Mehrere Männer, die Berlusconi nahestehen, stehen unter Verdacht, der Geheimloge mit dem Namen „P3“ anzugehören. In diesem Zusammenhang war im Juli der Wirtschaftsstaatssekretär Nicola Cosentino zurückgetreten.In ihren von den Staatsanwälten abgehörten Telefonaten erwähnen die Mitglieder des Zirkels laut den Veröffentlichungen immer wieder einen „Cesare“. Ein im Soge des Skandals verhafteter Unternehmer, Arcangelo Martino, bestätigte, dass „Cesare“ tatsächlich Berlusconi sei, der angeblich mit dem Kartell enge Kontakte hatte. Daher wollen die Staatsanwälte den Premierminister vernehmen, um festzustellen, ob er im Politik-Kartell eine Rolle spielte, berichtete die römische Tageszeitung „La Repubblica“ am Sonntag. Berlusconis Rechtsanwalt, Nicolo Ghedini, hatte kürzlich betont, dass die Verbindung zwischen seinem Mandanten und „Cesare“ lächerlich sei. Berlusconi habe nichts mit dem Polit-Kartell zu tun.Der Skandal um die Geheimloge sorgt seit Wochen für Aufruhr in Italien. Ein Kreis von Politikern, Unternehmern mit Mafia-Verbindungen und hohen Richtern soll laut dem Verdacht der Staatsanwälte versucht haben, Einfluss zu nehmen auf Regionalwahlen, Richterbesetzungen und sogar das Verfassungsgericht. Die Staatsanwaltschaft in Rom ermittelt wegen „Bildung einer geheimen Vereinigung mit dem Ziel, Verfassungsorgane zu beeinflussen“.Unter denen, die jetzt direkt oder als Helfer zu der Geheimloge gehören sollen, zählen außer Ex-Staatssekretär Cosentino der nationale Koordinator der Berlusconi Partei PDL, Denis Verdini, und der wegen Mafia-Beihilfe zweimal verurteilte PDL-Senator Marcello Dell’Utri. Justizstaatssekretär Giacomo Caliendo soll ebenso mit der Loge kooperiert haben. Das Parlament hatte einen Misstrauensantrag der Opposition abgelehnt, mit dem sie Caliendo zum Rücktritt zwingen wollte.apa