Die Grünen veröffentlichten auf einer Presskonferenz Details der sogenannten „Edison-Verträge“, mit denen das Unternehmen von dem Energieriesen Kraftwerke in Südtirol übernommen hatte.Die beiden Landtagsabgeordneten Riccardo Dello Sbarba und Hans Heiss sprachen bei einer Pressekonferenz von einem „Knebelvertrag“, den das Land auf Kosten der Steuerzahler akzeptiert habe und einer „Hypothek“ für die Zukunft der SEL AG.Die Grünen hatten beim Staatsrat die Einsicht in die Verträge erzwungen und bezeichnen die von SEL AG und Edison gegründete gemeinsame Firma „Hydros“ als „schlechtes Geschäft“ für die Südtiroler.Es handle sich um vier Knebelverträge. Zwei Drittel des erzeugten Stromes bleibe bei Edison. SEL werde in Mailand von Edison vermarktet, dadurch gingen Steuergelder für das Land verloren.Außerdem gebe Edison bei Hydros die Entscheidungen vor. Das Land solle sich von der Energieproduktion komplett zurückziehen und stattdessen Allianzen mit lokalen Energieversorgern oder Gemeinden schließen, forderten die beiden Abgeordneten.Details„Die in den Jahren 2008 und 2009 unterfertigten SEL-EDISON Verträge waren die Voraussetzung für die Gründung der Gesellschaft Hydros, die sieben Großkraftwerke Graun, Laas, Marling, Waidbruck, Prembach, Wiesen und Bruneck führt“, so die Grünen.Die Vereinbarungen seien für die Südtiroler ein schlechtes Geschäft.„SEL bezahlt für die Energie von Hydros einen höheren Preis als EDISON. Zudem verkauft SEL seine Energiequote nicht auf dem Markt. Vielmehr wird sie von EDISON gegen eine Vergütung vermarktet. Nachdem EDISON-Trading in Mailand abrechnet, bedeutet dies auch einen erheblichen Verlust an Steuereinnahmen für das Land“, betonte Dello Sbarba auf der Pressekonferenz. In den Hdyros-Kraftwerken führe weiterhin in allem und über alles EDISON das Kommando.„Zudem liegt der Preis für die Quote von SEL in Hydros bei 177 Mio. Euro und nicht bei 133 Mio. Euro, wie SEL glauben machen wollte“, erklärte der Landtagsabgeordnete.Die fatale Folge der Vereinbarungen seien, dass die EDISON in den ersten beiden Geschäftsjahren 2009 und 2010 Gewinne aus dem Verkauf der Energie erzielt habe, die sechs Mal über jenen von SEL lägen.In den künftigen Verhandlungen zum Ankauf von 40 Prozent von Hydros erhalte EDISON nicht nur Geld für seinen Gesellschaftsanteil, sondern werde sich auch die vorteilhaften Bedingungen ablösen lassen, die SEL und Land mit dem Energiekoloss vereinbart hätten, so Dello Sbarba.Verliere Hydros den Wettbewerb um die neuen Konzessionen, entpuppe sich die Vereinbarung zwischen SEL und EDISON als Katastrophe.„Das denkbar schlechte Hydros-Geschäft beweist, dass die gegenwärtige Krise der SEL nicht nur von ‚einzelnen faulen Äpfeln‘her rührt, sondern das Ergebnis einer falschen Strategie des Landes darstellt. Das Land wünschte unter allen Umständen einen Pakt zwischen SEL und den Energiekolossen, in direkter Konkurrenz mit den Gemeinden und örtlichen Betreibern, um die Kraftwerke nicht so sehr in ‚Südtiroler Hände‘ zu bringen, als vielmehr in die Hände der Landesregierung“, so die Grünen.Diese Strategie sei vom Kopf auf die Füße zu stellen. „Das Land muss seine dominante Position im Bereich der Energieproduktion aufgeben und sich darauf beschränken, die Gesetze zu erlassen und die Konzessionen zuzuweisen. Es gilt eine ‚Territoriale Allianz für die Energie‘ aufzubauen, die Gemeinden, Energiegenossenschaften und örtliche Erzeuger gegen die großen staatlichen und multinationalen Konzerne (wie EDISON) einbezieht, die in unserem Land nicht mehr verloren haben“, fordern Riccardo Dello Sbarba und Hans Heiss.stol