Mittwoch, 26. Juni 2019

Sea Watch: Kapitänin steuert trotz Verbots Lampedusa an

Trotz des italienischen Verbot hat die Kapitänin der „Sea-Watch 3“ Carola Rackete angekündigt, Lampedusa anzusteuern, um die 42 Migranten an Land zu bringen. „Ich habe beschlossen in den Hafen von Lampedusa einzufahren.

Foto: © APA/AFP

„Ich weiß, was ich riskiere, aber die 42 Geretteten sind erschöpft. Ich bringe sie jetzt in Sicherheit“, twitterte die deutsche Kapitänin am Mittwoch.

Zwei Wochen nach der Rettung von 53 Migranten vor Libyen gerate die Situation an Bord außer Kontrolle, sagte auch Sea Watch-Sprecher Ruben Neugebauer der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Ein vor kurzem in Kraft getretenes Dekret der Regierung in Rom sieht Strafen zwischen 10.000 und 50.000 Euro vor, wenn private Schiffe mit Geretteten an Bord unerlaubt in die italienischen Gewässer fahren. Nach dem neuen „Sicherheitsdekret“ müssen die Strafe künftig der Kapitän, der Schiffsbetreiber und der Besitzer des Schiffes bezahlen.

Das Paket geht auf den Chef der rechten Lega, Innenminister Matteo Salvini, zurück. Er will NGOs komplett davon abhalten, Migranten zu retten. Das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ harrte seit Tagen vor den Territorialgewässern unweit der sizilianischen Insel Lampedusa im Mittelmeer aus – in der Hoffnung auf eine Lösung für die Geretteten. Bislang wurden aber lediglich elf Menschen unter anderem wegen ihres Gesundheitszustands an Land gebracht.

Brüssel setzt sich für Migranten ein

Die EU-Kommission will sich um eine Lösung für die 43 Migranten bemühen, die seit zwei Wochen an Bord des Rettungsschiffes „Sea-Watch 3“ ausharren müssen. Die Menschen, die vor zwei Wochen vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet wurden, warten seitdem vergeblich auf eine Landeerlaubnis. Italien verweigert Rettungsschiffen von privaten Rettungsorganisationen die Landung in den Häfen des Landes.

„Wir stehen in Verbindung mit EU-Mitgliedsstaaten“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA am Mittwoch. Die Lage an Bord des Schiffes ist angespannt, wie die italienische Sprecherin der deutschen NGO „Sea-Watch“ Giorgia Linardi erklärte. Die Hilfsorganisation wiederholte ihre Forderung nach einer sofortigen Landung der Migranten, unter denen sich auch drei Minderjährige befinden.

Auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, vor der die „Sea-Watch 3“ in internationalen Gewässern unterwegs ist, demonstriert seit Dienstag eine Gruppe von Menschenrechtsaktivisten. Vor der Kirche von Lampedusa forderten sie die Landung der Migranten. Die Gruppe von Aktivisten, angeführt vom Pfarrer der Insel, Carmelo Lo Magro, verbrachte die Nacht auf dem Kirchenplatz, um ihre Solidarität mit den Migranten auszudrücken.

apa/dpa

stol