„Für einen erfolgreichen Wahlkampf, der mit viel Verantwortung und Einsatz verbunden ist, braucht es mehr als nur persönliches Engagement – es bedarf einer Mannschaft, die uneingeschränkt hinter einem steht. Leider musste ich letzthin feststellen, dass diese Unterstützung innerhalb der SVP-Stadtpartei nicht gänzlich gegeben ist und ich somit kein Interesse mehr an einer SVP-Spitzenkandidatur habe“, erklärte Konder schriftlich. Kurz darauf kam Unterstützung von Maximin Liebl, Vorsitzender des SVP-Wirtschaftsausschusses in Bozen, der Konder mittels Aussendung zum Rückzug vom Rückzug aufforderte – allerdings vergeblich (siehe Interview rechts). Am Abend sprach dann auch die Ortsgruppe „Bozen Zentrum“ Konder ihre Unterstützung aus und forderte ihn ebenfalls auf, den Rückzug zurückzunehmen.<BR /><h3> „Ich bin überrascht“</h3><BR />Angesichts des Paukenschlages war die Ratlosigkeit in der SVP gestern bei einigen Spitzenvertretern deutlich greifbar. „Ich bin überrascht. Ich wusste nichts davon. Es ist zu früh, um einem Durchblick zu haben, die Gespräche laufen“, erklärte SVP-Stadtobmann Andreas Berger. Konder hatte bei den Gemeinderatswahlen 2020 - hinter Johanna Ramoser - die zweitmeisten Vorzugsstimmen erhalten; der ehemalige Eishockeyprofi ist als Vizebürgermeister eines der bekanntesten Gesichter der Partei in der Landeshauptstadt. Und er war Hauptkontrahent von Stadträtin Ramoser, die aussichtsreiche Anwärterin für die Spitzenkandidatur der SVP bei den Gemeinderatswahlen im Mai 2025 war und ist - zumal nach Konders Rückzug. <BR /><h3> Ein neuer Kandidat?</h3><BR />Spekulationen in der Volkspartei, dass das politische Vakuum, das Konder mit dem Rückzug hinterlässt, kurzfristig von einem neuen Kandidaten gefüllt werden könnte, wollte Berger „nicht kommentieren. Das muss jeder für sich selbst bewerten. Die Dinge können sich oft bis zur letzten Minute ändern“. Er gehe davon aus, dass wie geplant am Montag die Entscheidung über die Spitzenkandidatur getroffen werde. „Bis auf weiteres ist der Termin aufrecht. Dann werden die kommenden Tage weisen, in welche Richtung es gehen wird“, so der SVP-Stadtobmann, „Stand heute gibt es 4 Bewerber für die Spitzenkandidatur.“ <BR /><BR /><BR />Ob aber die Kandidaturen von Hannes Mussak, Evi Seebacher und Christoph Buratti von der Partei angenommen werden, scheint unklar. In der SVP gibt es Überlegungen, diese 3 Kandidaturen als Interessensbekundungen einzustufen, die vom SVP-Koordinierungsausschuss auch abgelehnt werden könnten. „Statutarisch ist das möglich“, bestätige Berger, „aber darüber muss der Ausschuss befinden. Ich gehe, Stand heute, davon aus, dass am Montag eine Entscheidung fällt. Wir werden die Situation intern besprechen.“<BR /><BR /><h3> „Ich trete bei der Gemeinderatswahl 2025 nicht an“</h3><BR /><b>Herr Konder, Sie stehen nicht mehr als Spitzenkandidat der SVP zur Verfügung. In der entsprechenden Aussendung sprechen Sie davon, dass Sie dies „aufgrund der jüngsten Entwicklungen“ entschieden haben.</b><BR /><BR />Stephan Konder: Weder bei der Sitzung des SVP-Koordinierungsausschusses vor 10 Tagen, noch bei einer Sitzung der Ortsobleute gestern habe ich den kompletten Rückhalt gespürt, der für einen Spitzenkandidaten notwendig ist. Daraus habe ich jetzt die Konsequenzen gezogen. Ich bin Vizebürgermeister und hätte mir volle Rückendeckung erwartet, was leider nicht der Fall war. Wenn man ins Play-off geht, sollten alle dem Trainer vollen Rückhalt geben. Sonst wird es nicht funktionieren. Wir wollen ja Wahlen gewinnen.<BR /><BR /><BR /><b>Maximin Liebl, Chef des SVP-Wirtschaftsflügels in Bozen, fordert von Ihnen den Rückzug vom Rückzug.</b><BR /><BR />Konder: Wie gesagt, ich habe nicht das Gefühl, dass ich den nötigen Rückhalt habe. Ich bedanke mich bei Liebl und dem Wirtschaftsflügel, aber ich benötige die Unterstützung der gesamten Mannschaft, nicht nur eines Teils des Teams. Nur so kann man einen Wahlkampf gewinnen. <BR /><BR /><BR /><b>Unterstützen Sie jetzt einen anderen SVP-Kandidaten?</b><BR /><BR />Konder: Es gibt derzeit 4 Kandidaten. Man wird sehen, was sich bei der nächsten Sitzung des Koordinierungsausschusses ergibt. Mich betrifft das jetzt nicht mehr. Ich werde mich in den restlichen Monaten als Vizebürgermeister voll und ganz auf meine Arbeit in der Gemeinde konzentrieren, wo noch sehr viele Projekte anzustoßen und umzusetzen sind. Über den Rest mache ich mir keine großen Überlegungen. Das ist Aufgabe der Stadtpartei. <BR /><BR /><BR /><b>Wie geht es politisch für Sie weiter?</b><BR /><BR />Konder: Als Kandidat auf der SVP-Liste bei den Gemeinderatswahlen trete ich sicher nicht an. Über meine politischen Überlegungen für die Zukunft habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.