Dienstag, 04. Februar 2020

Startschuss ins US-Wahljahr 2020: Iowa wählt

Im Bundesstaat Iowa hat die erste Präsidentschaftsvorwahl der oppositionellen Demokraten begonnen. Die Parteimitglieder konnten am Montagabend (Ortszeit) - auf den Tag genau neun Monate vor der Präsidentschaftswahl - in rund 1.700 Versammlungsorten für ihren Kandidaten stimmen.

Umfragen sahen den linksgerichteten Senator Bernie Sanders vorn,
Umfragen sahen den linksgerichteten Senator Bernie Sanders vorn, - Foto: © APA/getty / CHIP SOMODEVILLA

Umfragen sahen den linksgerichteten Senator Bernie Sanders vorn, gefolgt vom früheren Vizepräsidenten Joe Biden, dem erst 38-jährigen Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg und der Senatorin Elizabeth Warren. Mit größerem Abstand folgten die Senatorin Amy Klobuchar, der Unternehmer Andrew Yang und der Milliardär Tom Steyer. Allerdings waren bis zuletzt viele demokratische Wähler unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben sollten. Das ließ auch die Umfragen unsicher erscheinen. Ein Meinungsforscher sah etwa Buttigieg knapp vorn.

Bei den Republikanern hat indes erwartungsgemäß mit überwältigender Mehrheit US-Präsident Donald Trump gewonnen. Das meldeten mehrere US-Medien übereinstimmend. Die „New York Times“ berichtete nach Auszählung von mehr als zwei Dritteln der Wahlbezirke, Trump sei auf mehr als 96 Prozent der Stimmen gekommen. Seine beiden Konkurrenten in Iowa - der frühere Gouverneur von Massachusetts, Bill Weld, und der konservative Radio-Moderator und frühere Kongressabgeordnete, Joe Walsh - blieben unter zwei Prozent. In vielen Bundesstaaten haben die dortigen Republikaner die Vorwahlen gestrichen, weil Trump keinen ernsthaften Herausforderer hat.

Die demokratischen Bewerber hingegen waren auch noch am Montag in Iowa im Wahlkampf- und erklärten sich jeweils zum besten Herausforderer Trumps. Der 77-jährige Biden, der in landesweiten Umfragen vorne liegt, sagte im Sender NBC, er habe die größte Erfahrung von allen Bewerbern und die breiteste Unterstützung in unterschiedlichen Wählergruppen.

Buttigieg, wie Biden ein Vertreter der politischen Mitte, betonte dagegen im Sender CNN, er stehe für einen neuen Aufbruch: „Um zu gewinnen, müssen wir vor allem ein neues Kapitel aufschlagen.“ Das dürfte auch gegen den 78-jährigen Sanders gerichtet gewesen sein, einen selbsternannten demokratischen Sozialisten, der für US-Verhältnisse weit links stehende Positionen vertritt und damit viele junge Wähler begeistert.

Beim sogenannten Caucus in Iowa geben die Wähler keine Stimmzettel ab. Sie kommen vielmehr in Schulen, Gemeindesälen oder Sporthallen zusammen und stellen sich in eine Ecke, die mit dem Namen ihres Kandidaten markiert ist. Abgestimmt wird in zwei Runden, die Versammlungen laufen häufig chaotisch ab. Wahlergebnisse wurden im Verlauf der Nacht erwartet.

Die Wähler in Iowa entscheiden nur über 41 der 3979 Delegierten, die letztlich den demokratischen Präsidentschaftskandidaten wählen werden. Weil die Vorwahlen aber traditionell in Iowa beginnen, kommt dem ländlichen Bundesstaat im Mittleren Westen mit nur knapp 3,2 Millionen Einwohnern ein großes Gewicht zu: Ein guter Start in Iowa kann die Aussichten eines Bewerbers auf die Präsidentschaftskandidatur befeuern - ein schlechtes Abschneiden ist nur schwer wieder wettzumachen.

Allerdings lässt ein prominenter Präsidentschaftsbewerber die ersten Vorwahlen ganz aus: Der frühere New Yorker Bürgermeister und Medienmilliardär Michael Bloomberg setzt voll auf den sogenannten Super-Dienstag Anfang März, bei dem in rund 15 Bundesstaaten gewählt wird. Am Montag hielt sich Bloomberg, der in landesweiten Umfragen inzwischen auf Platz vier vorgerückt ist, weit entfernt von Iowa in Kalifornien auf.

Kurz nach Iowa steht am 11. Februar die nächste Vorwahl in New Hampshire an. Am 3. März folgt die nächste große Wegmarke: der „Super Tuesday“ mit Abstimmungen in mehr als einem Dutzend US-Bundesstaaten. Die Vorwahlen ziehen sich insgesamt bis Juni hin. Im Sommer küren Demokraten und Republikaner dann auf großen Parteitagen ihren jeweiligen Präsidentschaftskandidaten. Die Kontrahenten haben dann noch mehrere Monate Zeit für den heißen Wahlkampf. Am 3. November steht schließlich die Präsidentschaftswahl an.

dpa