Zuletzt habe es die Hauptstadt Kiew getroffen, davor Dnipro, Saporischschja und Krywyj Rih, wiederum davor Odessa, sagte Selenskyj. „Die Haupttaktik Russlands besteht darin, zu versuchen, Städte vollständig auszuschalten.“ Er verlangte von allen Stadtverwaltungen, vorbereitet zu sein und die Bürger zu schützen. In den angegriffenen Städten ist die Versorgung mit Strom, Wasser, Heizung zum großen Teil ausgefallen.<BR /><BR />Die Angriffe zeigten, dass Moskau sich nicht um Diplomatie und die Friedensbemühungen der USA schere, sagte Selenskyj. Der Einsatz der Mittelstreckenrakete Oreschnik in der Westukraine an der Außengrenze von EU und NATO sei „eine gleich große Herausforderung für Warschau, Bukarest, Budapest und viele andere Hauptstädte“. Kein Land sei durch sein Verhältnis zu Russland geschützt. Nötig sei eine gemeinsame europäische Verteidigung.<BR /><BR />Die russische Armee hatte am Donnerstagabend die nuklear bestückbare Rakete auf ein Ziel im Gebiet Lwiw abgefeuert. Es war der zweite Einsatz der bedrohlichen Waffe, die mit ihrer Reichweite auch Westeuropa erreichen kann.<BR /><BR />Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko riet den Einwohnern am Freitag zum zeitweiligen Verlassen der Dreimillionenstadt. 6.000 Wohnblocks, die Hälfte der Mehrfamilienhäuser der ukrainischen Hauptstadt, könnten derzeit nicht geheizt werden, schrieb Klitschko auf Telegram. Die Lage werde durch den strengen Winter verschärft. Russische Luftangriffe in der Nacht seien die bisher folgenschwersten für die Infrastruktur von Kiew gewesen, erwähnte Klitschko.<h3> „Arbeiten im Notfallmodus“</h3>„Die städtischen Dienste arbeiten im Notfallmodus“, erklärte der Bürgermeister. „Wer anderswo Energie und Wärme finden könne, sollte die Hauptstadt vorübergehend verlassen, schrieb Klitschko. Dies sei kein offizieller Aufruf zur Evakuierung, sondern als Ratschlag an die Kiewer gemeint, auf ihre ofengeheizten Datschen zu fahren oder sich bei Verwandten und Freunden in weniger betroffenen Orten einzuquartieren.<BR /><BR />In der Hauptstadt und im Umland waren nach Angaben des Energieministeriums am Freitagmorgen etwa 500.000 Verbrauchsstellen ohne Strom. Nach Zählung der ukrainischen Luftwaffen hatte die russische Armee Kiew in der Nacht mit mehr als 200 Drohnen sowie Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern attackiert. Dabei wurden mindestens vier Menschen getötet. Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, 20 Wohnblocks seien beschädigt worden.<BR /><BR />Wer in seiner Wohnung wieder Strom, Wasser und Heizung habe, solle seine Nachbarn einladen, sich aufzuwärmen, sagte der Bürgermeister. Ein Teil der Wohnblocks solle noch ab Freitagabend wieder geheizt werden. Klitschko sagte, die Lage in Kiew sei schwierig, aber unter Kontrolle.