<b>von Elmar Pichler Rolle</b><BR /><BR /><b> Sie haben sich in der Wahl zum Präsidenten der Union Generela knapp mit 34 zu 28 Stimmen gegen Felix Ploner durchgesetzt, den vormaligen Bürgermeister von Mareo/Ennerberg.</b><BR />Roland Verra: Ja, es war eine enge Wahl. Aber alle haben es sehr geschätzt, dass sich zwei Bewerber gestellt haben und dass es eine echte Wahl war.<BR /><BR /><b>Sie waren bis 2018 Schulamtsleiter, wie kam es jetzt zu dieser Kandidatur?</b><BR />Verra: Schon als Student war ich Mitglied der Union di Ladins de Gherdeina, und ich habe letzthin immer wieder mit der Vereinigung zusammengearbeitet. So habe ich zum Beispiel den Text zu einem Kurzfilm geschrieben oder das Projekt der Dolomitensagen mit betreut. Sofia Stuflesser, die Grödner Präsidentin, hat mir dann die Kandidatur angetragen und ich habe zugesagt.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Was genau ist die Union Generela di Ladins dla Dolomites aus Ihrer Sicht?</b><BR />Verra: Die Union ist eine private Vereinigung, und doch ist sie mehr als das. Sie ist eine Art moralischer Institution. Ihr Schwerpunkt ist sicher die Förderung von Sprache und Kultur, aber sie kümmert sich auch um soziale Themen. Da möchte ich vor allem einen Punkt nennen, nämlich der fehlende Wohnraum zu erschwinglichen Preisen für junge Menschen in den ladinischen Tälern. Derlei Probleme müssen und werden wir thematisieren.<BR /><BR /><b>Welche Aufgaben kommen jetzt zuerst auf Sie zu?</b><BR />Verra: Das sind ganz bestimmt die Olympischen Spiele Mailand Cortina 2026. Wir möchten dieses Ereignis nutzen, um die Gäste aus aller Welt in unserer Heimat willkommen zu heißen, wir möchten sie aber auch auf unsere Volksgruppe aufmerksam machen. Deshalb haben wir eigene ladinische Mini-Wörterbücher vorbereitet mit Übersetzungen in die deutsche, italienische, englische, französische und spanische Sprache. Die Wörterbücher überreichen wir den Olympia-Gästen. Wir werden zudem in Antholz, in Cortina und voraussichtlich auch im Fleimstal Plakataktionen in englischer Sprache starten, um auf die ladinische Sprache und Kultur aufmerksam zu machen.<BR /><BR /><b>Das klingt nach einer Art „Offensive“?</b><BR />Verra: Ja, schon. Wir wollen moderner auftreten. Das gilt für den Social-Media-Bereich und für unsere Website. Wir möchten dadurch vor allem auch mehr junge Menschen erreichen.<BR /><BR /><b>Über welche Struktur verfügt die Union Generela heute?</b><BR />Verra: Wir stützen uns in erster Linie auf ein gutes Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Wochenzeitung „Usc di Ladins“. Diese bilden die Grundlage für viele unserer Aktivitäten.<BR /><BR /><b>Können Sie weitere Schwerpunkte für 2026 verraten?</b><BR />Verra: Im Frühjahr veranstalten wir wieder die Ladinia Tour, eine Veranstaltungsreihe in den ladinischen Tälern, die der modernen Musik gewidmet ist. In Bozen organisieren wir im Frühling unter dem Motto „Cianta con nos“ wieder ein Treffen aller ladinischen Kinderchöre. Das wird bestimmt eine tolle Sache.<BR /><BR /><b>Liedgut, Sprache, Kultur stehen im Mittelpunkt…</b><BR />Verra: Nicht nur, die Union Generela di Ladins versteht sich eben auch als Sprachrohr aller fünf ladinischen Talschaften sowie der ladinischen Vereinigung in der Landeshauptstadt Bozen. 2026 wollen wir den „Tag der ladinischen Einheit“ am 14. Juli in besonderer Weise begehen. Wir feiern dabei die historische Einheit Ladiniens und erinnern daran, dass die Einheit auch heute noch ein sehr wichtiges Thema ist. Wir planen für diesen Tag eine Art offenen Gedankenaustausch, mit dem Ziel, die ladinische Sprache und Kultur im Alltag zu fördern, deren Präsenz zu stärken.<BR /><BR /><b>Was sagen Sie dazu, dass jetzt auch die ladinischen Gemeinden in Belluno – Anpez, Fodom und Col - Vollmitglieder im Rat der Gemeinden der Europaregion Tirol sind?</b><BR />Verra: Das ist ein starkes symbolisches Zeichen, über das sich die Ladinerinnen und Ladiner freuen. Es ist ein wichtiges Signal, weil alle ladinischen Gemeinden erstmals wieder vereint sind, nachdem sie unter dem Faschismus bewusst auf drei Provinzen und zwei Regionen aufgeteilt wurden.<BR /><BR /><b>Besten Dank für das Gespräch und gute Arbeit in Ihrem neuen Amt.</b>