Dienstag, 3. Mai 2022

Salvini verteidigt Rete4 nach Lawrow-Interview

Der Chef der Lega, Matteo Salvini, hat den Sender Rete4, ein Kanal, der zur TV-Gruppe Mediaset von Ex-Premier Silvio Berlusconi gehört, gegen Kritik nach dem umstrittenen Interview mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow verteidigt.

Matteo Salvini verteidigt Rete4. - Foto: © ANSA / MASSIMO PERCOSSI / Z49

Lawrow war am Sonntagabend fast 40 Minuten lang auf Rete 4 zu sehen.
Dabei wiederholte er russische Kriegspropaganda und sorgte international mit einem Nazi-Vergleich für Empörung, u.a. in Israel.

„Lawrow hat Dinge gesagt, die man kritisieren kann, zum Beispiel über den Holocaust oder den Vergleich zwischen Hitler und (dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr) Selenskyj. Das sind Ideen, die man kritisieren kann, aber man kann nicht von Mediaset verlangen, sie zu zensieren“, sagte Salvini in einem Radiointerview am Dienstag. „Man kann die wahnsinnigsten Thesen verbreiten, doch in einer Demokratie antwortet man mit anderen Ideen. Man fordert keine Zensur“, so der ehemalige Innenminister.

Ministerpräsident Mario Draghi kritisierte das Rete4-Programm „Zona bianca“ wegen des Interviews mit Lawrow. „Man hat es zwar ein Interview genannt, aber in Wahrheit war das eine Wahlkundgebung“, sagte Draghi am Montagabend. In Italien gebe es zwar – anders als in Russland – Presse- und Redefreiheit. Aber Draghi fand: „Man muss sich fragen, ob es akzeptabel ist, jemanden einzuladen, der interviewt wird, ganz ohne Widerrede. Das war keine Glanzleistung“, so Draghi. Zuvor hatten schon etliche andere italienische Politiker die Sendung heftig kritisiert. Der Chef der Sozialdemokraten und ehemaliger Ministerpräsident Enrico Letta sprach von einem „Abgrund“.

Lawrow hatte gesagt, in der Ukraine seien Nazis am Werk. Als Gegenargument werde gesagt: „Wie kann es eine Nazifizierung geben, wenn er (Selenskyj) Jude ist? Ich kann mich irren. Aber Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.“

Der Mediaset-Konzern des ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi verteidigte die Sendung und Einladung Lawrows. Dieser sei „die Nummer 2 in der Russischen Föderation. Das Interview mit dem russischen Außenminister ist ein Dokument der Zeitgeschichte“, sagte Generaldirektor Mauro Crippa.

dpa/stol

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