Innenminister und Nummer zwei der Regierung, Roberto Maroni hatte ihn gesagt, den Satz, den der Ministerpräsident noch immer nicht wahrhaben will: „Es ist vorbei. Die Mehrheit ist verspielt.“ Es sei Zeit der Wahrheit ins Auge zu blicken, sich nicht dagegen aufzulehnen.Über 20 PdL-Abgeordnete haben mittlerweile Berlusconi den Rücken gekehrt, ihm das Vertrauen aufgekündigt. Die Mehrheit in der Abgeordnetenkammer ist dahin.Eine bittere Pille, die der Regierungschef nicht schlucken will: Er glaubt immer noch, die Vertrauensabstimmung am Dienstag gewinnen zu können und bekräftigte am Sonntagabend erneut, dass er die Mehrheit hinter sich habe.Mit den Abtrünnigen – beim G-20-Gipfel in Cannes nannte er sie noch Verräter - wolle er persönlich Gespräche führen und sie von der Regierungsarbeit überzeugen, meinte er, um dann zu gewinnen.Chefredakteur von "Il Foglio": „Berlusconi tritt zurück“ Doch die Medienspekulationen verdichten sich: Berlusconis Stunden der Macht sind angezählt. Das sagen nicht Oppositionspolitiker, das sagen mittlerweile enge Vertraute von Berlusconi, Weggefährten des Regierungschefs.Für sie geht es nicht mehr um die Frage, ob er zurücktreten wird, sondern wann: „Noch heute Abend, oder am Dienstagmorgen“, mutmaßte Vize-Chefredakteur des „Libero“, Franco Bechis über Twitter.Für den Chefredakteur des Berlusconi-Blattes „Il Foglio“, Giuliano Ferrara, ist der Rücktritt bereits Tatsache. „Berlusconi tritt zurück“, titelte er bereits um 12 Uhr online. Es könne sich nur mehr um Stunden handeln, einige sprächen von Minuten, so Ferrara.Er werde sich den beiden Kammern präsentieren, die Vertrauensfrage zum Stabilitätsgesetz stellen und eine Minute später seinen Rücktritt erklären, um Neuwahlen im Jänner den Weg zu ebnen.Fabrizio Cicchitto, Fraktionschef des PdL, bestritt indes, dass sich die Mehrheit im Parlament aufgelöst habe. „Wir erleben eine schwierige politische Phase, in unserer Partei herrscht jedoch nicht Verzweiflung, wie einige Medien berichten“, kommentierte Cicchitto.Außerdem dementierte er einen Rücktritt Berlusconis. Er habe mit ihm telefoniert, der Regierungschef habe dabei seinen Rücktritt kategorisch abgelehnt.Berlusconi schweigt in Mailand: Rücktrittgerüchten erteilt er Absage Und Berlusconi? Er schweigt, zumindest offiziell. Am Montagmorgen brach er von Rom nach Arcore bei Mailand auf, um dort „Privates“ zu erledigen. Dort traf er seine Kinder und den Präsidenten der TV-Gruppe Mediaset, Fedele Confalonieri.Mit ihnen beriet er über die nächsten politischen Schritte. "Berlusconi gönnt sich eine Atempause nach der letzten Zerreißprobe", analysierten politische Beobachter.Kurz vor seinem Abflug ließ er jedoch ausrichten, dass er nicht zurücktreten werde, um Staatssekretär Gianni Letta ans Ruder zu lassen.Er wolle weitermachen. Wie genau, mit wem und bis wann – das ließ er offen.Gerüchte über Regierungswechsel beflügeln AktienkurseDie Gerüchte über den Regierungswechsel beflügelten die Aktienkurse an der Mailänder Börse. Die „Borsa Italiana“ legte zu Mittag um fast drei Prozent zu. Allerdings wächst der Druck auf Italien vonseiten der Finanzmärkte.Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen kletterte am Montag auf einen Rekordwert von 6,638 Prozent, was als Zeichen des großen Misstrauens der Investoren bewertet wird.joi