Freitag, 24. April 2020

„Sommersaison darf nicht ausfallen“

Am Donnerstag haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder auf umfassende Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise verständigt. Diese europäischen Hilfsmaßnahmen standen im Mittelpunkt der virtuellen Medienkonferenz am Freitag mit Landeshauptmann Arno Kompatscher und dem Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann.

Landeshauptmann Kompatscher ist in Gesprächen über den Tourismus mit Deutschland und Österreich.
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Landeshauptmann Kompatscher ist in Gesprächen über den Tourismus mit Deutschland und Österreich. - Foto: © youtube / screenshot
Zu Beginn der Medienkonferenz hat Landeshauptmann Arno Kompatscher zur aktuellen Lage Stellung genommen. „Der Sprung von 420 als geheilt eingestuften Personen erklärt sich durch neue Meldungen aus Italien und Innsbruck, dort wurden zuletzt mehrere Kontrolltests durchgeführt und jetzt sind eben die Ergebnisse gekommen. Inzwischen haben wir 2456 Infizierte, 1100 Patienten gelten als geheilt“, so der Landeshauptmann.

Anschließend ging es nach Brüssel zum EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, der per Videokonferenz zugeschaltet war. „Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag hat das erwartete Ergebnis gebracht. Nachdem die Finanzminister vor 2 Wochen die Voraussetzungen geschaffen haben, haben nun die Staats- und Regierungschefs ein ambitioniertes Paket auf den Weg gebracht“, so Dorfmann. „Es ist ein recht ausgewogenes Paket für kleine und mittlere Unternehmen“. Insgesamt stellt die EU 540 Milliarden Euro bereit, u.a. sind 100 Milliarden Euro zur Finanzierung der Lohnausgleichskasse für Arbeitnehmer vorgesehen. „Die Maßnahmen müssen von allen 27 Parlamenten ratifiziert werden, ab 1. Juni soll das Geld fließen“, so Dorfmann.

Der Wirtschaftsaufschwung nach der Krise soll laut Dorfmann über den Mehrjahreshaushalt 2021-28 finanziert werden. „Dafür braucht es aber die Bereitschaft der Mitgliedsstaaten künftig mehr in den EU-Haushalt einzuzahlen. Da muss man, im Unterschied zu den von Italien geforderten Corona-Bonds, nix neu erfinden. Auch alle Kontrollinstrumente sind schon da.“

Außerdem berichtete Dorfmann über die aktuellen Beratungen in Sachen Tourismus: „Die Staats- und Regierungschefs wollen gemeinsame EU-Regelungen über einen Start im Tourismus treffen, darüber werden nächste Woche die Tourismusminister der EU-Länder beraten. Eine solche EU-Regelung ist vor allem für das Tourismusland Südtirol immens wichtig“. In diesem Zusammenhang forderte Dorfmann auch eine EU-Regelung für Saisonarbeiter. Wann Reisen, auch innerhalb der EU, wieder möglich sein wird, lasse sich derzeit noch nicht sagen. „Ein Ausfall der Sommersaison wäre vor allem für die Mittelmeer-Anrainerstaaten eine Katastrophe. Ohne Sommersaison fällt in diesen Ländern ein ganzes Tourismusjahr aus.“ Damit Reisen möglich wird, müssen aber die Infektionsraten in der EU auf ein vernünftiges Niveau sinken, „dann wird es wohl möglich sein.“

Landeshauptmann Kompatscher fügte hinzu: „Wir sind mit Deutschland und Österreich in Kontakt um eine Regelung für den Tourismus zu finden. Auch in Absprache mit dem Robert-Koch-Institut.“


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zor

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