Samstag, 17. Oktober 2020

Schock nach islamistischer Terrorattacke in Frankreich

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Lehrer in der Nähe von Paris sind 4 Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Festgenommenen, darunter ein Minderjähriger, seien aus dem Familienkreis des Angreifers, der von Polizisten getötet worden war, hieß es in der Nacht auf Samstag aus Justizkreisen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sagte am Abend, es handle sich „eindeutig“ um einen „islamistischen Terroranschlag“.

Emmanuel Macron beim Verlassen der Mittelschule in Conflans Saint-Honorine. - Foto: © APA/afp / ABDULMONAM EASSA
Der Vorfall hatte sich im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine am Freitagnachmittag ereignet: Ein Mann wurde enthauptet – der Täter wurde von der Polizei getötet. Bei dem Täter wurde nach Angaben aus Justizkreisen ein Ausweisdokument gefunden, demzufolge der Angreifer 2002 in Moskau geboren wurde. Eine formelle Identifizierung steht jedoch noch aus.

Die Polizei untersuchte zudem nach eigenen Angaben einen Beitrag in den sozialen Netzwerken, der ein Foto vom Kopf des Lehrers gezeigt haben soll. Der Beitrag ist mittlerweile gesperrt. Es sei nicht geklärt, ob die Nachricht unter dem Foto, in der Präsident Macron als „Führer der Ungläubigen“ bedroht wird, vom Angreifer selbst verschickt wurde.

Bei dem Opfer handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Geschichtslehrer, der seinen Schülern im Rahmen seines Unterrichts über Meinungsfreiheit umstrittene Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Der Angreifer soll nach der Tat in dem Ort nordwestlich der französischen Hauptstadt „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen haben. Er wurde von der Polizei angeschossen und starb nach Angaben aus Justizkreisen später.

Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt den Angaben zufolge wegen „Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Unternehmen“ und wegen einer „kriminellen terroristischen Vereinigung“.

Angriff auf die Meinungsfreiheit

Bei einer kurzen Rede vor der Schule, an der der Geschichtslehrer unterrichtet hatte, sagte Präsident Macron: „Sie werden nicht durchkommen. Sie werden uns nicht spalten.“ Der Lehrer sei ermordet worden, weil er seinen Schülern „Meinungsfreiheit und die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben“ beigebracht hatte. Macron versicherte, dass die Nation gegen „Aufklärungsfeindlichkeit“ und die damit einhergehende Gewalt zusammenstehen werde, um alle Lehrer „zu schützen und zu verteidigen“.

Zahlreiche Politikerinnen und Politiker reagierten geschockt auf den Vorfall. „Dieser Angriff ist nicht nur ein Angriff zu viel. Er ist barbarisch und sehr ernst“, sagte David Le Bars, Generalsekretär einer Polizeigewerkschaft, dem Sender Franceinfo. „Wir befinden uns wieder in diesem Kreislauf der Gewalt. Und die Menschen sind sich dessen bewusst.“


Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen


Erst vor wenigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris eine Messerattacke gegeben. Dabei wurden 2 Menschen verletzt – auch hier hat der Täter veröffentlichte Mohammed-Karikaturen als Motiv für die Tat angegeben.
Auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hatte es im Januar 2015 einen tödlichen Anschlag gegeben. Aktuell läuft in Paris der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden.

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Frankreichs Regierung hat den Kampf gegen den Terror zu einer Top-Priorität gemacht und warnt immer wieder, dass die Gefahr von Terrorangriffen sehr hoch sei.



apa/dpa