Aber auch sonst läuft das System alles andere als rund. „Nicht ausgereift“ ist der einhellige Tenor aus Südtirols Gemeindestuben.<BR /><BR />Eines vorneweg: Grundsätzlich gibt es keine Kritik an der Einrichtung der neuen Datenbank. „Das geht sicherlich in die richtige Richtung, denn die Mobilität der Bürger – eben auch über Provinz- und Regionengrenzen hinweg – wird immer größer. <BR /><BR />Da ist grundsätzlich eine solche einheitliche, staatsweite Datenbank von Vorteil“, erklärt Dominik Oberstaller, Chef des Südtiroler Gemeindenverbandes. Doch damit hört das Lob auch schon auf. Denn die Software, mit der die Standesämter sich nun seit vier Monaten abmühen, hat jede Menge Kinderkrankheiten mitgebracht. <BR /><BR />Mit den meisten kämpfen die Verwaltungen überall im Stiefelstaat. Doch für Südtirols Gemeinden hatte die Software eine besondere „Überraschung“ parat: „Das System kannte keine Umlaute und kein ‚ß‘“, erklärt Oberstaller. Da nicht die Gemeinden selber, sondern Rom Auftraggeber der Software-Programmierer ist, ist der Weg zu jeder notwendigen Anpassung entsprechend lang und umständlich.<BR /><BR /> Dennoch ist zumindest das Buchstabenproblem mittlerweile gelöst, berichtet Oberstaller. Die fehlenden Übersetzungen in deutscher und italienischer Sprache hingegen nicht. <h3> Langfristig kann's zum Problem werden</h3>„Das ist wirklich ein gewichtiges Thema. Dadurch übersetzt jeder Standesbeamte gewisse Abschnitte ein wenig anders. Das führt schnell zu einem uneinheitlichen Ablauf in ganz Südtirol, was langfristig wirklich problematisch werden kann“, befürchtet etwa Robert Tschöll, Bürgermeister von St. Leonhard. <BR /><BR />Statt einfacher seien „manche Arbeitsschritte im Vergleich zu vorher zudem viel aufwendiger geworden und alles andere als selbsterklärend“, weiß auch Martin Ausserdorfer, Bürgermeister von St. Lorenzen. Tschöll gibt ein Beispiel: „Beim Trauakt war man bisher gewohnt, die Vorbereitung in etwa einer halben Stunde zu erledigen. Jetzt kann es passieren, dass man damit bis zu drei Stunden beschäftigt ist. Das ist ein deutlicher Mehraufwand, den so niemand eingeplant hat.“<BR /><BR />Überhaupt funktioniere das System an sich noch nicht einwandfrei, weswegen „man sich nach wie vor vergewissern muss, dass wichtige Änderungen bei den zuständigen Gemeinden angekommen sind und keine wichtigen Daten untergehen“, kritisiert Ausserdorfer. <BR /><BR />Und dann ist da noch die Sache mit dem Handy: „Um überhaupt einen Standesamtsakt erstellen zu können, muss man ein Handy verwenden. Sollte man es mal nicht dabeihaben, kann man kaum etwas machen. Doch unsere Mitarbeiter im Rathaus haben gar kein Diensthandy“, so der St. Lorenzner Bürgermeister. Der „Handyzwang“ für jeden, der solche Dokumente offiziell beglaubigt (Unterschrift über das Handy), ärgert auch Tschöll: „Allein daran sieht man schon, wie viel zusätzlicher Aufwand hier entsteht.“ <BR /><BR />Hilfestellung kommt vom Gemeindeverband, der bei Fragen hilft und letzthin sogar Online-Kurse organisiert hat. „Zudem sind unsere IT-Experten im steten Austausch mit den staatlichen Stellen, um die Software auf unsere Bedürfnisse anzupassen“, erklärt Oberstaller.<BR /><BR />Ausserdorfer ist trotzdem sauer: „Wir sollten inzwischen alle gelernt haben, dass man vor der Einführung neuer Software diese erst ordentlich testen und auf Kinderkrankheiten prüfen muss. Den Mitarbeitern wurde hier allen sehr viel Energie abverlangt für ein Produkt, das nicht ausgereift ist.“