Für einen Eklat sorgte zuletzt die Festnahme Domenico Zambettis, eines hochrangigen Mitglieds des lombardischen Regionalparlaments, wegen Mafia-Verstrickungen. Er soll bei der kalabrischen 'Ndrangheta für 200.000 Euro 4000 Stimmen gekauft haben, um sich bei den Regionalwahlen 2010 den Sprung ins Regionalparlament zu sichern. Für Formigoni, der ebenfalls wegen Kontakten zu skandalumwitterten Unternehmern in den vergangenen Monaten unter Beschuss geriet, ist Zambettis Festnahme ein schwerer Schlag.Der 64-jährige Formigoni, der der Region seit 1995 vorsteht und zu den engsten Vertrauensleuten von Ex-Premier Silvio Berlusconi zählt, steht schon seit Monaten im Kreuzfeuer der Kritik. Er wird beschuldigt, ein gigantisches System der Günstlingswirtschaft aufgebaut zu haben. Zuletzt wurde er verdächtigt, sich von dem Unternehmer Pierangelo Dacco Urlaube bezahlt haben zu lassen. Dacco gilt als Drahtzieher eines ausgedehnten Skandals im Gesundheitswesen.Formigoni erklärte, er habe sich nichts vorzuwerfen, und er werde bis zum Ende seines Mandats 2015 im Amt bleiben. Er sei unter Beschuss mächtiger Lobbys geraten, die ihn wegen seiner guten Verbindungen zu Berlusconi aus dem Amt drängen wollten. Formigoni verweigert einen Rücktritt, doch die rechtspopulistische Lega Nord, die ihn bisher treu unterstützt hat, will ihm nun das Vertrauen entziehen, was zu vorgezogenen Regionalwahlen führen soll.Skandale auch in der Region Latium Seit Wochen wird auch der Regionalrat der Region Latium mit der Hauptstadt Rom von schweren Skandalen erschüttert. Eine Affäre um die Veruntreuung von Parteigeldern in Berlusconis Partei führte vor drei Wochen zum Rücktritt der Präsidentin von Latium, Renata Polverini. Vergangene Woche wurde dann der ehemalige Fraktionschef der Berlusconi-Partei in der Region Latium, Franco Fiorito, festgenommen. Ihm wird die Veruntreuung von Parteigeldern in der Höhe von 1,3 Millionen Euro vorgeworfenJustizministerin Severino: „Italien erlebt ein zweites 'Tangentopoli'"Angesichts der jüngsten Vorkommnisse schlägt Italiens Justizministerin Paola Severino Alarm. „Nach dem der Neunzigerjahre erlebt Italien ein zweites 'Tangentopoli'. Doch diesmal ist es noch viel schlimmer, weil die Korruption in einer Phase grassiert, in der von den Bürgern beträchtliche Opfer verlangt werden. Das ist unerträglich“, sagte die Ministerin. Mit Mario Monti drängt sie auf die Verabschiedung eines neuen Gesetzes zur Bekämpfung von Korruption im Parlament. Demnach drohen Staatsbeamten wegen Korruption künftig bis zu fünf Jahre Haft. Mit dem neuen Gesetz soll die Korruption nicht nur in der öffentlichen Verwaltung, sondern auch in der Privatwirtschaft effizienter bekämpft werden.Die Regierung Monti drängt das Parlament, so rasch wie möglich das Antikorruptionsgesetz zu verabschieden, über das seit Monaten diskutiert wird. Damit will sich Italien an internationale Standards bei der Bekämpfung der Korruption anpassen. Italien müsse die Kluft überbrücken, die im Kampf gegen Korruption gegenüber anderen europäischen Ländern bestehe, sagte Justizministerin Severino, Verfasserin des Antikorruptionsgesetzes. Jährlich sollen in Italien rund 60 Milliarden Euro an Bestechungsgeldern bezahlt werden, schätzen internationale Organisationen. Die Korruption gefährde die Demokratie in Italien und die Konkurrenz im Wirtschaftssystem. Sie belaste die öffentlichen Finanzen und verseuche die gesamte demokratische Struktur. Die Korruption sei für eine akute Verzerrung der Marktregeln verantwortlich, warnen Experten.apa