Sonntag, 12. Juli 2020

Schmerz und Trauer beim Gedenken an Völkermord von Srebrenica

Bei einer Trauerfeier in der Opfergedenkstätte Potocari haben Bosnien-Herzegowina und politische Vertreter aus aller Welt des Massakers von Srebrenica vor 25 Jahren gedacht.

Eine Überlebende des Massakers aus 1995 bei den Grabsteinen an der Opfergedenkstätte Potocari .
Eine Überlebende des Massakers aus 1995 bei den Grabsteinen an der Opfergedenkstätte Potocari . - Foto: © APA/afp / ELVIS BARUKCIC
Hinterbliebene der Opfer, bosnische Spitzenpolitiker und ausländische Diplomaten legten am Samstag Blumen am Denkmal nieder. Särge mit den sterblichen Überresten von 9 weiteren Opfern, die erst in den vergangenen Monaten identifiziert worden waren, wurden auf dem Friedhof von Potocari in frisch ausgehobene Gräber gelassen.

Hohe ausländische Staatsgäste konnten wegen der Corona-Pandemie nicht kommen – dafür gab es Videobotschaften, etwa von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, US-Außenminister Mike Pompeo und dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton.

Erster Völkermord auf europäischem Bodenseit 1945

Bei dem Massaker in der ostbosnischen Enklave waren vom 11. Juli 1995 an etwa 8.000 muslimische Männer und Jugendliche von bosnisch-serbischen Verbänden ermordet worden. Die im Bosnien-Krieg (1992-1995) verübte Gräueltat gilt als der erste Völkermord auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

Der Genozid ereignete sich nach der Einnahme der belagerten Enklave, die eigentlich als UNO-Schutzzone definiert war, durch die bosnischen Serben. UNO-Truppen und NATO-Luftverbände verteidigten die Schutzzone nicht. Der bosnisch-serbische Armeeführer Ratko Mladic hatte den bosnischen Muslimen in den Enklaven wie Srebrenica bereits zuvor die Auslöschung angedroht.

Nach dem Fall der Stadt flohen deshalb Zehntausende Zivilisten in eine Fabrik in Potocari bei Srebrenica, damals das Basislager der niederländischen UNO-Truppen, seit 2003 Ort des Gedenkzentrums. Die Frauen und Kinder ließ Mladic mit Bussen deportieren. Rund 15.000 Männer und Jugendliche versuchten sich zu Fuß in die 100 Kilometer entfernte Stadt Tuzla durchzuschlagen. Weniger als die Hälfte schaffte es bis dorthin. Die anderen wurden von den Mladic-Truppen gefangen genommen, erschossen und in anonymen Massengräbern verscharrt. Rund 1.000 von ihnen gelten noch als vermisst.

apa/dpa/afp

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