Unlängst sind an den Finanzmärkten sogar Euro-Länder unter Druck geraten, die bislang als solide galten und von den Ratingagenturen Top-Bewertungen erhalten.Diese Ausweitung etwa auf Frankreich, Belgien und Österreich setzt die Politik abermals unter Zugzwang. Verstärkt diskutiert werden gemeinsame Anleihen der Euro-Länder, sogenannte Euro-Bonds.Warum ist die Lage so prekär?Staaten decken ihren immensen Finanzbedarf auch über Schulden, die sie über die Ausgabe von Staatsanleihen aufnehmen. Viele Jahre mussten selbst als weniger solide geltende Euro-Länder den Investoren geringe Zinsen bieten.Mit der Schuldenkrise hat die Kreditwürdigkeit zahlreicher Euro-Staaten aber gelitten, weswegen die Anleger immer höhere Zinsen für ihre Kredite verlangten. Spitze des Eisbergs ist Griechenland: Viele Jahre musste Athen den Investoren für zehnjährige Schulden Zinsen von teils unter fünf Prozent bieten. Seitdem die Schuldenlage Athens aber aus dem Ruder gelaufen ist, hat sich das Zinsniveau mit derzeit 28 Prozent fast versechsfacht.Warum steigen die Renditen mittlerweile auch in „Kerneuropa“?Bis zu diesem Sommer war die Schuldenkrise auf kleine Euro-Länder wie Griechenland, Irland und Portugal begrenzt. Mit der Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung Athens ist die Krise aber auf Italien und Spanien übergeschwappt.Mittlerweile müssen die dritt- und viertgrößte Euro-Wirtschaft den Anlegern ähnlich hohe Zinsen bieten, wie die kleineren Euro-Länder kurz vor ihrer Rettung.Diese Vertrauenskrise hat zuletzt auch große Länder „im Herzen Europas“ erfasst. Allerdings liegen die Renditen in Frankreich, den Niederlanden, und Österreich immer noch deutlich unter dem Niveau in Italien und Spanien.Warum sind steigende Anleihen-Renditen problematisch?Im Grunde ist der Zusammenhang einfach: Höhere Renditen erhöhen die Zinsbelastung der Länder, was deren ohnehin angespannte Haushalts- und Schuldenlage zusätzlich verschlechtert.Allerdings geschieht dies nicht schlagartig, denn viele Länder refinanzieren sich über die Ausgabe teils sehr lang laufender Staatsanleihen.Laufen diese Anleihen aus, müssen die Staaten neue Anleihen ausgeben – nun jedoch zu einem spürbar höheren Zins. So verschlechtert sich mit jeder neuen Refinanzierung die Kassenlage der Länder.Wie kann das Problem gelöst werden?Hierfür gibt es mehrere Ansätze, die aber letztlich alle ein Ziel verfolgen: Die Renditen und damit die Refinanzierungskosten der Länder sollen gesenkt werden, damit sich deren Schuldenlage nicht noch weiter verschlechtert. Wichtige Voraussetzung: Das Vertrauen der Investoren in die Länder muss erhöht werden.Drei Instrumente stehen derzeit zur Diskussion: der Euro-Rettungsschirm EFSF, die gemeinsame Ausgabe von Staatsanleihen (Euro-Bonds) und Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB).Da aber der Rettungsfonds EFSF bei einer Ausweitung der Krise auf Kerneuropa faktisch zu klein und damit machtlos wäre, konzentriert sich die Diskussion aktuell auf die Einführung von Euro-Bonds und – als „letzte Feuerwehr“ – die EZB.Was sind Euro-Bonds?Euro-Bonds sind im Grunde Staatsanleihen, die gemeinsam von mehreren Euro-Ländern ausgegeben werden. Im Detail ist es aber nicht ganz so einfach, da die Anleihen sehr unterschiedlich ausgestaltet sein können. Die EU-Kommission will am Mittwoch konkrete Vorschläge vorstellen.Ziel bleibt aber, die Zinsbelastung der Euro-Länder zu senken. Im Grunde funktioniert das so: Bonitätsstarke Länder wie Deutschland stellen einen Teil ihrer Kreditwürdigkeit anderen Ländern „zur Verfügung“.Damit würde die Zinsbelastung für schwächere Länder sinken, die Belastung für Deutschland hingegen etwas steigen. Zur Illustration: Derzeit liegt die Zehnjahres-Rendite in Deutschland bei 1,9 Prozent und damit so niedrig wie selten zuvor. In Italien und Spanien liegt sie bei rund 6,5 Prozent.Die Rendite von Euro-Bonds würde sich vermutlich irgendwo zwischen diesen beiden Zinssätzen einpendeln.Wie könnte die EZB helfen?Die Europäische Zentralbank gilt unter Experten als „letzter Schutzwall“, sollte die Schuldenkrise vollends eskalieren. Grund: Die Notenbank verfügt in Form der Notenpresse über unbegrenzte Mittel und könnte so massiv am europäischen Anleihemarkt intervenieren.Bereits jetzt kauft die EZB Staatstitel angeschlagener Länder wie Italien und Spanien an, allerdings nicht systematisch und in begrenztem Umfang. Nicht wenige Ökonomen fordern indes, die EZB solle ihre Interventionen spürbar ausweiten.Die Notenbank sperrt sich aber bislang gegen solche Vorschläge, da sie das Verbot der Staatsfinanzierung über die Notenpresse verletzt sieht. Insbesondere die Deutsche Bundesbank spricht sich klar gegen einen solchen Kurs aus.dpa-AFX