Donnerstag, 02. Dezember 2021

„Die ständigen Anschuldigungen waren kraftraubend“

Am Donnerstagvormittag kam der Paukenschlag: Ex-Kanzler und ÖVP-Parteiobmann Sebastian Kurz zieht sich aus der Politik zurück. Auf ihn könnte Innenminister Karl Nehammer folgen. Wie der „Kurier“ berichtete, könnte dieser auch Alexander Schallenberg als Kanzler ablösen.

Hat am Donnerstag seinen Rückzug aus der Politik bekanntgegeben: Sebastian Kurz. - Foto: © APA / HANS KLAUS TECHT
„Wenn man auf einen prägenden Lebensabschnitt zurückblickt und im Blick zurück vor allem eins empfindet, nämlich Dankbarkeit, dann kann man sich glaube ich sehr glücklich schätzen“, sagte Sebastian Kurz bei seiner Pressekonferenz am Donnerstagvormittag. 10 Jahre in der Politik liegen hinter ihm, in denen er Österreich als Staatssekretär, Außenminister und Bundeskanzler gestaltete. „Ich habe stets mein Bestes gegeben und alles versucht“, sagte Kurz.

Die Korruptionsvorwürfe gegen ihn hätten seine Leidenschaft für die Politik geschmälert, und die Geburt seines Sohnes vor wenigen Tagen habe ihm gezeigt, dass es Wichtigeres im Leben gebe, begründete er seinen Schritt.

Die ständigen Anschuldigungen seien kraftraubend und zehrend gewesen. „Sie haben in mir meine Flamme etwas kleiner werden lassen“, sagte er vor Journalisten in der Parteiakademie der ÖVP.

Gegen Kurz ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Falschaussage im Ibiza-Untersuchungsausschuss und wegen des Verdachts der Untreue. Kurz und seine politischen Mitstreiter sollen seinen Aufstieg an die Regierungsspitze unter anderem mit Hilfe von Steuergeldern befördert haben. Kurz bestreitet die Vorwürfe.

Laut Medienspekulationen könnte Innenminister Karl Nehammer als Chef der ÖVP nachfolgen und auch das Amt des Kanzlers von Alexander Schallenberg übernehmen.

Kurz: „Meine Begeisterung ist abgeflacht“

Kurz galt lange Zeit als politischer Superstar der Konservativen in Europa. Er startete seine politische Karriere auf Bundesebene 2011 als Staatssekretär für Integration. Mit 27 Jahren wurde er 2014 jüngster Außenminister in der Geschichte Österreichs. 2017 gelang ihm der Sprung an die Regierungsspitze. Kurz wurde Kanzler einer Regierungskoalition aus ÖVP und rechter FPÖ. Nach dem Ende der Koalition in Folge der Ibiza-Affäre kam es zu Neuwahlen. Seit Anfang 2020 war Kurz Kanzler eines Bündnisses von ÖVP und Grünen.




Zu seinen politischen Markenzeichen gehörte seine große Bürgernähe und sein vehementes Eintreten für eine restriktive Migrationspolitik. Seine politische Kommunikation war geprägt von sehr klaren Ansagen. Jahrelang war Kurz außerordentlich populär.

Seit die Staatsanwaltschaft im Mai Ermittlungen gegen Kurz aufnahm, begann sein politischer Stern zu sinken. Vorläufiger Tiefpunkt waren Hausdurchsuchungen im Bundeskanzleramt und in der ÖVP-Zentrale im Oktober, nach denen Kurz als Regierungschef zurücktrat.

SVP-Obmann Philipp Achammer bedauert im STOL-Interview den Rücktritt von Sebastian Kurz: „Das ist ein großer Verlust für die ÖVP, aber auch für Südtirol.“

Sehen Sie in der Galerie Bilder aus 10 Jahren politischer Arbeit von Sebastian Kurz.

stol/dpa

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