Donnerstag, 14. Juli 2016

Sterzing: 3000 protestierten für die Geburtenstation

Am Donnerstagabend demonstrierten zahlreiche Menschen gegen die Schließung der Geburtenstation am Sterzinger Krankenhaus.

An die 3000 Personen sollen sich am Schulzentrum eingefunden haben. - Foto: DLife
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An die 3000 Personen sollen sich am Schulzentrum eingefunden haben. - Foto: DLife

Am 31. Oktober soll es „Licht aus“ in der Sterzinger Geburtenstation heißen. STOL hat darüber berichtet.

Der Beschluss der Landesregierung vom 12. Juli hatte - nicht erst am Tag der Entscheidung - viele Gegner auf den Plan gerufen - es hagelte Kritik. Landeshauptmann Arno Kompatscher verteidigte am Donnerstag während der Generaldebatte zum Nachtragshaushalt die Schließung, während Vertreter der Opposition kein gutes Haar an der Entscheidung ließen.

Am Donnerstag stimmte der Landtag über einen Beschlussantrag ab, der die Landesregierung dazu aufforderte, die Sterzinger Geburtenstation zu retten. Der Antrag wurde mit den Stimmen von SVP und PD abgelehnt - 13 oppositionelle Abgeordnete stimmten für den Antrag.

„Gegen Politik des Aushungerns“

Die Initiative „Das Krankenhaus Sterzing muss offenbleiben“ versuchte am Donnerstagabend die verschiedenen Pro-Stimmen zu kanalisieren. Sie hatte in den letzten Tagen zur Misstrauenskundgebung gegen eine „Politik des Aushungerns“ aufgerufen und mehrere Oppositionsparteien unterstützten den Wipptaler Aufschrei. Die Initiative verband ihren Appell zum Erhalt der Geburtenstation mit politischen Konsequenzen, man solle „auch mal den Rücktritt der Landesrätin Martha Stocker fordern“ - Martha Stocker zeichnet politisch unter anderem für den Bereich der Gesundheit verantwortlich.

Symbolik und Emotionen waren am Donnerstagabend in Sterzing stark präsent. - Foto: DLife

1000 Personen gegen 20 Uhr, eine Stunde später 3000

Gegen 20 Uhr hatten sich etwas über 1000 Personen in Sterzing zum Protest eingefunden, eine Stunde später sollen es 3000 gewesen sein. Darunter befanden sich etliche Vertreter der Oppositionsparteien, für die Freiheitlichen - bis auf Ulli Mair - alle Landtagsabgeordneten. Für die Süd-Tiroler Freiheit waren es Sven Knoll und Bernhard Zimmerhofer, alle drei Grünen Landtagsabgeordneten, Hans Heiss, Brigitte Foppa, Riccardo Dello Sbarba waren ebenso da, auch Andreas Pöder von der BürgerUnion hatte sich eingefunden.

Auch viele Jugendgruppen der Süd-Tiroler Freiheit scheinen zum Protest nach Sterzing gefahren zu sein.

Der Bürgermeister der Fuggerstadt Sterzing, Fritz Karl Messner, - der sich am Montag im STOL-Interview empörte - sprach zu den Sterzingern, seine Kollegen Franz Kompatscher (Brenner), Sebastian Helfer (Ratschings), Peter Faistnauer (Freienfeld) und Stefan Gufler (Pfitsch) wurden ebenso gesehen. Der Franzensfester Bürgermeister befindet sich derzeit im Urlaub.

Der Präsident der Bezirksgemeinschaft Wipptal, Karl Polig, der sich ebenso kritisch über die Entscheidung geäußert hatte, war auch anwesend - er wurde allerdings ausgebuht.

#exitstocker-Plakate - Krankenschwestern trugen "Mundschutz"

Die Stimmung war friedlich, aber nicht immer freundlich. Auf den Straßen standen einige Kinder mit #exitstocker-Plakaten - fiel der Name der Landesrätin ertönten Buhrufe. Die Sterzinger Krankenschwestern standen Spalier und trugen einen besonderen "Mundschutz". Die Initiativgruppe Innichen sowie Teile der Schlanderser Gruppe beteiligten sich anscheinend auch an der Demonstration. 

Die Krankenschwestern trugen einen besonderen "Mundschutz". - Foto: DLife

Nach den zahlreichen, von viel Applaus unterbrochenen Ansprachen, zogen die Demonstranten in einem Sternmarsch - in zwei Gruppen - nach Thuins und bildeten mit Laternen und Fackeln eine Lichterkette.

Von Thuins aus kann man auf Sterzing, das Krankenhaus und den 12er-Turm blicken - dieser war festlich geschmückt und trug auf allen Seiten dasselbe Plakat: "Für unsere Geburtenabteilung" - "Das Krankenhaus muss offenbleiben". 

Vor allem ein symbolisch-emotionaler Akt: Die politische Entscheidung dürfte - aller Voraussicht nach - definitiv gefallen sein.

Gegen 22 Uhr endete die Veranstaltung ohne besondere Zwischenfälle.

stol/aw

stol