Donnerstag, 22. Juli 2021

Stadtrat genehmigt den neuen nachhaltigen Mobilitätsplan

Am gestrigen Mittwoch hat der Bozner Stadtrat den neuen nachhaltigen Mobilitätsplan für die Stadt Bozen genehmigt. Der Stadtrat für Mobilität, Stefano Fattor stellte den Mitgliedern des Stadtrates die Neuerungen vor.

Der Bozner Stadtrat hat den neuen nachhaltigen Mobilitätsplan für die Stadt Bozen genehmigt.
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Der Bozner Stadtrat hat den neuen nachhaltigen Mobilitätsplan für die Stadt Bozen genehmigt. - Foto: © STA / Riller
In einer Aussendung erklärt Fattor, warum ist es notwendig sei, den Mobilitätsplan nach nur 2 Jahren in einigen Punkten radikal abzuändern: „Weil sich in einer Welt, die sich mit Lichtgeschwindigkeit weiterentwickelt, auch für Bozen die Rahmenbedingungen rasant verändern.“ Daher gelte es, folgende neue Faktoren zu berücksichtigen:

1) Die Volksabstimmung über die Straßenbahn habe ein eindeutiges Ergebnis gebracht, das eine verantwortungsvolle Verwaltung nur zur Kenntnis nehmen kann. Anstelle der Straßenbahn werden künftig Metrobusse mit Elektromotor zum Einsatz kommen.

2) In den kommenden 10 Jahren (dieser Zeitraum entspricht der Gültigkeit eines nachhaltigen Mobilitätsplans) wird mit den Arbeiten zur Umgestaltung des Bahnhofsareals begonnen und wahrscheinlich befindet sich das Projekt bereits in der Baustellenphase mit 300 bis 400 Lkw-Fahrten pro Tag.

3) Es werde bereits von sehr vielen Stellen als Tatsache anerkannt, dass die Nutzung des die Stadt Bozen durchquerenden Autobahnabschnitts der A22 als Nord-Süd-Variante weit jenseits jeglichen Planszenarios liegt, selbst in einer sehr langfristigen Perspektive. Vor diesem Hintergrund erscheine es daher als die beste Lösung für die städtische Mobilität, einen einröhrigen Tunnel unter dem Virgl zu verwirklichen, durch den der Verkehr auf der SS12 einspurig geführt wird, mit einer Anbindung an den Tunnel in Richtung Leifers. Der Schwerverkehr solle auf jeden Fall auf die Brennerautobahn umgeleitet werden.

4) Die Einrichtung eines Warenlogistikpunktes für den Warenverkehr auf der Schiene sei für die Stadt Bozen von grundlegender Bedeutung, denn der neue geplante Bahnhof solle dem Personenschienenverkehr vorbehalten werden. Personen- und Warenverkehr am gleichen Schienenknotenpunkt abzuwickeln würde zu nicht tragbaren Verspätungen im gesamten Schienenverkehr führen.

5) Anhand von Vereinbarungen mit Dritten sollen die vorhandenen, aber nicht immer optimal genutzten Parkflächen in Tiefgaragen effizienter - und in der Folge auch nachhaltiger -genutzt werden. Dadurch würden neue Flächen an der Oberfläche frei, die für das Fahrrad oder die Fußgänger genutzt werden könnten.

6) In den nachhaltigen Mobilitätsplan wurden neue Fahrradwege eingetragen, an denen beispielsweise auch Rastplätze oder dergleichen verwirklicht werden, wie auch der Radweg vom Weingartenweg zu den Grieser Auen zwischen Gries und dem Krankenhaus Bozen.

Faktoren ändern nachhaltigen Mobilitätsplan

Alle diese Faktoren ändern den nachhaltigen Mobilitätsplan in wichtigen Punkten, aber ohne die grundlegenden Aspekte zu verändern. Mit dem nachhaltigen Mobilitätsplan soll Bozen die Mobilitätsplanung erhalten, die ihrer Rolle als Landeshauptstadt gerecht wird.„Bozen wird heute immer noch auf sein Gebiet reduziert und nur im Verhältnis zur Bevölkerung, zu den Pendlerzahlen und den ansässigen Unternehmen gesehen.“, heißt es in der Aussendung.

Ab der Veröffentlichung des Beschlusses des Stadtrates laufe eine Frist von 60 Tagen für die Vorlage von Bemerkungen und Anregungen. Es ist auch geplant, den neuen nachhaltigen Mobilitätsplan in den einzelnen Stadtvierteln vorzustellen.

Simulationen zeigen Ergebnisse

Hinsichtlich der systemischen Auswirkungen sei laut den Simulationen für das Projekt im nachhaltigen Mobilitätsplan eine Zunahme des Verkehrs um 31 Prozent in den Stoßzeiten (am Morgen/Vormittag) zu rechnen. Das bedeute einen Anstieg von 48.250 auf 63.500 Fahrzeuge pro Stunde. Für die Simulation laut den Vorgaben im nachhaltigen Mobilitätsplan wurde von einer Gesamtzahl von ca. 10.120 Fahrzeuge/Stunde ausgegangen, das bedeute einen Rückgang von 44 Prozent in Bezug auf die Vergleichsparameter und ein Rückgang von 30 Prozent im Vergleich zu den aktuellen Zahlen.

Was hingegen die Luftqualität angehen würde, so zeigen die Simulationen, dass die Emissionen im Stadtgebiet um mehr als 32 Prozent im Vergleich zu den künftigen Tendenzen zurückgehen werden, beziehungsweise um 25 Prozent im Bezug auf die aktuellen Daten. Dabei bleibt jedoch unberücksichtigt, dass alte Fahrzeuge durch neue ersetzt werden.

Im Vergleich zur Zielvorgabe von minus 10 Prozent an NO2-Emissionen und unter Berücksichtigung des Umstieges auf immer mehr Elektromotoren könne die Hypothese aufgestellt werden, dass 2030 12 Prozent der Fahrzeuge Elektrofahrzeuge sein werden, mit 0 Emissionen an NO2. Angesichts dieser Daten scheine das Ziel somit erreicht. Dank der im nachhaltigen Mobilitätsplan enthaltenen Maßnahmen können auf dem Gemeindegebiet von Bozen Reduzierungen von minus 24 Prozent im Bezugszeitraum und von minus14 Prozent mit Bezug auf die aktuellen Daten erreicht werden und diese Daten seien deutlich besser als die angestrebten minus10 Prozent, so heißt es in der Aussendung.

Noch ein 2. Beschluss wurde gefasst

Die klimaschädigenden Emissionen gehen mit der Umsetzung des nachhaltigen Mobilitätsplans um 19 Prozent im Vergleich zu den aktuellen Daten zurück und um 29 Prozent mit Blick auf die tendenzielle Entwicklung.
Angesichts dieser Daten sei es offensichtlich, dass die Ziele des nationalen Strategieplans für Energie SEN erreicht würden ( minus16 Prozent).

Nach der Genehmigung des Beschlusses über die Abänderung des nachhaltigen Mobilitätsplans hat der Stadtrat heute noch einen 2. wichtigen Beschluss gefasst und zwar wurde Frau Ingenieurin Brunella Franchini zur Mobility Managerin der Stadt Bozen ernannt. Frau Ingenieurin Franchini arbeitet bereits seit einigen Jahren im Amt für Mobilität, und der Stadtrat wünschte der neu ernannten Mobility Managerin eine gute Arbeit.

stol