Donnerstag, 12. Juli 2018

Sinti: Integration statt Zählung

„Wir sind Sinti, wir sind Südtiroler und wir sind Italiener – zu 100 Prozent“, rief die Gruppe im Chor, die gestern Vormittag von der Bozner Museumstraße durch die Laubengasse zum Rathausplatz zog. Angeführt wurde sie von Musikanten, die mit Gitarren und Violinen Czárdás-Musik die Aufmerksamkeit der Passanten anzogen. Rund 50 Sinti marschierten mit, dazu Freunde, die sich mit ihnen solidarisieren – speziell jetzt, wo Innenminister Matteo Salvini mit der angekündigten Zählung der Sinti Ängste wachruft – und Erinnerungen an die dunkle Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus.

Die Demonstranten marschierten durch die Lauben zum Rathausplatz. - Foto: DLife
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Die Demonstranten marschierten durch die Lauben zum Rathausplatz. - Foto: DLife

„Die Regierung Salvini & Co. will in die Vergangenheit zurückkehren und es Mussolini gleichtun, der 1938  das Rassengesetz verabschiedete, die Sinti – wie Hitler – erfassen und in Konzentrationslager bringen ließ“, sagte Radames Gabrielli, interkultureller Mediator und Präsident von Nevo Drom. Südtirols Sinit-Vereinigungen Nevo Drom, Sinti nel mondo, U Giaven und Nevo Drom Trient hatten gestern zu einer Kundgebung geladen, bei der sie auf sich und ihre Situation aufmerksam machten und zugleich eine Botschaft an die Regierungen vermittelten: Es braucht keine Zählung, mit der schon damals das Unheil begann. Die Sinti seien Italiener – seit 4 und 5 Generationen, mit gleichen Rechten und Pflichten, mit italienischem Ausweis und mit italienischem Führerschein.

„Und wir sind – wie die anderen Italiener – traurig darüber, dass die italienische Fußballmannschaft nicht bei der WM in Russland ist“, sagte Sinti-Vertreter Antonio Reinhard. Er war aus Rimini nach Bozen gekommen. Zu Kundgebungen werde es auch in anderen Städten Italiens kommen. Auch dort forderten die Sinti Integration statt Zählung – und ein Zusammenleben in Frieden.

D/br

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stol