen und Artillerie geschossen. Überprüfbar waren diese Angaben von unabhängiger Seite nicht.

Das ukrainische Militär berichtete, die Kontrolle über acht Ortschaften im Gebiet Cherson im Süden des Landes wieder erlangt zu haben.

Kiew bietet Moskau Verhandlungen zum Stahlwerk in Mariupol an

Angesichts der schwierigen Lage der im Stahlwerk in Mariupol eingeschlossenen Kämpfer und Zivilisten hat Kiew Verhandlungen mit Moskau angeboten. Bei einer „Sonderrunde“ könne über den Austausch von Militär gesprochen werden, teilte der Präsidentenberater Mychajlo Podoljak am Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Kämpfe in Mariupol. - Foto: © APA/Mariupol City Council / HANDOUT



In dem Werk Azovstal sollen sich nach russischen Angaben 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt haben. Nach ukrainischen Angaben leben in den noch für einen Atomkrieg gebauten Bunkeranlagen auch 1000 Zivilisten, darunter viele Kinder und Frauen. Immer wieder waren Versuche gescheitert, Fluchtkorridore einzurichten.

Selenskyj telefoniert mit Erdogan

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj telefonierte am Sonntag mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und rief diesen auf, sich bei Putin für eine Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol einzusetzen. Zudem solle der türkische Staatschef einen Austausch der im Stahlwerk Azovstal eingeschlossenen ukrainischen Soldaten erreichen. Beide sprachen nach Angaben von Selenskyj auch über Waffenlieferungen und Sicherheitsgarantien für die Ukraine sowie über Schiffsblockaden im Schwarzen Meer. Russland blockiert seit seinem Angriff auf die Ukraine den Zugang zu den Häfen des Landes. Dadurch kann die Ukraine, einer der größten Getreideexporteure der Welt, nichts mehr aus dem Seeweg exportieren.

apa/dpa/stol

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