16 Monate nach dem erzwungenen Rücktritt von Langzeitmachthaber Hosni Mubarak können sie sich in einer Stichwahl zwischen dessen letztem Premier Ahmed Shafik und dem Islamisten Mohammed Mursi, dem Kandidaten der Muslimbruderschaft, entscheiden. Zur Stichwahl sind rund 52 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen.Nach der Annullierung der ägyptischen Parlamentswahl durch das Verfassungsgericht hat ein Zusammenschluss linksgerichteter und liberaler Parteien die Armee der „Konterrevolution“ bezichtigt. In einer am Freitag in Kairo veröffentlichten Erklärung hieß es, das „konterrevolutionäre Szenario“ ergebe sich aus einer Reihe von Vorfällen: So seien am 2. Juni zunächst mehrere Angeklagte im Prozess gegen Mubarak freigesprochen worden. Danach habe das Justizministerium die Militärpolizei und den Militärgeheimdienst wieder zur Festnahme von Zivilisten ermächtigt – ein Recht, das diese mit der Aufhebung des Ausnahmezustands Ende Mai verloren hatten, hieß es in der Erklärung von sechs Parteien und Bewegungen.Den Kulminationspunkt bildete die Entscheidung des Verfassungsgerichts vom Donnerstag, die Zusammensetzung des von den Islamisten dominierten Parlaments für illegal und die Kandidatur des früheren Mubarak-Vertrauten Ahmed Shafik bei der anstehenden Präsidentschaftsstichwahl für rechtens zu erklären. All diese Maßnahmen zeigten, dass der Oberste Militärrat unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, der nach Mubaraks Sturz die Macht übernahm, die alte Herrschaft wiederherstellen wolle, heißt es in der Stellungnahme. Die Präsidentschaftswahl sei eine „schlechte Komödie“, mit der der Militärrat seinen Einfluss ausbauen wolle. Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören unter anderen die Richtungspartei, die Nationale Front für Gerechtigkeit und Demokratie sowie die Koalition der Revolutionären Jugend.Mursi hat mit einer „neuen Revolution“ gedroht, falls es Hinweise auf Wahlfälschung geben sollte. Auf einer Pressekonferenz sagte Mursi in der Nacht auf Freitag in Kairo: „Das Volk wird die Rückkehr der korrupten Vertreter des alten Regimes nicht zulassen.“ Mehrere Gruppierungen, darunter die Jugendbewegung „6. April“, haben für den Freitagabend zu Protesten gegen die Urteile des Verfassungsgerichts aufgerufen. Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei warnte unterdessen vor einem Abgleiten Ägyptens in eine Diktatur. Der Ex-IAEA-Chef, der von der revoltierenden Jugend einst als Hoffnungsträger gefeiert worden war, hatte im Jänner aus Enttäuschung über die schleppende Demokratisierung auf die Präsidentschaftskandidatur verzichtet.apa/dpa/afp