Dienstag, 19. März 2019

Sozialberufe: „Arbeit am Menschen ist nur wenig wert“

2 Millionen Euro sieht der Haushaltsentwurf der Landesregierung derzeit für die kommenden 3 Jahre für Kollektivvertragsverhandlungen vor, und das für 40.000 Landesangestellte. Ein klarer Beweis, wie wenig die Arbeit am Menschen wert ist, findet der Landesverband für Sozialberufe.

Die Arbeit am Menschen ist der Gesellschaft wenig wert, findet der Landesverband der Sozialberufe.
Badge Local
Die Arbeit am Menschen ist der Gesellschaft wenig wert, findet der Landesverband der Sozialberufe. - Foto: © shutterstock

„Der ‚Bereichsübergreifender Kollektivvertrag für die Führungskräfte‘ (kurz BÜKV) wurde innerhalb kürzester Zeit verhandelt und unterschrieben. Die geschätzten Kosten dieses Vertrages belaufen sich für das Jahr 2019 auf 8 Millionen Euro, ebenso für das Jahr 2020. Diese Zahlen drücken aus, was Arbeit wert ist und welchen Status sie hat“, schreiben die Vorsitzende Kathrin Huebser und Marta von Wohlgemuth von der Geschäftsführung des Landesverbands der Sozialberufe.

„Im Beschluss der Landesregierung wurde die Positionszulage für Führungskräfte im Artikel 5 festgelegt und neben vielen auch nachvollziehbaren Erklärungen ist folgender Satz zu lesen: ‚Die Führungskräfte, welche vom BÜKV betroffen sind, haben eine Wochenarbeitszeit von 38 Stunden, zudem sind die Lebenshaltungskosten laut ISTAT-Daten in der Provinz Bozen im Vergleich zu anderen Regionen und Provinzen ltaliens sehr hoch‘.“

Dieser Satz, so sind sich Huebser und von Wohlgemuth sicher, ist ein Widerspruch in sich: „Die Lebenshaltungskosten in Südtirol betreffen alle Bürger und die 38 Stunden Woche ist Standard. Die Gehälter von Führungskräften starten bei 5000 Euro, und wenn es damit schon Schwierigkeiten gibt, die Lebenshaltungskosten zu stemmen, wie soll es dann mit 1400 oder 1500 Euro zu schaffen sein?“, fragen sich die beiden.

Der Fachkräftemangel in der Betreuung und Pflege werde zwar immer wieder thematisiert und die demographische Entwicklung dafür verantwortlich gemacht, aber über die Rahmenbedingungen bzw. Lohngerechtigkeit werde kaum gesprochen. 

„Kommuniziert werden zwar immer gute Beschäftigungschancen, die Trennung in hochdotierte, männerdominierte Managerfunktionen und frauendominierte Helferfunktionen im Niedriglohnbereich werden aber nicht angesprochen“, klagen Huebser und von Wohlgemuth an.

Die Lohnlücken entstünden unter anderem, weil Frauen in bis zu 85 Prozent der Fälle häufiger in den schlechter bezahlten Sozialberufen oder in Teilzeit arbeiten.

„Der Ausweg aus dem Fachkräftemangel darf nicht auf Dequalifizierung und billigen Pragmatismus umschwenken. Der einzig realistische Weg, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, ist es, in eine gerechte Entlohnung, die Attraktivität und in die Rahmenbedingungen des Berufsbildes zu investieren“, sind beide überzeugt.

In Kürze will der Landesverband der Sozialberufe in Kürze eine Unterschriftenaktion zu den Themen Lohngerechtigkeit, Rahmenbedingungen für ältere Mitarbeiterinnen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und den Kodex für die Sozialberufe mit Fachausbildung starten.

„In der aktuellen Diskussion wird klar, dass die Arbeit am Menschen in dieser Gesellschaft wenig wert ist und das soll und muss sich ändern. Wir sind nicht mehr bereit, die steigende Arbeitsverdichtung und Belastung, die Forderung nach gleichbleibender Dienstleistungsqualität mit gleichbleibendem Personal, den steigenden Kostendruck sowie Eingriffe in die Ausbildung und die mangelnde Lohngerechtigkeit hinzunehmen“, schließen Huebser und von Wohlgemuth.

stol

stol