Der geht zwar vehement auf Distanz zu Heinz Peter Hager, gut informierte Kreise wollen aber das Gegenteil wissen. Für Teile der Opposition Grund genug, Kompatschers Rücktritt zu fordern. Gegen Hager wird bekanntlich wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung ermittelt. <BR /><BR />Dass Hager zeitweise im Büro des Landeshauptmannes „ein- und ausgegangen ist, das haben wir alle gesehen“, wundert sich die Landtagsabgeordnete <b>Brigitte Foppa (Grüne)</b> über die angebliche Distanz des Landeshauptmannes zu Hager: „Da war ein Nahverhältnis, das kann er nicht leugnen.“<BR /><BR />Doch damit nicht genug. Wie ein Insider bestätigt, soll es sogar mehrere Gemeinschaftschats gegeben haben, in denen sowohl Kompatscher als auch Hager Mitglieder waren. Ein regelrechter „Dauerchat“ soll den Namen „Weihnachtsessen“ getragen haben. In dieser kleinen, aber illustren Runde sollen außerdem weitere 4 hohe Südtiroler Politiker und 2 namhafte Unternehmer mitgechattet haben. Einen weiteren gemeinsamen Chat soll es zum Thema Wahlfinanzierungen gegeben haben. <h3> Knoll: „Das ist mehr als unglaubwürdig“</h3>Davon gehört hat auch der Landtagsabgeordnete <b>Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit)</b>: „Sollte sich das bewahrheiten, was man über diese Chats so hört, wäre das schon ein starkes Stück“, findet er: „Dass der Landeshauptmann jetzt so tut, als ob er Hager nur von der anderen Straßenseite zugewunken habe, ist jedenfalls mehr als unglaubwürdig“, betont Knoll. <BR /><BR />Und erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Tatsache, dass Heinz Peter Hager immerhin mit im Spendensammler-Komitee der SVP für die Landtagswahlen 2018 war. „Das war damals schon mehr als bemerkenswert, denn wie kommt jemand dazu, der nicht einmal SVP-Mitglied ist?“ Nun bekomme das Ganze aber erst recht „eine schiefe Optik“. <BR /><BR />Knoll wird jedenfalls im Landtag einen Untersuchungsausschuss beantragen, „Zusagen für die notwendigen 9 Unterschriften von Kollegen habe ich bereits. Nächste Woche wird er eingereicht“. Ein Rücktritt Kompatschers „wäre jedenfalls – angesichts der bisherigen Skandale und der nunmehrigen Enthüllungen – längst überfällig“. <h3>Köllensperger: „Es muss politische Konsequenzen geben“</h3>Das <b>Team K</b> geht noch einen Schritt weiter und fordert neben dem Rücktritt Kompatschers auch den von Landesrat Luis Walcher, während des ermittlungsrelevanten Zeitraumes Bozner Vize-Bürgermeister (die Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt). Auch wenn gegen beide also nicht ermittelt wird, sei „die strafrechtliche Beurteilung nur eine Seite der Medaille, die politische eine andere“, findet Team K-Chef <b>Paul Köllensperger</b> und unterstreicht: „In so einem Fall muss es politische Konsequenzen geben, auch in den betroffenen Gemeindestuben von Bozen und Eppan“ , schließlich hätten die politisch Verantwortlichen „zugelassen, dass die öffentlichen Institutionen derart unterwandert wurden“. <BR /><BR />Ganz abgesehen vom „politischen Imageschaden“, der laut Köllensperger enorm sei: „Da brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Wähler jegliches Vertrauen verlieren.“<h3> „Das war schlicht gelogen“</h3>Er hoffe, dass sich die Vorwürfe gegen Hager nicht bestätigten, betont <b>Thomas Widmann (Für Südtirol mit Widmann)</b>, der auch darauf verweist, dass für Hager die Unschuldsvermutung gelte. „Aber egal, wie es ausgeht, der Landeshauptmann kann jetzt nicht so tun, als kenne er ihn kaum“. Für Widmann stellt sich die Frage, ob ein „Landeshauptmann, der sich immer wieder dafür entscheidet, seine Bürger anzulügen, diese Position verdient.“ <BR /><BR />Als weiteres Beispiel für solche „Unwahrheiten“ erinnert Widmann an die öffentliche Aussage Kompatschers vor den jüngsten Landtagswahlen, er habe nie gesagt, dass er nur 2 Legislaturen Landeshauptmann mache: „Das war schlicht gelogen.“ Gemäßigter gibt sich <b>Andreas Leiter Reber (Freie Fraktion)</b>: „Andernorts würden in einem solchen Fall Politiker von selbst zurücktreten und so wenigstens das Amt und die Institution schützen“. <BR /><BR />Auf die Arbeit des Untersuchungsausschusses verweist <b>Jürgen Wirth Anderlan (JWA)</b>, wundern würde ihn eine eventuelle „Verwicklung“ der Südtiroler Politik in die Affäre allerdings nicht, sagt er.