Doch es kam anders. Regierungschef Zapatero musste verhindern, dass sein Land selbst in den Krisenstrudel geriet. Eine Chronik der verpassten Chancen:Spaniens EU-Ratspräsidentschaft begann bereits mit einer Panne. Statt Ministerpräsident José Luis Rodróguez Zapatero begrüßte im Januar zunächst der tollpatschige Mr. Bean die Besucher der offiziellen Internetseite - einem Hacker war die Lachnummer zu verdanken. Zahlreiche politische Rückschläge Weitaus schwerer wogen hingegen die politischen Rückschläge, die Spanien während des sechsmonatigen EU- Vorsitzes hinnehmen musste. Eines der erklärten Ziele Madrids lautete, der EU in dieser Zeit den entscheidenden Impuls zu geben, die Wirtschaftskrise hinter sich zu lassen. Stattdessen war die sozialistische Regierung damit beschäftigt, milliardenschwere Sparprogramme aufzulegen, damit das hoch verschuldete Land nicht selbst in den Sog der Griechenland- Misere geriet. Die wichtigen Entscheidungen im Kampf gegen die Krise des Euro fielen ohnehin in Brüssel. Viel eigenen Spielraum hatte Madrid nicht. Der spanische EU- Vorsitz war der erste nach den Regeln des neuen Lissabon- Reformvertrages und läutete damit eine neue Ära ein: Die Führungsrolle hat der nun der ständige Ratspräsident Herman Van Rompuy. Spanien vertrat die 27 Mitgliedsländer auch nicht in außenpolitischen Fragen, weil diese Funktion der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton zufiel.Spanien erstes "Opfer" des neuen EU-VertragesIn Brüssel sieht man Spanien mit etwas Mitleid als erstes „Opfer“ des neuen EU-Vertrags. „Die turnusmäßige Präsidentschaft spielt unter dem Strich nur noch eine untergeordnete Rolle“, bilanziert ein hoher EU-Verantwortlicher, der ungenannt bleiben will. „Bedeutend ist sie nur noch in zwei Bereichen: Zunächst bei wichtigen Ministertreffen wie beispielsweise bei den EU-Finanzministern. Zweitens gibt es noch die Darstellung nach außen, was auch wichtig für die Bevölkerung ist. Dieser Aspekt dürfte gerade für die mitteleuropäischen Länder Ungarn und Polen wichtig sein, die nächstes Jahr den EU-Vorsitz führen.“Spaniens Zapatero konnte auch mit bilateralen Treffen kaum glänzen: Ein geplantes Gipfeltreffen der EU und der USA musste gestrichen werden, da US-Präsident Barack Obama seine Teilnahme absagte. Auch der für den 7. Juni vorgesehene Gipfel der „Mittelmeerunion“ in Barcelona kam nicht zustande. Islamische Staaten hatten mit einem Boykott gedroht, weil sie mit Israel nicht an einem Tisch sitzen wollten. Einziges Highlight: EU-Lateinamerika-Gipfel Als einziges Highlight blieb somit der EU-Lateinamerika-Gipfel, dem allerdings einige wichtige Staats- und Regierungschefs fernblieben. Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm wegen der Gespräche über das Euro-Hilfspaket nur an dem Abendessen im Königspalast teil und reiste danach wieder nach Berlin zurück. Das wichtigste Ergebnis des Treffens waren Handelsübereinkommen zwischen der EU und Lateinamerika. „Der Gipfel und die dort erzielten Resultate werden den insgesamt belanglosen Ratsvorsitz nicht mehr retten“, urteilte die Zeitung „El Periódico de Catalunya“. Ihre wichtigste außenpolitische Initiative hatte die spanische Regierung ohnehin schon vorher begraben müssen: Madrid wollte die EU zu einer flexibleren Haltung gegenüber Kuba bewegen, stieß damit aber auf heftigen Widerstand anderer Staaten der Union. Belgien übernimmt EU-Ratsvorsitz Am 1. Juli wird Belgien den EU-Ratsvorsitz von Spanien übernehmen. Es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass bis dahin eine neue Regierung in Brüssel installiert ist. Sieger der Parlamentswahlen vom 13. Juni war der flämische Nationalist Bart De Wever, der derzeit Chancen einer Regierungsbildung auslotet. Ob er Regierungschef werden wird, ist aber nicht ausgemacht. Europa wird also zunächst mit dem amtierenden Premier Yves Leterme vorlieb nehmen müssen. Große Sorgen macht das in Brüssel nicht - weil die turnusmäßige Präsidentschaft bei den richtig wichtigen Themen und Problemen ihre Schlüsselrolle ohnehin verloren hat. apa