Samstag, 25. Februar 2017

SBB hält Landesversammlung ab

Wie die knappe Ressource Landschaft im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der Landwirtschaft und jenen der Bevölkerung sowie anderer Wirtschaftszweige künftig gestaltet werden soll, war am Samstag Thema bei der Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes im Bozner Waltherhaus.

Foto/copyright: SBB
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Die Landwirtschaft trage für die Landschaft eine besondere Verantwortung. „Dieser Verantwortung sind sich Südtirols Bäuerinnen und Bauern sehr wohl bewusst“, unterstrich Landesobmann Leo Tiefenthaler. „Wir waren und sind offen für Veränderungen und Verbesserungen. Gemeinsam kann und muss es uns gelingen, die Vision umzusetzen, Südtirol zum begehrtesten Lebensraum Europas zu machen. Helfen Sie alle mit, damit dies gelingt!“

Initiativen, um Landschaft mit zu gestalten

Der Südtiroler Bauernbund tue bereits einiges dafür, um an der Umsetzung dieser Vision mit zu arbeiten. Ein Beispiel: Mit der Initiative „Regiokorn“ wolle man altes Wissen über den Getreideanbau und die Getreideverarbeitung wieder beleben und mehr Biodiversität und Vielfalt in Südtirols Landschaft bringen.

Viele Projekte gebe es auch, um alte, schützenswerte Baukubatur zu erhalten. So habe man zusammen mit Partnern die Initiative „Bauern(h)auszeichnung“ ins Leben gerufen. Das Projekt soll Bäuerinnen und Bauern den besonderen Wert alter, bäuerlicher Bausubstanz vermitteln, aber auch Architekten für die besonderen Bedürfnisse der Landwirtschaft sensibilisieren.

Die intelligente Flächennutzung sei eines der großen Ziele der „Plattform Land“, die vom Gemeindenverband Südtirol und dem Südtiroler Bauernbund ins Leben gerufen wurde. Sie arbeite daran, den ländlichen Raum lebenswert zu erhalten.

„Unsere Täler, Dörfer und Weiler Südtirols sind glücklicherweise noch bewohnt, Einheimische und Touristen nutzen den ländlichen Raum als Freizeit- und Erholungsraum“, sagte Leo Tiefenthaler. Aber: „Die Vorstellungen über die ,Funktionen‘ von Landschaft sind verschieden.“ Also müsse ein Ausgleich gefunden werden, denn eines dürfe man nicht vergessen: Landschaft ist nicht nur Naturlandschaft sondern vor allem Kulturlandschaft – vom Menschen immer schon gestaltet und verändert.

Raumordnungsgesetz als Entwicklungsinstrument

Als wesentliches Instrument der Gestaltung dieser Landschaft nannte der Landesobmann  das Gesetz für Raum und Landschaft, das derzeit in Ausarbeitung ist. „Mit vielem, was an generellen Zielen vorgegeben wurde, sind wir einverstanden. Leider wurde der erste Entwurf diesen Zielen aber nicht immer gerecht!“ Der Bauernbund wird aber auch weiterhin konstruktiv am neuen Gesetz mitarbeiten, um die notwendige wirtschaftliche Entwicklung zu garantieren.

Das unterstrich auch Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner: „Die Landschaft darf nicht unter eine Käseglocke gesetzt und die Bauern nicht zu Landschaftsgärtnern gemacht werden“, forderte er. Diese Forderung griff Landeshauptmann Arno Kompatscher in seinen Grußworten auf und garantierte: „Das neue Raumordnungsgesetz wird ein Entwicklungsinstrument, das im Einklang mit dem Landschaftsschutz stehen wird. Wenn uns das nicht gelingt, lassen wir es lieber.“ Er versprach, dass das vereinfachte Verfahren für Bagatelleingriffe aufrecht erhalten bleiben und es darüber hinaus möglichst weitere Vereinfachungen geben soll.

Gemeinsamen Nenner finden

Thomas Aichner, Präsident des IDM Südtirol, versuchte in seinem Gastreferat vor allem die Spannungsfelder aufzuzeigen, die im Falle der raren Ressource Landschaft wirksam sind: Zum einen die Südtiroler Bevölkerung mit ihren Wünschen und Bedürfnissen sowie die Unternehmen mit ihren Erwartungen und Anforderungen, zum anderen die Landwirtschaft, die aus ihrem Grund und Boden Wertschöpfung generiert.

Es sei notwendig, dass diese verschiedenen Interessengruppen einen gemeinsamen Nenner finden und sich bewusst werden, „dass es im Grunde um eine ganz andere Interessensgruppe geht, nämlich um unsere Kinder.“ Deshalb müsse man versuchen, Eigeninteressen nicht zu stark in den Vordergrund treten zu lassen und den Blick für das große Ganze zu schärfen. „Wir alle tragen eine gemeinsame Verantwortung dafür, wie unsere Landschaft in Zukunft sein wird“, schloss er seinen Vortrag.

Enge Zusammenarbeit bei Vorbereitungen der nächsten GAP-Periode

Landesrat Arnold Schuler bedankte sich bei den Bäuerinnen und Bauern für die Geduld, die sie im letzten Jahr bei den Auszahlungen der Beiträge bewiesen haben: „Dank konzertierter Anstrengungen ist es uns nun aber gelungen, die Probleme zu beheben und sind nun sogar auf einem guten Punkt,“ sagte er. Da es nun bereits an die Vorbereitungen für die nächste Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der EU gehe, sprach er sich für eine intensive Zusammenarbeit mit dem Bauernbund und den internationalen Partnern im Alpenraum aus, um die Bedürfnisse und Interessen der Berggebiete gemeinsam zu vertreten.

Die Zusage kam prompt in den folgenden Grußworten: Josef Geißler, Landeshauptmann-Stellvertreter und Bauernbundobmann von Nordtirol, sowie Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, sicherten ihre enge Zusammenarbeit zu: Die Entwicklungen zeigen, dass es auf Brüsseler Ebene sicher nicht einfacher werde. Deshalb sei es notwendig, dass die Berggebiete noch stärker zusammenrücken.

Bergbauernpreis und Steinkeller-Stiftung

Gleich zwei Auszeichnungen bildeten die feierlichen Höhepunkte der Versammlung: Zum einen die traditionelle Verleihung des Bergbauernpreises. Er ging – stellvertretend für mehr als 6000 Bergbauernfamilien im Lande – für die mustergültige Führung ihres Betriebes an folgende Familien: Giuseppe und Irma Clara, (Oriana, Kampill/Gadertal), Reinhard und Marika Staffler, (Schleidhof, Tabland/Naturns) und Herta Erlacher (Haselbrunn, Sarntal). 

Zum elften Mal schon vergab die Stiftung „Dr. Viktoria Schulz Steinkeller“ einen Stiftungsbeitrag. Er unterstützt eine Bauernfamilie finanziell, wenn sie wertvolle bäuerliche Bausubstanz saniert und somit erhält. Der heurige Beitrag ging an Familie Oberhöller vom Jörglmoarhof in St. Lorenzen im Pustertal. 

stol