Freitag, 10. April 2020

Senioren- und Pflegeheime: Ein Massensterben – Hilfe ist dringend nötig

Die Rentnergewerkschaften des AGB/CGIL, SGB/CISL, ASGB und der SGK/UIL sind angesichts der hygienischen und medizinischen Bedingungen in den Alten- und Pflegeheimen besorgt und bestürzt.

In einer Aussendung appelliert  die Rentnergewerkschaft an die Politik und stellt  zahlreiche Forderungen, um die Situation in den Griff zu bekommen.
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In einer Aussendung appelliert die Rentnergewerkschaft an die Politik und stellt zahlreiche Forderungen, um die Situation in den Griff zu bekommen. - Foto: © shutterstock
In einer Aussendung appelliert die Rentnergewerkschaft an die Politik und stellt zahlreiche Forderungen, um die Situation in den Griff zu bekommen.


Ob es sich um ein Massensterben handelt, hängt von der Anzahl der Todesfälle ab. Bei 90 Prozent handelt es sich um ältere Menschen über 70 Jahre, 40 Prozent davon in Senioren-und Pflegeheime. Die Generation, die dieses Land groß gemacht hat und in den dunkelsten Zeiten der Republik ein Bollwerk des demokratischen Widerstands war, fällt nun einem unsichtbaren Feind zum Opfer, auch weil die Einrichtungen, wo sie leben, nicht auf diesen Fall vorbereitet waren.

Wir lernen Tag für Tag auf bittere Weise, was es bedeutet, unvorbereitet den Kampf gegen das Virus innerhalb und außerhalb der Senioren- Pflegeheime führen zu müssen. Es ist sehr schwer für die Heimbewohner und für diejenigen, die in diesen Einrichtungen ihren Dienst leisten, unter extremen Bedingungen zu arbeiten, Gesundheit und Sicherheit zu riskieren und die anfallenden Arbeitszeiten und Schichten zu bewältigen.

Maßnahmen reichen nicht aus

In diesen Heimen leben 4.300 Menschen mit einem Durchschnittsalter zwischen 80 und 90 Jahren. Die meisten von ihnen leiden an Mehrfacherkrankungen und unterschiedlichen Formen von Demenz. Es handelt sich um gebrechliche alte Menschen, die in den meisten Fällen nicht mehr in der Lage sind, ihre Bedürfnisse mitzuteilen, sich zu verteidigen und zu schützen.

Die hohe Sterblichkeitsrate in diesen Einrichtungen zeigt, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen, um diesen Notstand zu bewältigen und mit den bevorstehenden Anforderungen zurecht zu kommen.

Wir müssen die gesamte Altenpflege neu überdenken wie wir schon seit Jahren betonen. Ältere Menschen sind wertvoll und keine Last. Es handelt sich nicht um Abfall, der für den Müllhaufen bestimmt ist. Die alten Menschen brauchen gerade in Notsituationen mehr Hilfe und Schutz als sonst. Einrichtungen für ältere Menschen sind wichtig und empfindlich zugleich, und die Dynamik dieser Pandemie zeigt dass Prävention und Kontrolle besonders gepflegt sein muss.

Daher möchte die Gewerkschaft den politischen Entscheidungsträgern und Verwaltern folgenden Vorschläge unterbreiten:

unverzüglich eine Task Force einrichten, die aus Ärzten, Krankenschwestern, Hygieneexperten, Psychologen usw. zusammengesetzt ist, die in der Lage ist, in Notfallsituationen und bei der Bewältigung komplexer Epidemien tätig zu werden.

Überwachung, Überprüfung und Kontrolle der Sicherheitsvorschriften und Vorsichtsmaßnahmen.

Den Führungskräften und dem Gesundheitspersonal und dem Pflegepersonal in den Senioren und Pflegeheimen, das nicht gewohnt ist, in einer solchen Situation zu arbeiten, Schutz und Sicherheit bieten.

Infizierte, asymptomatische und negativ getestete Personen identifizieren und alle Benutzer und Betreiber von Wohneinrichtungen testen lassen.

Die periodischen Desinfizierungen in den Einrichtungen fortführen.

Schutzbereiche innerhalb der Einrichtungen ausweisen, um die Menschen so weit wie möglich voneinander zu distanzieren und die älteren Menschen und das Personal zu schützen.

Die Prävention verstärken, um Infizierungen einzudämmen und den Druck auf die örtlichen Krankenhäuser zu verringern.

Die Kommunikation mit Familienmitgliedern gewährleisten, indem Multimedia-Tools und die neuen Kommunikationsmittel zur Verfügung gestellt werden, um ältere Menschen psychologisch unterstützen zu können und den Kontakt mit Familienmitgliedern so weit wie möglich zu erleichtern.

Gewährleistung der Einhaltung der qualitativen und quantitativen Standards der Sozial- und Gesundheitsdienste, um den Personalmangel infolge von Infizierungen und die Abwesenheit von Familienmitgliedern und ehrenamtlichen Mitarbeitern wett zu machen.

Abschließend ersuchen die Rentnergewerkschaften des AGB/CGIL, SGB/CISL, ASGB und der SGK/UIL die Leitung der Sanitätsbetriebe und der Sozialdienste, weiterhin die integrierte Hauspflege und die sozialen Dienste zu gewährleisten, die für alleinstehende ältere Menschen dringend notwendig sind, gerade auch nach der Schließung der Tagesstätten für Alzheimer-Patienten, die nun zu Hause bleiben müssen.

Ein herzlicher Dank geht an das gesamte Sozial- und Gesundheitspersonal in den Seniorenheimen und Krankenhäusern, das in einer schwierigen, beispiellosen und dramatischen Situation lebt und arbeitet.
Vor allem aber sprechen die Rentnergewerkschaften ihr Beileid und ihre Verbundenheit mit all jenen aus, die einen geliebten Menschen auf diese grausame Art und Weise verloren haben, wie leider täglich aus der Chronik zu erfahren ist, wonach Menschen in völliger Einsamkeit sterben.

Die Generalsekretäre der Rentnergewerkschaften

AGB/CGIL (Gastone Boz), FNP/SGB/CISL (Annarita Montemaggiore) Asgb (Stephan Vieider) und der SGK/UIL-Rentner (Danilo Tomasini)

stol