Freitag, 21. Juni 2019

Spätes Geld für Wanderwege

Südtirol, Land der Berge – doch auf manchen geht nichts mehr.

Bilder der Verwüstung bieten sich im Naturpark Texelgruppe am Meraner Höhenweg (Steig Nr. 24) in der Gemeinde Schnals: Ein Drittel der  vom Land  aus dem Reservefonds bereitgestellten 750.000 Euro sind allein hier für die Instandhaltung nötig.
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Bilder der Verwüstung bieten sich im Naturpark Texelgruppe am Meraner Höhenweg (Steig Nr. 24) in der Gemeinde Schnals: Ein Drittel der vom Land aus dem Reservefonds bereitgestellten 750.000 Euro sind allein hier für die Instandhaltung nötig. - Foto: © D

Unwetter haben 80 Wanderwege in Naturparks stark beschädigt. 30 sind unbegehbar und gesperrt, doch für die Instandsetzung der touristischen Aushängeschilder fehlten im reichen Südtirol 750.000 Euro. Jetzt hat sie die Landesregierung doch noch locker gemacht. Viele Arbeiten starten aber erst Mitte/Ende August.

Im Verhältnis zu ihren Kollegen ist Maria Kuenzer die Landesrätin mit der leeren Tasche. Jonglieren andere mit Milliarden, stehen ihr für Landschaftsschutz und Wegehaltung 6 Millionen Euro zur Verfügung. Obwohl Sturmtief „Vaja“ und schwere Regenfälle im Herbst 80 Wanderwegen in den 7 Naturparks arg zugesetzt haben, fehlte bis vor wenigen Tagen einfach das Geld für deren Instandsetzung.

Froh ist Kuenzer deshalb, dass die Landesregierung am Dienstag doch noch 750.000 Euro aus dem Reservefonds locker machte. „Es braucht einfach mehr Einsätze und mehr Geld“, so Kuenzer. Was sie nicht sagt, ist, dass ihr Bürgermeister und Touristiker aufs Dach gestiegen sind. „Wir haben Druck gemacht, dass die Kohle kommt“, sagt der Kastelruther Bürgermeister Andreas Colli. Der bekannte Prosslinersteig könnte mit 400 Euro instand gesetzt werden. „Ein witzloser Betrag“, so Colli. Auf die Frage, warum die Gemeinde die „witzlose Summe“ nicht spendiere, winkt Colli ab. „Laut Gutachten der Gemeindeaufsicht ist das Land zuständig. Da hätte ich den Rechnungshof im Haus.“

Doch in vielen Fällen geht es nicht um kleine Summen. Auf Völser Seite liegt der Zugang über Ums auf den Tschafon im Argen. Die meisten Mittel, nämlich ein Drittel der bereitgestellten 750.000 Euro, fließt in die Reparatur des Meraner Höhenwegs in der Gemeinde Schnals. Umgestürzte Bäume sind wegzuräumen. „Streckenweise müssen talseitig ganze Böschungen nach Erdrutschen mit Trockenmauern neu aufgebaut werden“, sagt Enrico Brutti, Direktor des Landesamtes für Naturparke.

Und: Weil das Geld erst spät gefunden wurde, können die Arbeiten jetzt nicht sofort starten. „Wir bemühen uns, kleine, dringende Eingriffe voranzutreiben, können derzeit aber nur manuelle Arbeiten vornehmen.“ Wo es Bagger braucht, ist aber auch ein Projekt vorgeschrieben. „Diese werden jetzt in Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung erarbeitet, müssen dann aber noch durch die technische Landeskommission“, erklärt Brutti. Fazit: Dort, wo massive Schäden zu beheben sind (siehe eigene Meldung), würden die Arbeiten wohl erst Mitte oder Ende August starten. Dann aber ist die Saison vielerorts gelaufen. Trotzdem halten sich die Touristiker mit Kritik zurück. Kuenzers „Plan B“, den Tourismusvereinen 10 Prozent der Ortstaxe zur Instandhaltung der Wanderwege abzuzwacken, gefällt ihnen nämlich noch weniger. Frei nach dem Motto: Lieber spätes Geld vom Land als selbst zahlen.

D/bv

stol