Im Zusammenhang mit der Affäre um ein Übernahmeangebot des Versicherers Unipol für den Konkurrenten BNL Vita im Jahr 2005 soll es zu schweren Unregelmäßigkeiten gekommen sein, berichteten italienische Medien am DonnerstagPaolo Berlusconi wird beschuldigt, in seiner in Mailand erscheinenden Tageszeitung „Il Giornale“ ein mitgeschnittenes Telefongespräch zwischen dem damaligen Unipol-Chef Giovanni Consorte und dem Vorsitzenden der Linkspartei DS (Demokratische Linke) Piero Fassino veröffentlicht zu haben, in dem dieser seine Unterstützung für die Übernahme der BNL durch Unipol signalisierte. Der Bruder des Regierungschefs soll das abgehörte Gespräch, zu dem eigentlich ausschließlich die Ermittler Zugang hatten, auf intransparente Wege erhalten und zugunsten seines Bruders Silvio veröffentlicht haben, um die oppositionelle DS-Partei in Schwierigkeiten zu bringen. Gegen weitere drei Personen wird in diesem Zusammenhang ebenfalls ermittelt. Ein Mailänder Untersuchungsrichter wird demnächst entscheiden, ob ein Prozess gegen Paolo Berlusconi beginnen soll.Die Staatsanwälte berichteten, dass Ermittlungen gegen Silvio Berlusconi im Fall eingestellt worden seien, weil keine Beweise gegen ihn gefunden wurde. Bisher war noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen, dass auch der Premierminister in den Sog der Unipol-Ermittlungen geraten war. Gegen den Ministerpräsidenten laufen zurzeit bereits zwei Korruptionsprozesse in Mailand, die jedoch wegen eines Immunitätsgesetzes vorübergehen eingefroren wurden.apa