Samstag, 08. Dezember 2018

Schützen fordern Entschuldigung von Italien

Am Samstag wurde wie jedes Jahr am 8. Dezember des Todes von Sepp Kerschbaumer gedacht, der 1964 im Gefängnis von Verona starb. Rund 2000 Menschen nahmen an der Gedenkfeier in St. Pauls teil.

Foto: Südtiroler Schützenbund
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Foto: Südtiroler Schützenbund

„Sepp Kerschbaumer wird für immer ein Symbol des Widerstandes sein. Des Widerstandes gegen die Zerreißung Tirols nach dem 1. Weltkrieg und gegen eine nationalistische italienische Politik, die den deutschen Charakter Südtirols nicht akzeptieren konnte und wollte“, so der diesjährige Gedenkredner Hans-Jürg Humer. Der 74-jährige Oberösterreicher war in jungen Jahren im Südtiroler Freiheitskampf der 1960er Jahre aktiv, wurde 1967 in Südtirol verhaftet und gefoltert. Nach 4 Jahren Kerker kam er wieder frei.

Gedenkredner Hans-Jürg Humer (M.) neben Landeskommandant Elmar Thaler (l.) und dem Obmann des Südtiroler Heimatbundes Roland Lang. - Foto: Südtiroler Schützenbund

Gedenkredner Hans-Jürg Humer (M.) neben Landeskommandant Elmar Thaler (l.) und dem Obmann des Südtiroler Heimatbundes Roland Lang. - Foto: Südtiroler Schützenbund

Die Gedenkfeier begann mit einem Aufmarsch der Schützen zum Paulsner „Dom auf dem Lande“. Pater Rainald Romaner OFM zelebrierte dort die heilige Messe, anschließend ging es zur Ehrung der gestorbenen Freiheitskämpfer auf den Friedhof von St. Pauls.

„Südtirol war in doppeltem Sinn ein Opfer des Nationalismus, nämlich ein Opfer des italienischen Nationalismus, und gleichzeitig wurden die Versuche der Südtiroler, das angestammte deutsche Volkstum zu behaupten, vom offiziellen Italien als pangermanistische - und damit nazistische - Gefahr vor der Welt diffamiert.“

Humer kritisierte das Verhalten Italiens im Umgang mit dem Ende des Ersten Weltkrieges. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella habe den „aggressiven Nationalismus“ von damals kürzlich in Redipuglia kritisiert, habe aber verschwiegen, dass Italien der Aggressor gewesen sei und seinem vormaligen Verbündeten den Krieg erklärt habe. 

„Also wenn das ein ‚mea culpa‘ sein sollte, müsste es anders und deutlicher formuliert sein“, so Humer, der eine Entschuldigung forderte, denn es gehöre heute zum guten Ton, dass sich Staaten bei Opfern ihrer früheren Politik entschuldigen. Am Ende erinnerte er daran, „dass Sepp Kerschbaumer auch ein Opfer war, ein Opfer des aggressiven Nationalismus, wie unzählige andere“. Er hoffe, dass solche Opfer in Zukunft nicht mehr notwendig werden.

Bei der Gedenkfeier waren auch die Landeskommandanten von Nordtirol und dem Trentino sowie zahlreiche politische Vertreter anwesend, unter ihnen auch Landesrätin Martha Stocker und der Nationalratsabgeordnete Werner Neubauer. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Musikkapelle Frangart. Eine Ehrensalve feuerte die Schützenkompanie „Sepp Kerschbaumer“ Eppan ab.

stol

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