Dienstag, 23. November 2021

„Mussten jetzt handeln, bevor die Situation entgleist“

Nach der Sitzung der Landesregierung berichteten Landeshauptmann Arno Kompatscher und Gesundheitslandesrat Thomas Widmann über die Pandemielage, über die gestern gesetzten Maßnahmen und die geplanten Entscheidungen in Rom.

Landesrat Thomas Widmann.
Badge Local
Landesrat Thomas Widmann. - Foto: © Land Südtirol
„Überall in Europa steigt die Infektionslage intensiv und gibt Anlass zur Sorge“, sagte Widmann. Auch in Südtirol.

Nur dank der Verlagerung von derzeit 59 Patienten in Privatkliniken halte sich die Situation in den Krankenhäusern stabil. Mit einer 7-Tages-Inzidenz von 439 habe Südtirol weiterhin die höchsten Werte in Italien und bewege sich ungefähr auf dem Niveau, das Deutschland, die Schweiz und Österreich am 4. November hatten. Bekanntlich rolle diese 4. Corona-Welle von Norden nach Süden, weshalb ein Blick nach Norden lohne.

Lockdown als letztes Mittel

Nun, knapp 3 Wochen später, habe Österreich eine Inzidenz von um die 1000, die Situation dort habe sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschlechtert. Seit gestern herrscht dort ein strenger Lockdown. Man habe zu spät reagiert, so auch die Stimmen aus Österreich. Weil ein genereller Lockdown bekanntlich mit starken Freiheitseinschränkungen und finanziellen Einbußen einhergeht, sei dieser der letzte Schritt, eine Notbremse sozusagen, die zum Einsatz komme, um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden.

Bei steigendem Trend sei es deshalb unverzichtbar, frühzeitig einzugreifen, um eine Situation, wie sie in Österreich herrscht, zu vermeiden. Und genau deshalb habe man nun in Südtirol diese Maßnahmen gesetzt: Sowohl für das ganze Land als auch für (vorerst) 20 Gemeinden, die ab Mittwoch in einen Teil-Lockdown gehen.

Wöchentliche Neubewertung

Für rote Gemeinden bleiben die Einschränkungen für 14 Tagen aufrecht und werden anschließend neu bewertet. Die Landesregierung hat außerdem beschlossen, dass jeden Freitag durch die Bewertung der 3 Kriterien (Inzidenz, Impfquote und Infektionslage) neue Gemeinden dazu kommen könnten. Das bedeutet: Gemeinden können sich durch die Steigerung der Impfquote vor dieser Einstufung als „rote Gemeinde“ retten bzw. sich daraus befreien. Das Ziel bleibt also: Erstimpfungen steigern und Booster-Impfungen verabreichen.

Skibetrieb auch in roten Gemeinden möglich

Für den Skibetrieb bedeute die aktuelle Regelung jedenfalls keine Einschränkungen, sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher: „Individualsport im Freien ist auch in roten Gemeinden möglich“, erklärte er; im übrigen Südtirol, das noch als weiße Zone gelte, sowieso; auch eine Einstufung als gelbe Zone würde keine Einschränkungen des Skibetriebs bedeuten. In Gondeln gelten Maskenpflicht und reduzierte Kapazitäten, wie gehabt: „Dem Skifahren in Südtirol steht nichts im Wege.“

„Weihnachtsmärkte bedeuten Einkaufen im Freien“

Auch sei es aus heutiger Sicht in Ordnung, die Weihnachtsmärkte abzuhalten: „Weihnachtsmärkte bedeuten Einkaufen im Freien mit Konsumation: Wenn Einkaufen in geschlossenen Räumen möglich ist, wäre es absurd, Einkaufen im Freien zu verbieten“, erläuterte Kompatscher.

Es gebe aber strenge Auflagen wie Zutrittskontrollen, Maskenpflicht und Kontingentierungen: „Aus heutiger Sicht, nach Abwägen der Risiken, sind Weihnachtsmärkte in Ordnung. Sollte es notwendig sein, wird es eine Neubewertung geben“, so Kompatscher.

Landeshauptmann begrüßt Entscheidungen aus Rom

Der Landeshauptmann erklärte, dass man die Entscheidung aus Rom, die Booster-Impfung bereits nach 5 Monaten zu verabreichen, sehr begrüße. Ebenso wie die angekündigte Einführung des Super-Green-Passes. Damit kann eine Differenzierung zwischen Geimpften und Ungeimpften stattfinden. Sprich: Für Geimpfte werden wirtschaftliche und soziale Aktivitäten weiterhin möglich sein, auch wenn es zu weiteren Einschränkungen kommen sollte. Das sei ein sinnvoller Weg und werde von Geimpften auch erwartet, so Kompatscher.

Abschließend appellierte er weiter an die Einhaltung der Regeln und um die Mithilfe aller, damit Südtirol glimpflich durch den Winter komme.

vs/kn