Sonntag, 19. April 2020

Spanien verlängert „Hausarrest“ – Kritik an Sánchez wird lauter

Im Corona-Hotspot Spanien bleiben Aktivitäten wie Sport oder Spaziergänge im Freien wegen des Virus nun sogar bis zum 9. Mai tabu. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte eine Verlängerung des Notstands und der sehr strikten Ausgangssperre um weitere 2 Wochen an.

Der Druck auf den spanischen Ministerpräsidenten wird immer größer.
Der Druck auf den spanischen Ministerpräsidenten wird immer größer. - Foto: © APA/afp / MARISCAL
In einer Rede an die Nation äußerte der sozialistische Politiker derweil auch die Absicht, für Kinder bis 12 Jahre die strikten Regeln etwas zu lockern.

Die Kritik an Sánchez wurde prompt lauter. „Spanien ist das letzte Land Europas, das das Ende der Ausgehssperre bekanntgibt“, titelte am Sonntag die Zeitung „El Mundo“. In einem Leitartikel hieß es: „Sánchez hat immer noch keinen Plan.“

Die Verlängerung des sogenannten Alarmzustandes, der dritthöchsten Notstandsstufe des Landes, muss vom Parlament in Madrid gebilligt werden. Es wird dafür jedoch wieder eine Unterstützung von Teilen der Opposition erwartet. Sánchez betonte, man mache langsame und konstante Fortschritte im Kampf gegen das Virus. „Wir sehen am Horizont einen langsamen Marsch in Richtung einer neuen Normalität.“ Aber für generelle Lockerungen sei es noch zu früh.

Nur kleine Hoffnungsschimmer

Die strikte Ausgangssperre trägt von Santander bis Sevilla, von Bilbao bis Barcelona derweil offenbar Früchte. Binnen 24 Stunden seien nur 410 infizierte Menschen gestorben, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntag mit. Das ist niedrigste Zahl seit dem 22. März. Am Vortag hatte es 155 Todesfälle mehr gegeben. Die Gesamtzahl der Toten kletterte auf 20.453.

Die Zahl der Infektionsfälle stieg um gut 4000 auf rund 196.000. Die stetig abnehmende Zuwachsrate der Ansteckungen blieb mit gut 2 Prozent vergleichsweise niedrig. Im März waren Anstiege um über 20 Prozent verzeichnet worden. Die Entwicklung sei vor allem wegen der Tatsache bemerkenswert, dass immer mehr getestet werde, sagte der Chef der Behörde für Gesundheitliche Notfälle, Fernando Simón. Damit werden auch mehr Fälle erkannt. Die Zahl der in Labors durchgeführten PCR-Tests sei von 200.000 pro Woche Ende März auf zuletzt 400.000 geklettert.

„Befreit unsere Kinder!“

Rufe nach eine Lockerung der schon seit gut 5 Wochen geltenden Ausgehsperre waren immer lauter geworden – vor allem mit Blick auf die Kinder. Nur in Italien herrschen ähnlich rigorose Regeln. Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau, selbst Mutter von zwei 9 und 3 Jahre alten Kindern, forderte auf Facebook: „Befreit unsere Kinder!“ Wie andere klagte auch sie, man dürfe mit dem Hund Gassi gehen, aber nicht mit den Kleinen an die frische Luft.

Über die künftigen Maßnahmen und zur Lockerung sei allerdings noch nichts entschieden worden, betonte Sánchez am Wochenende. Gegebenenfalls werde man diese Maßnahmen auf die Entwicklung der Pandemie in den verschiedenen Regionen des Landes anpassen.

Die knapp 47 Millionen Bürger Spaniens dürfen seit dem 15. März nur in wenigen Ausnahmefällen aus dem Haus – in erster Linie, um zur Arbeit zu fahren, den Arzt aufzusuchen oder Einkäufe zu tätigen.

Neidischer Blick in Richtung Portugal

Ein Blick über die Grenze nach Portugal dürfte viele Spanier neidisch stimmen. Ministerpräsident António Costa kündigte dort eine Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nach Ende des Ausnahmezustands am 2. Mai. Die Abschwächung der Regeln wolle er am 30. April bekanntgeben, sagte Costa im Interview der Wochenendzeitung „Expresso“.

Unter anderem werde eine Öffnung des Einzelhandels, von Friseurläden und Kindergärten in Erwägung gezogen. Auch Restaurants und Cafés sowie Kinos und andere Kultureinrichtungen könnten noch vor dem Sommer wieder öffnen. In Portugal ist die Lage mit rund 20.000 Infektionsfällen und rund 700 Toten deutlich besser als beim Nachbarn.

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dpa

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